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Der Medien-Kommissar Teures Olympia für ARD und ZDF

Discovery darf sich freuen: ARD und ZDF greifen tief in Tasche, um die Medienrechte für die Olympischen Spiele zu kaufen. Das war absehbar: Die öffentlich-rechtlichen sind auf den Sport dringend angewiesen.

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Pro Sieben Sat 1: Die Telenovela im Vorstand – Medien-Kommissar

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) reibt sich die Hände. Die Rechnung der von Korruptionsskandalen erschütterten Organisation ist aufgegangen. ARD und ZDF zeigen weiter die Olympischen Spiele. Denn das reichste öffentlich-rechtliche Fernsehen in Europa hat vom amerikanischen Medienkonzern Discovery eine Sublizenz für die Olympischen Spiele 2018/20 und 2022/24 erworben.

Zuvor hat der TV-Konzern für die Rekordsumme von 1,3 Milliarden Euro die Weltrechte für die vier Olympischen Spiele bis zum Jahr 2024 gekauft. Damit ist das Ziel des IOC im schweizerischen Lausanne erreicht: so viel Geld wie nie zuvor, so viel Reichweite im größten europäischen Medienmarkt wie nie zuvor.

Doch ist die Ausgabenfreudigkeit von ARD und ZDF auch im Sinne der Bürger? Wohl kaum. Denn wer sich für die kriselnden Olympischen Spiele interessiert, hätte die Wettkämpfe auch über die Discovery-Tochter Eurosport geliefert bekommen. Der in der Nähe von Paris ansässige Sportkanal ist schließlich auf allen Verbreitungswegen überall in Deutschland erhältlich.

Als die Gespräche Ende 2016 zwischen den Öffentlich-Rechtlichen und Discovery scheiterten, war in der Branche klar, dass es sich nur um ein taktisches Geplänkel handelte. Denn ARD und ZDF brauchen den Sport wie ein Alkoholabhängiger seinen Schnaps. Denn mit attraktiven Sportrechten holen sich die Rundfunkanstalten die medienpolitisch so wichtige Reichweite und vor allem jüngere Zuschauer. Schließlich liegt das Durchschnittsalter im Ersten, Zweiten und allen Dritten jenseits der 60 Jahre.

Geschickt hatten ARD und ZDF das Geschäft mit dem börsennotierten US-Medienkonzern Discovery Communications, an dem der Medientycoon John Malone Großaktionär und Aufsichtsratschef ist, als cleveren Coup verkauft. Manche Medien sind sogar darauf hereingefallen. Doch tatsächlich ist der Deal vor allem für Discovery lukrativ. In der Fernsehbranche wird davon ausgegangen, dass ARD und ZDF stolze 200 Millionen Euro an Gebührengeldern auf das Konto von Discovery überwiesen werden. ARD und ZDF schweigen traditionell zu den Kosten. Aus rechtlichen Gründen, wie ein ARD-Sprecher aus Anfrage mitteilt. Das Wettbewerbsrecht verbiete die Veröffentlichung von Zahlen bei marktrelevanten Sportrechten.

Um dem Anspruch der Gebührenzahler an Transparenz gerecht zu werden, veröffentlichen ARD und ZDF nur die Gesamthöhe des Sportrechte-Etats nach dessen Verabschiedung durch die in Mainz ansässigen Gebührenfinanzkommission KEF. Der ARD-Sportrechteetat liegt demnach bei jährlich rund ein Viertelmilliarde Euro sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr.


Discovery-Strategie zahlt sich aus

Mit dem ARD/ZDF-Deal hat es Discovery auf einen Schlag geschafft, auf einen Schlag bereits 15 Prozent der Rechtekosten für die Olympischen Spiele bis 2024 wieder hereinzuholen. Hinzu kommt, dass Discovery sich trotz der hohen Summe noch exklusive Senderechte sichern konnte. So können ARD und ZDF beispielsweise bei den Olympischen Winterspielen im kommenden Jahr Jahr längst nicht alle Wettkämpfe im südkoreanischen Pyeongchang zeigen. Eurosport wird beispielsweise populären Sportarten wie Snowboard, Eishockey, Eiskunstlauf und Shorttrack weitgehend exklusiv zeigen.

Die langfristige Strategie des Mutterkonzerns Discovery, der in Deutschland auch mit den Sendern Dmax, Eurosport, Discovery, TLC und Animal Planet vertreten ist, zahlt sich aus. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Aktie mehr als verdoppelt. Erst vor wenigen Wochen hatte Discovery den amerikanischen Wettbewerber Scripps Networks für 12,4 Milliarden Euro übernommen. Damit will der Medienriese seine Stellung im US-Markt für werbefinanziertes Bezahlfernsehen vor allem bei weiblichen Zuschauern ausbauen.

Eigentlich müssten die Aufsichtsgremien ARD und ZDF angesichts der hohen Kosten für künftig weniger Olympia-Rechte auf die Finger klopfen. Doch die seit Jahrzehnten schwachen Kontrollinstanzen der mit acht Milliarden an Gebühren finanzierten Rundfunkanstalten wird das Geschäft mit Discovery durchwinken.

Das grüne Licht gilt nur als Formsache. Denn bei der größten Regierungspartei kommt das Geschäft auf Kosten der Gebührenzahler gut an. „Es ist gut, richtig und wichtig, dass die Öffentlich-Rechtlichen die Möglichkeit haben, von Olympia zu berichten - auch live“, vertraute der sportpolitische Sprecher der CDU, Eberhard Gienger, der „Heilbronner Stimme“ zur Vorsorge schon an.

Der 66-jährige Ex-Lobbyist aus dem schwäbischen Wahlkreis Neckar-Zaber ist alles andere als ein unbefangener Politiker. Der ehemalige Bronzemedaillengewinner am Reck bei den Sommerspielen 1976 war schließlich zwei Jahrzehnte lang Mitglied des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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