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Deutsche Bank Großaktionäre fordern Reaktion von Aufsichtsratschef Achleitner

Die mögliche Ablösung von Deutsche-Bank-Chef Cryan verunsichert die Aktionäre. Der Druck auf Aufsichtsratschef Achleitner steigt.

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Großaktionäre fordern eine klarere Kommunikation von Achleitner in der aktuellen Personaldebatte. Quelle: Reuters

Frankfurt Nach tagelanger Ungewissheit über die Zukunft von Deutsche-Bank-Chef John Cryan fordern mächtige Aktionäre eine klare Ansage von Aufsichtsratschef Paul Achleitner. „Warum ist von Achleitner nichts zu hören?“, sagte ein Vertreter eines der größten Anteilseigner des kriselnden Geldhauses, der anonym bleiben wollte, am Donnerstag zu Reuters.

Ein anderer wichtiger Aktionär äußerte sich ähnlich: Eine klarere Kommunikation wäre in der jetzigen Situation hilfreich. Die Deutsche Bank wollte sich nicht zu den Forderungen der Anteilseigner äußern.

Cryan hatte am Mittwoch in einem Brief an die Belegschaft klar gemacht, dass er trotz der zähen Sanierung und einiger Rückschläge in jüngster Zeit gerne im Amt bleiben würde. Tags zuvor war allerdings durchgesickert, dass Achleitner mit der Suche nach einem Ersatz für Cryan begonnen hat, der die größte deutsche Bank seit Mitte 2015 führt.

„Cryans Schreiben an die Mitarbeiter liest sich wie eine Bestätigung, dass er auf seinem Platz bleiben will. Aber wo ist die Unterstützung des Aufsichtsrats?“, hieß es von Seiten des Großaktionärs. „Irgendeine Form von Bestätigung wäre für die Investoren sehr hilfreich, ebenso für den Finanzmarkt insgesamt. Wir können nicht wirklich mehr tun, als das zu fordern. Aber die Tatsache, dass es bis dato keine Rückendeckung (für Cryan) gibt, sagt natürlich etwas aus.“

Viele Großaktionären halten Cryan aufgrund der nur langsam erkennbaren Fortschritte für nicht mehr haltbar. Seine Verdienste als Sanierer und Aufräumer sind zwar unbestritten. Einflussreiche Investoren zweifeln jedoch daran, dass er die Bank künftig auch auf Wachstumskurs führen kann. Andere Großaktionäre sprechen Cryan hingegen weiter das Vertrauen aus.

In diesem Kontext gerät auch Achleitner selbst unter Druck. Dem Aufsichtsratschef wird vorgeworfen, zum einen zu lange an der alten Doppelspitze, bestehend aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen, festgehalten zu haben. Zum anderen wird er dafür kritisiert, keinen geeigneten Nachfolger für Cryan aufgebaut zu haben.

Zuletzt war bei der Deutschen Bank eine negative Nachricht auf die nächste gefolgt: Der Aktienkurs ist in den vergangenen drei Monaten um ungefähr ein Drittel gesunken, die so wichtige Investmentbankingsparte schwächelt weiterhin und auch in der Führungsetage der Bank kriselt es. Im Februar musste Cryan außerdem den dritten Jahresverlust in Folge bekanntgeben.

Zunächst hatte die britische „Times“ darüber berichtet, dass Achleitner einen Nachfolger für den Briten sucht. Recherchen des Handelsblatts bestätigten diese Informationen. Die Bank gab darauf keinen Kommentar ab, ehe am Mittwochabend der Cryan-Brief folgte.

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