Deutsche Bank Gigant mit ungewisser Zukunft

Mit einem Dokumentarfilm versucht das ZDF Licht in die dunkle Vergangenheit der Deutschen Bank zu bringen. Das Ergebnis ist genauso zwiespältig wie die Situation des größten heimischen Geldhauses.

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main (Hessen) spiegelt sich in einer Glasfassade: Wie geht es weiter mit der Bank? Quelle: dpa

Im vergangenen Herbst steckte die Deutsche Bank in ihrer tiefsten Krise. Wie konnte einer der einst größten Finanzkonzerne der Welt in diese Lage kommen? Diese Fragen haben schon viele gestellt, denen das Schicksal der Bank am Herzen liegt. Am späten Mittwoch Abend waren die Reporter von "ZDFzoom" an der Reihe.

Um es vorweg zu nehmen: Wirklich neue Erkenntnisse konnten auch sie nicht gewinnen. Aber ihre Reportage „Gigant ohne Zukunft“ führt noch einmal plastisch vor Augen, wie tief das noch immer mächtigste heimische Geldhaus in den vergangenen Jahren gesunken ist, und welch schlimme Folgen das hatte – nicht nur für Aktionäre und Manager, sondern auch für die Menschen, die in den Sog Abwärtsspirale gerieten.

Das ZDF konnte für diese Dokumentation im Inneren der Deutschen Bank drehen. Vier Mitglieder des Vorstands standen für Interviews und kritische Fragen zur Verfügung. Hat man aus der Vergangenheit gelernt? Wie geht es weiter mit dem Geldhaus?

Das sind die Großaktionäre der Deutschen Bank
Die Deutsche Bank ist zu beinahe zehn Prozent in chinesischer Hand. Das Unternehmens- und Finanzkonglomerat HNA hat seine Beteiligung in der vergangenen Woche mehr als verdoppelt und hält nun 9,92 Prozent an dem Geldhaus, wie aus einer Pflichtmitteilung vom Dienstagabend hervorgeht. Das Aktienpaket der Chinesen, die erst im Februar bei der Deutschen Bank eingestiegen waren, ist rund 3,4 Milliarden Euro wert. HNA hat damit aller Voraussicht nach die Herrscherfamilie von Katar als größten Aktionär der Deutschen Bank abgelöst. Welche anderen Aktionäre Beteiligungen an der Deutschen Bank halten... Quelle: REUTERS
BlackRock Quelle: REUTERS
Katars HerrschaftsfamilieAuch die Königsfamilie aus Katar hält offiziell eine Beteiligung von gut sechs Prozent an der Bank. Nach eigenen Angaben liegen die Anteile sogar bei rund acht Prozent. Die Familie sollte außerdem über weitere Kaufoptionen verfügen. Ex-Premier und Mitglied der Königsfamilie Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani hält die Aktien zusammen mit... Quelle: REUTERS
Hamad Bin Khalifa Al-Thani Quelle: REUTERS
HNADenn die Spitzenposition haben nun die Chinesen eingenommen. Das Unternehmens- und Finanzkonglomerat HNA mit seiner Zentrale in Haikou hat seine Beteiligung mehr als verdoppelt und hält nun 9,92 Prozent an dem Geldhaus. Bereits bei seinem Einstieg hatten die Chinesen in Aussicht gestellt, die Anteile im Laufe der Zeit weiter aufzustocken, aber unter zehn Prozent bleiben zu wollen. Für größere Beteiligungen im Ausland gelten in China Beschränkungen. HNA ist bislang vor allem als Miteigentümer von Fluggesellschaften (Hainan Airlines), Flughäfen (Swissport) und Hotels (Hilton) bekannt, hat seinen Schwerpunkt zuletzt aber stark auf die Finanz- und Immobilien-Branche verlegt. Quelle: HNA
HNA Quelle: REUTERS

Autor Dirk Laabs konfrontierte die Manager mit den Verfehlungen der vergangenen Jahre: Wie konnte es zu all den Skandalen kommen, wieso hat die Risikokontrolle immer wieder versagt? Was hat es mit der Geschäftsbeziehung zwischen Deutscher Bank und Donald Trump auf sich?

Der Film zeigt, wie aus dem als Folge der Finanzkrise versprochenen Kulturwandel ein Kulturkampf geworden ist, der am Ende eine ganze Generation von Managern hinwegfegte. Nicht nur die beiden ehemaligen Vorstandschef Anshu Jain und Jürgen Fitschen, sondern fast den kompletten damaligen Vorstand und viele Führungskräfte auf der Ebene darunter.

„Es waren mit Sicherheit nicht immer alles ehrbare Kaufleute in der Deutschen Bank“, gibt Christian Sewing, seit Kurzem einer der beiden Vize-Chefs der Deutschen Bank, zu. Der zweite neue Vize-Chef Marcus Schenck fügt hinzu: „Fast sieben von zehn Leuten, die in unserer obersten Führungsmannschaft sitzen, sind heute neu in ihren Positionen." Solche Selbstkritik fällt Managern normalerweise nicht leicht, aber für Schenck und Sewing ist es ja keine Selbstkritik, denn die beiden sind genauso wie Vorstandschef John Cryan Teil der neuen Mannschaft, die die Bank aufräumen und wieder auf Kurs bringen soll.

Die teuersten Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank

Die Reportage beleuchtet auch eines der tragischsten Kapitel in den düsteren Jahren des Geldhauses. Der Risikospezialist William Broeksmit hatte sich im Januar 2014 in seiner Londoner Wohnung das Leben genommen und mehrere Abschiedsbriefe hinterlassen, unter anderem an seinen langjährigen Weggefährten, den ehemaligen Vorstandschef Anshu Jain. Um ihn herum lagen interne Unterlagen der Deutschen Bank.

Broeksmit hatte bei einem Arzt wenige Monate vor seinem Freitod darüber geklagt, dass er sich große Sorgen wegen mehrerer Ermittlungen von europäischen und US-amerikanischen Behörden gegen die Bank macht. Er hatte Angst davor, bankrott zu gehen oder ins Gefängnis zu kommen.

Die ZDF-Reporter hatten die Chance, mit Broeksmits Sohn Val zu sprechen, der seit drei Jahren verzweifelt versucht herauszufinden, warum sich sein Vater erhängte, und bis heute keine befriedigende Antwort gefunden hat. Vize-Chef Sewing versichert, dass die Bank alles getan habe, um die Vorgänge rund um den Selbstmord aufzuklären. Zu den Ergebnissen der externen Untersuchung will er sich allerdings nicht äußern.

Sylvie Matherat, im Vorstand der Deutschen Bank heute zuständig für die internen Kontrollen, wählt drastische Worte für die Veränderungen seit der Ära Jain: Die Bank habe eine Art "Elektroschock" gebraucht. Viele Topmanager hätten das Geldhaus verlassen müssen, damit alle Angestellten der Bank begreifen, dass es der neuen Bankführung ernst sei mit dem neuen Kurs. Bleibt die Frage, ob diese Elektroschocks reichen? Am Ende kommt die ZDF-Reportage zu dem Schluss, dass die Zukunft der Deutschen Bank nach wie vor ungewiss sei.

Aber das hat die Zukunft nun einmal so an sich. Vor allem für eine Bank, die nach langen Irrwegen, wieder zurück zu sich selbst finden und dabei auch noch Geld verdienen muss. Den Blick endlich einmal nach vorne richten - nichts wünscht sich die neue Deutsche Bank-Führung mehr. Ob das gelingen kann, wird sich zumindest ein Stück weit schon auf der heutigen Hauptversammlung zeigen.

Das Top-Management hofft auf Versöhnung, aber vielleicht sollten sich Cryan, Sewing, Schenck und Co an das Wort des Dichters T. S. Eliot erinnern: „Wer vor seiner Vergangenheit flieht, hat das Rennen schon verloren.“

Wer Suizidgedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen dabei, die Gedanken zumindest vorübergehend auszuräumen. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist oder sich um nahestehende Personen sorgt, kann sich – auch anonym – an die Telefonseelsorge wenden: Sie bietet schnelle Hilfe an und vermittelt Ärzte, Beratungsstellen oder Kliniken unter der Nummer 0800/111 01 11.

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