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Deutsche Bank John Cryan wehrt sich gegen US-Justiz

Die US-Regierung verlangt eine überraschend hohe Strafe über 14 Milliarden Dollar von der Deutschen Bank. Das Geldhaus ist zuversichtlich, die Summe herunterhandeln zu können. Bei Börseneröffnung gingen die Aktien in den Sinkflug.

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Die Deutsche Bank bestätigt: Im Streit um Hypothekengeschäfte fordert das US-Justizministerium von dem Frankfurter Geldhaus 14 Milliarden Dollar. Quelle: Reuters

Die Deutsche Bank hat bestätigt, dass das US-Justizministerium ihr eine Forderung über 14 Milliarden Dollar geschickt hat. Dabei geht es um Verfehlungen in Zusammenhang mit der Verbriefung zweifelhafter Immobiliendarlehen.

Das Geldhaus betont: „Die Deutsche Bank hat keine Absicht, diese möglichen Forderungen auch nur in der Nähe der zitierten Summe zu begleichen. Die Verhandlungen beginnen jetzt erst. Die Bank erwartet, dass sie zu einem ähnlichen Ergebnis führen wie bei vergleichbaren Banken, die sich auf weitaus niedrigere Summen geeinigt haben.“ Dennoch reagierten die Anleger verschreckt: Im Dax sorgte ein Kurssturz von 6,6 Prozent (Stand:11:06 Uhr) für Aufsehen.

Anfang des Jahres hatte Goldman Sachs in einem vergleichbaren Fall nach langen Verhandlungen einem Bußgeld in Höhe von rund 2,6 Milliarden Dollar zugestimmt. Diese Summe galt bisher als möglicher Vergleichsmaßstab für die Deutsche Bank.

Obwohl sicher noch Verhandlungsspielraum besteht, ist die Zahl von 14 Milliarden doch überraschend hoch. Die Bank hat sich offenbar entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen, weil das „Wall Street Journal“ die Summe vorab in Erfahrung gebracht hatte.

Anfang der Woche war die Nachricht über eine Forderung der US-Justiz bereits durch eine Meldung des „Manager-Magazins“ an die Öffentlichkeit gelangt, allerdings ohne Nennung des Betrags. Seit langem wartet die Bank darauf, diese Probleme abschließend regeln zu können.

Finanzkreise gingen bisher davon aus, dass die Bank noch vor den US-Wahlen im November den Fall über die Bühne bringen kann. Fraglich ist allerdings, ob sich die Obama-Regierung nach Bekanntwerden der hohen Summe kurz vor der Wahl auf einen Bruchteil wie etwa drei Milliarden Dollar herunterhandeln lässt. Schließlich steht US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, die Barack Obama nach Kräften unterstützt, ohnehin in dem Ruf, zu sehr mit der Finanzwelt verbandelt zu sein.

In der Vergangenheit haben US-Banken wie JP Morgan und Bank of America in ähnlichen Fällen bereits zweistellige Milliardenbeträge gezahlt. Allerdings sind diese Banken ungleich größer, ertragsstärker und besser kapitalisiert als die Deutsche Bank. Diese Strafen waren überwiegend Folge einer fahrlässig großzügigen Kreditvergabe vor der Finanzkrise 2008.

Der deutsche Branchenprimus hat nach Daten von Thomson Reuters eine Börsenkapitalisierung von knapp 19 Milliarden Euro, das entspricht rund 21 Milliarden Dollar. Die Aktie ist seit Sommer 2015, dem Amtsantritt des neuen Bankchefs John Cryan, von gut 25 auf nunmehr 13 Euro gefallen, zu ihren besten Zeiten vor etwa neun Jahren lag sie bei mehr als 90 Euro.

Auf einen Blick: Probleme bei der Deutschen Bank

Die Bank hat 5,5 Milliarden Euro für Rechtskosten zurückgestellt, wobei die Verteilung auf einzelne Problemfelder nicht aufgeschlüsselt ist. Das Geldhaus hat beim letzten Stresstest der Europäischen Zentralbank, bei dem extreme wirtschaftliche Krisen und ihre Auswirkungen auf die Bank simuliert werden, relativ schwach abgeschnitten. Das brachte ihren Börsenkurs unter Druck, weil die Investoren mit der Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung rechnen, die das Aktienkapital verwässern würde.

Nach dem letzten Quartalsbericht liegt das Eigenkapital bei 67 Milliarden Euro, die Barreserven (Bargeld plus Zentralbankguthaben) erreichen demnach 123 Milliarden bei einer Bilanzsumme von 1,8 Billionen. Gut ein Drittel des Vermögens steckt in Derivaten.

Forderung könnte zu Politikum werden

Die Höhe der bekanntgewordenen Forderung kann leicht auch zum Politikum werden. Bei hohen Forderungen an europäische Geldhäuser ist oft der Eindruck entstanden, ausländische Banken würden in den USA härter angefasst als einheimische. Tatsächlich hat bisher niemand einen rational nachvollziehbaren Maßstab ermittelt, nach denen sich die Forderungen der US-Justiz bemessen.

Im Laufe der Jahre scheinen sie eher gewachsen zu sein. Die Frage, wie viel eine Bank ohne Gefährdung bezahlen kann, dürfte auch eine Rolle spielen – kein US-Aufseher will eine übergreifende Krise heraufbeschwören.

Die Problemfälle der Deutschen Bank
Mai 2016Der italienische Staatsanwalt Michele Ruggiero ermittelt wegen Marktmanipulation gegen die Deutsche Bank und fünf aktuelle und ehemalige Top-Manager. Es geht um den Verkauf von italienischen Staatsanleihen im Wert von sieben Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2011. Die Deutsche Bank soll öffentlich versichert haben, dass die italienischen Staatsschulden stabil seien, gleichzeitig aber den Märkten und dem Finanzministerium in Rom verschwiegen haben, dass sie ihre eigenen Bestände drastisch abbauen werde. Quelle: REUTERS
Mai 2016Die Deutsche Bank legt ein Verfahren in den USA außergerichtlich bei. Sie zahlt 50 Millionen Dollar wegen des Vorwurfs der Manipulation des Marktindexes Isdafix. Mehrere Pensionsfonds und Kommunen hatten insgesamt 14 Banken vorgeworfen, den Wettbewerb auf dem Markt für sogenannte Zinsswaps behindert zu haben. Quelle: REUTERS
Mai 2016Die britische Finanzaufsicht FCA wirft der Deutschen Bank grobe Versäumnisse bei ihren Kontrollsystemen vor. Die Aufsicht kritisiert die Vorkehrungen des Instituts gegen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Sanktionsverstöße. Diese wiesen "systematische Mängel" auf. Führungskräfte seien nicht ausreichend im Kampf gegen Finanzkriminalität engagiert. Quelle: REUTERS
28. April 2016Dieser Ärger ist hausgemacht: Georg Thoma, Leiter des Integritätsausschusses im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, legt sein Amt nach massivem Druck seiner Kollegen nieder. Da Thoma vor allem die Aufklärung von Skandalen vorantreiben sollte, verunsichert sein Rückzug die Investoren.    Quelle: dpa
25. April 2016Ausnahmsweise mal ein juristischer Erfolg für die Bank. Das Münchner Landgericht spricht Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen und vier Ex-Spitzenbanker vom Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs frei. Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten vorgeworfen, im Zivilprozess um die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch gelogen zu haben. Quelle: dpa
22. April 2016Aktionärin Marita Lampatz verlangt eine umfangreiche Sonderprüfung bei der Deutschen Bank. Neben vergangenen Jahresabschlüssen soll ein externer Experte auch Schadenersatzansprüche gegen Aufsichtsratschef Paul Achleitner und andere Topmanager wegen des Libor-Zinsskandals prüfen. Über den Antrag entscheidet die Hauptversammlung am 19. Mai. Quelle: dpa
April 2016Die Veröffentlichung der „Panama Papers“ zeigt, dass rund 30 deutsche Banken in den vergangenen Jahren die Dienste der Kanzlei Mossack Fonseca genutzt und mit ihrer Hilfe Briefkastenfirmen aufgesetzt haben. Auch die Deutsche Bank ist dabei. Quelle: REUTERS

Ein Schwächeanfall der Deutschen Bank wäre ein schlechtes Signal für die gesamte europäische Branche. Dort knistert es vor allem in Italien, wo große Häuser wie Unicredit unter einem Berg von faulen Krediten leiden. Die Lage dort ist heikel, weil Regeln der EU dem Staat die Unterstützung der Banken erschweren, zudem steht Regierungschef Matteo Renzi unter Druck.

John Cryan kämpft mit allen Kräften gegen den Abstieg der Deutschen Bank. Er hat in dem Zusammenhang schon deutlich Risikopositionen abgebaut. Die Glaubwürdigkeit des Geldhauses bei US-Aufsehern hat in der Vergangenheit unter zum Teil ungenügenden Kontroll- und Berichtssystemen gelitten, nach dem Geschmack der Amerikaner sollten Banken auch besser kapitalisiert sein. Das Geldhaus hat zudem ein Kostenproblem, das noch aus der Zeit früherer Bankchefs herrührt. Unter anderem wegen des schwachen Aktienkurses, der auf die variable Vergütung durchschlägt, sind auch Mitarbeiter frustriert.

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