Der Medien-Kommissar Ein Medienkontrolleur steht unter Beobachtung

RTL-Lobbyist und Privatsenderverbands-Chef Tobias Schmid wechselt an die Spitze der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen. Ist er promovierte Jurist der richtige Kandidat für diesen Posten?

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Der Wechsel des RTL-Medienpolitikers Tobias Schmid an die Spitze der Landesanstalt für Medien (LfM) in Nordrhein-Westfalen ist für manche eine Provokation. Bislang gab es eine Art chinesische Mauer zwischen den Kontrolleuren und den Kontrollierten. Mit dem Wechsel des Bereichsleiters Medienpolitik der Sendergruppe RTL ist dies passé. Die Organisation Lobbycontrol hat die Wahl kritisiert. Bei den Grünen in Berlin war die Rede, dass mit dieser Personalentscheidung „der Bock zum Gärtner“ gemacht werde.

Tatsächlich ist der promovierte Jurist eine der unermüdlichsten und besten Lobbyisten des privaten Rundfunks. Das ist auch einer der Gründe dafür, weshalb er nebenberuflich auch noch Vorstandsvorsitzender des einflussreichen Privatsenderverbands VPRT in Berlin ist.

Schmid hatte sich aber nicht um die Aufgabe im Düsseldorfer Medienhafen gerissen. Vielmehr sprach die Findungskommission unter Werner Schwaderlapp, der mal ZDF-Intendant werden wollte, den rhetorisch gewandten Medienpolitiker aus Köln an. Mit Erfolg: Schmids Auftritt und seine Präsentation bei der LfM funktionierten bestens. Der Manager erhielt 33 der 38 Stimmen. Er wird Anfang kommenden Jahres 2016 den langjährigen LfM-Direktor Jürgen Brautmeier ablösen.

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Eine leichte Aufgabe wird der Chefposten für den bisherigen Vertrauten von RTL-CEO Anke Schäferkordt nicht. „Tobias Schmid weiß, dass er unter Beobachtung stehen wird“, sagt mir ein RTL-Kollege, der den ehrgeizigen Juristen seit vielen Jahren kennt. „Er wird gegen die Kritik ankämpfen müssen, dass er ein Lobbyist ist“, bestätigt auch ein Medienwächter, der Schmid wohl gesonnen ist.

Der Betroffene selbst reagiert bereits auf die medienpolitischen Bedenken. „Bei Themen der RTL-Mediengruppe werde ich mich in der Übergangszeit vertreten lassen“, sagte mir Schmid. „Meinen VPRT-Vorsitz werde ich bei der nächsten Mitgliederversammlung im September niederlegen.“ Er war seit 2012 Vorstandschef des VPRT.

Schmid sieht in dem Wechsel an die Spitze der größten deutschen Medienaufsicht kein Problem. „Als ich vor Jahren bei der britischen Medienbehörde Offcom war, hat mich die dortige Sachkenntnis und der Respekt beeindruckt. Sie kommt auch daher, dass Verantwortliche zwischen Sender und Senderkontrolle wechseln“, sagte er. Wegbegleiter trauen dem Medienjuristen zu, schnell an seiner neuen Aufgabe zu wachsen. „Er besitzt preußische Qualitäten und wird seinen neuen Dienstherrn loyal dienen“, prognostiziert ein früherer RTL-Manager.

In Düsseldorf hat man sich ohnehin nicht gerade leicht getan, einen Nachfolger für den obersten Medienwächter zu finden. Die Bewerberlage sei nicht besonders gewesen, berichten Beteiligte. Mit der Wahl Schmids hoffen viele auf eine Modernisierung der in die Jahre gekommenen Medienkontrolle. „Er ist ein Experte, der er in die Zukunft weist“, sagt ein Insider, der mit Schmid lange gearbeitet hat. Der RTL-Medienpolitiker kennt zudem alle Windungen des Privatsendergeschäfts aus der Praxis. Sein Netzwerk in der Branche ist eng geknüpft.


„Inhaltlich sind es spannende Zeiten für die Medienbranche“

Schmid wird voraussichtlich Anfang 2016 das Amt im Düsseldorfer Medienhafen übernehmen. Dort dirigiert er dann eine Behörde mit 70 Mitarbeitern, die er zukunftstauglich machen muss. Schmid kann dabei auf die Unterstützung der rot-grünen Landesregierung setzen. Der parteilose RTL-Lobbyist ist ein Duzfreund des Medienstaatssekretärs Marc Jan Eumann.

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Aus dem Kreis der Medienaufseher anderer Bundesländer kamen bislang überwiegend positive Reaktionen, sagt ein Insider. Ihm wird zugetraut, die vorhandenen Bedenken zu zerstreuen. „Schmid kann sehr wohl zwischen seiner bisherigen und der neuen Aufgabe unterscheiden“, ist sich ein RTL-Kollege in Köln sicher. Schon bei dem Privatsender hatte Schmid, der mit einer Juristin verheiratet ist, mit Loyalität und Disziplin überzeugt.

Auf die Medienaufsicht kommen unterdessen gewaltige Aufgaben zu. Schmid will Medienentwicklungen früher erkennen und dann die entsprechenden Reformen einleiten. Der Schutz der Menschenwürde, der Jugend, der Verbraucher sind angesichts der Medienkonvergenz eine gewaltige Aufgabe. „Inhaltlich sind es spannende Zeiten für die Medienbranche, da Fernsehen und Internet immer mehr zusammenwachsen. Die Regulierung der Konvergenz ist eine für alle Bürger wichtige Aufgabe für die Medienaufsicht“, sagt Schmid und meint es sehr ernst damit.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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