Deutsche-Bank-Tochter Postbank übertrumpft ihre Konzernmutter

Lange stand die Bonner Tochter im Schatten des Deutsche-Bank-Konzerns. Jetzt legt sie Zahlen vor, die besser sind als die der Mutter.

Die Fusionskosten mit der Deutschen Bank belasten den Gewinn des Bonner Geldhauses. Quelle: dpa

FrankfurtKeine Frage, die Integration in die Deutsche Bank hat das Ergebnis der Postbank belastet. Auf 225 Millionen Euro beziffert das Institut die Summe, die sie im Geschäftsjahr 2017 für „strategische Initiativen“ ausgegeben hat, die mit der geplanten Verschmelzung mit dem Privatkundengeschäft der Deutschen Bank zu tun haben. Das sei ausschlaggebend dafür gewesen, dass das Vorsteuerergebnis um 18,7 Prozent auf 248 Millionen Euro geschrumpft sei, teilte die Postbank am Mittwoch mit.

Bereinigt um solche Spezialeffekte wäre der Vorsteuergewinn mit 649 Millionen Euro um knapp 40 Prozent höher ausgefallen als im Vorjahr. Angaben zu ihren Gesamterträgen machte die Postbank nicht. Um Sondereffekte bereinigt, sollen sie stabil gewesen sein. Diese Entwicklung dürfte nicht zuletzt dem deutlichen Wachstum im Kreditgeschäft geschuldet sein. Denn die neuen Kredite bremsten den Rückgang bei den Zinserträgen, unter dem angesichts niedriger Zinsen viele Banken leiden.

Bei der Postbank verringerte sich der Zinsüberschuss um rund fünf Prozent. Neben dem florierenden Kreditgeschäft verdankte das Institut dies auch der unerwartet niedrigen Risikovorsorge.

Für die Bank noch erfreulicher: Das von der Zinsentwicklung unabhängige Provisionsergebnis verbesserte sich deutlich um zwölf Prozent auf 936 Millionen Euro. In den Provisionsüberschuss einer Bank fließen unter anderem Gebühren für Kontoführung, aber auch für Wertpapiertransaktionen ein. Die Deutsche Postbank hatte Ende 2016 ihre kostenlosen Girokonten abgeschafft. Durch die Änderung ihres Preismodells verlor das Institut zwar Kunden, verdiente unter dem Strich aber auch mehr Geld.

Mittlerweile scheinen die Kunden der Postbank das neue Gebührenmodell verziehen zu haben: Im Verlauf des vierten Quartals sei die Zahl der Girokonten „erstmals nach Einführung des neuen Preismodells“ wieder „leicht“ gewachsen, teilte das Institut mit. Die Formulierung legt nahe, dass das Institut die durch die Kontoführungsgebühren verursachte Delle bei der Kundenzahl damit aber noch nicht wieder wettgemacht hat.

Wachstum beim Girokonto

Mit einer um immaterielle Vermögenswerte bereinigten Eigenkapitalrendite (Return on Tangible Equity) von 4,7 Prozent war die Postbank unter dem Strich profitabler als der Mutterkonzern: Die Deutsche Bank hatte das Geschäftsjahr 2017 mit einem Verlust abgeschlossen, und selbst die gesamte Privatkundensparte der Deutschen Bank kam bei dieser Kennziffer gerade einmal auf zwei Prozent. Bereinigt um Sondereffekte hat die Postbank nach eigenen Angaben sogar eine Rendite von 9,9 Prozent erzielt.

Entsprechend selbstbewusst äußerte sich Postbank-Chef Frank Strauß zu den Ertragszahlen: „Insgesamt blicken wir auf ein erfolgreiches Jahr zurück“, sagte Strauß, der zugleich Co-Chef der Privatkundensparte der Deutschen Bank ist.

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