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Deutsche Börse Unter den Augen des Adlers

Die Deutsche Börse sponsert die Frankfurter Eintracht. Vorstandschef Carsten Kengeter will so die Verbundenheit mit dem Finanzplatz zeigen. Doch das Manöver dürfte kaum reichen, um das ramponierte Image aufzupolieren.

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Sponsoring von Eintracht Frankfurt: Börsenchef Carsten Kengeter (rechts neben dem Bullen) bekennt sich zum Finanzplatz Frankfurt. Quelle: action press

In seinen besten Momenten offenbart der Fußball universelle Wahrheiten: „Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten“, erkannte einst Sepp Herberger. „Manchmal gewinnt der Bessere“, sagte Lukas Podolski nach dem WM-Halbfinale gegen Italien. Jetzt ist der Sport um eine Weisheit reicher. Manche Dinge seien beim Fußball wie an der Börse, sagt Carsten Kengeter,  Vorstandschef der Deutschen Börse und Fußballfan: „Wenn man Rückschläge wegsteckt und die Nerven behält, dann geht es wieder nach oben“.

Kengeter hofft, dass diese Weisheit auch für ihn persönlich gilt: Nach der geplatzten Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) und der Affäre um seine umstrittenen Aktienkäufe steht der Vorstandschef unter enormen Druck. Seine Zukunft bei der Deutschen Börse ist ungewiss. Gute Nachrichten kann er derzeit somit gut gebrauchen – und stellte am Dienstag auf dem Börsenparkett die „Premium-Partnerschaft“ mit der Eintracht Frankfurt vor. Durch das Sponsoring möchte die Börse ihre Verbundenheit mit dem Finanzplatz beweisen. Doch das Manöver kommt spät und wird alleine kaum ausreichen, um den angekratzten Ruf des Unternehmens am Main zu verbessern.

Denn durch den Umzug von Frankfurt ins Gewerbesteuer-Paradies Eschborn vor einigen Jahren und ihm Rahmen der LSE-Fusion hat der Konzern viel Vertrauen verspielt. Gemeinsam mit der Londoner Börse hatte Kengeter einen europäischen Börsenriesen schmieden wollen. Weil der Sitz des gemeinsamen Konzerns in London liegen sollte, zogen die Hochzeitspläne in Mainhattan viel Protest auf sich. Die Fusion scheiterte schließlich am Widerstand der EU-Kommission und handwerklichen Fehlern, aber das Verhältnis zur Frankfurter Finanzwelt gilt noch immer als belastet.

Mehr noch: Weil sich Kengeter vor Bekanntwerden der Fusionspläne mit Aktien der Deutschen Börse eindeckte, geriet er ins Visier der Staatsanwaltschaft. Die Ermittler glauben, dass der Manager bei seinen Aktienkäufen von der geplanten Fusion wusste und werfen ihm Insiderhandel vor. Kengeter und der Konzern weisen die Vorwürfe zurück, doch sein Schicksal in Eschborn ist ungewiss. Denn auch die hessische Börsenaufsicht prüft, ob Kengeter angesichts der Vorgänge weiter als zuverlässig gelten kann – sie kann ihm die rote Karte zeigen.

Statt der Börsenaufsicht sitzt Kengeter am Dienstag das lebende Eintracht-Masskottchen Attila im Nacken. Auf Kengeters freundliches „Guten Morgen“ reagiert der Adler mit einem patzigen Flügelschlag und touchiert dabei mehrfach Kengeters Hinterkopf.

Deutlicher herzlicher fällt der Austausch mit Eintracht-Vorstand Axel Hellmann aus, der Kengeter angesichts der Partnerschaft in den höchsten Tönen lobt. „Die Lokomotive des Finanzplatzes gibt damit ein klares Bekenntnis zu Frankfurt ab“, sagt Hellmann. Seit fast zehn Jahren bemühe sich der Verein um eine engere Verbindung mit der Deutschen Börse, sagte der Eintracht-Vorstand. Doch unter Kengeters Vorgänger Reto Francioni, der seine Freizeit lieber in seiner Schweizer Heimat als im Frankfurter Fußballstadion verbrachte, blitzte der Bundesligist mit seinem Ansinnen ab.


Partnerschaft kostet zwei Millionen Euro jährlich

Unter Kengeter lief es besser. Kein Wunder, spielte der Heilbronner doch selbst von der E- bis zur A-Jugend Fußball. „Das ist es, was Fredi Bobic und ich gemeinsam haben“, sagte Kengeter. „Danach hörte es auf“. Bobic stürmte lange Zeit für den VfB Stuttgart,  seit vergangenem Jahr Sport-Vorstand bei Eintracht Frankfurt. Kengeter arbeitete unter anderem für die Investmentbanken Goldman Sachs und UBS, seit Sommer 2015 steht er an der Spitze der Deutschen Börse.

Reibungslos lief es mit der Kombination Eintracht Frankfurt und Deutsche Börse allerdings auch unter Kengeter nicht. Als das Eintracht-Sponsoring im März 2017 zusammen mit anderen möglichen Initiativen in der Rhein-Main-Region erstmals im Vorstand der Deutschen Börse  diskutiert wurde, gab es Insidern zufolge viele kritische Stimmen. Erst im zweiten Anlauf winkte das Gremium das Sponsoring dann durch.

Mit der Partnerschaft, die jährlich rund zwei Millionen Euro kosten soll, will das Unternehmen nun Boden gutmachen. Ein Plakat zeigt Börse, Bär und Adler gemeinsam unter dem Motto „Aus Frankfurt, für Frankfurt“. Der Imagefilm der Börse wird bei Heimspielen in der Commerzbank-Arena gezeigt. Und auf dem Hemdsärmel der Spieler prangt das Börsen-Logo: Die stilisierte Dax-Kurve. Die hat zwar auch Rückschläge, zeigt am Ende aber nach oben.

Ob das auch für Kengeters Karriere gilt? Sein Vertrag bei der Deutschen Börse läuft Ende März aus. Auf Fragen von Journalisten nach einer möglichen Verlängerung will der Manager am Dienstag lieber nicht eingehen. Die Spieler der Eintracht geben noch Autogramme, da verlässt der Börsenchef nach rund 45 Minuten den Platz. Von Bodyguards abgeschirmt verschwindet er in einem schwarzen Kleinbus.

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