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Deutsche Energiepool Gaspreisschock: Erster deutscher Versorger gibt Gas-Vertrieb auf

Die Deutsche Energiepool stellt den Gas-Vertrieb ein. Quelle: dpa

Der starke Anstieg der Börsenpreise für Erdgas sorgt für Unruhe. Die Bundesregierung versichert, es gebe keine Versorgungsengpässe. Für die Kunden eines kleinen Lieferanten sieht das anders aus.

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Die drastisch gestiegenen Gaspreise zwingen in Deutschland einen ersten Versorger in die Knie. Die im niedersächsischen Salzbergen ansässige Deutsche Energiepool teilte am Freitag auf ihrer Online-Seite mit, vielen Kunden die Lieferverträge gekündigt zu haben. „In den letzten Monaten haben sich die Beschaffungspreise für Erdgas und für Strom am Terminmarkt rund verdreifacht, die Preise für kurzfristige Beschaffung sind rund verfünffacht“, erklärte das Unternehmen.

Mit einer solchen Entwicklung habe kaum jemand gerechnet. Deutsche Energiepool habe sich daher zu den Kündigungen gezwungen gesehen. Zudem sei beschlossen worden, die bundesweite Belieferung von Erdgas vollständig einzustellen. Wie viele Kunden das betrifft, blieb offen. Das Unternehmen kündigte an, sich künftig auf Dienstleistungen im Energiesektor zu konzentrieren. „Derzeit sind wir auf telefonischem Weg aufgrund der Überlastung nur schlecht erreichbar“, hieß es zudem. Auf eine E-Mail der Nachrichtenagentur Reuters reagierte das Unternehmen zunächst nicht. Die Firma mahnte ihre Kunden zur Zahlungstreue. „Bis zum Tag des Wirksamwerdens der Kündigung wird der Vertrag unsererseits erfüllt – Bitte halten auch Sie sich daran.“

In der Kälte müssen die Kunden aber nicht sitzen. Der Energiekonzern E.On springt ein. „Als zuständiger Grund- und Ersatzversorger in weiten Teilen Deutschlands steht E.On allen betroffenen Kunden zur Seite, die nicht mehr beliefert werden können.“ Der Konzern stelle sicher, dass es zu keiner Unterbrechung der Energieversorgung komme.

Bei E.On stehe beim Energieeinkauf vor allem die Planungssicherheit im Vordergrund, betonte E.On-Energie-Manager Christoph Müller. „Wir kaufen die benötigten Energiemengen langfristig und vorausschauend ein, um genau solche Preisspitzen, wie wir sie derzeit erleben, im Sinne unserer Kunden zu vermeiden.“

Die drastisch gestiegenen Gaspreise haben in Großbritannien mehrere Billiganbieter in die Insolvenz getrieben. Die Bundesregierung sieht derzeit allerdings keine Engpässe bei der Gasversorgung in Deutschland. Die Gasspeicher seien auch im internationalen Vergleich gut gefüllt, zum Beispiel viel mehr als in Großbritannien, sagte am Freitag eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin. Im Vergleich: Während die Gasspeicher in Deutschland mit einer Gesamtkapazität von 24,6 Milliarden Kubikmeter zu 64,69 Prozent gefüllt, seien und dieser Prozentsatz wöchentlich steige, habe Großbritannien gerade einmal ein Sechzehntel der Kapazitäten aufgebaut.

Das Ministerium beobachte die Lage am Gasmarkt sehr genau, hieß es. Mit Blick auf deutliche Preissteigerungen sagte die Sprecherin, es gebe einen Strauß an Ursachen. Sie verwies etwa auf das Wiederanziehen der Konjunktur in Asien. Der Markt reagiere bereits, so habe Norwegen das Fördervolumen erhöht.

Die Großhandelspreise für Gas waren in den vergangenen Monaten sehr stark gestiegen. Nach Angaben des Vergleichsportals Check24 liegt der Börsenpreis auf einem Allzeithoch. Für September sei bisher ein Preis von 44,03 Euro pro Megawattstunde ermittelt worden. Im September 2020 habe die Megawattstunde nur 7,99 Euro gekostet, das sei eine Steigerung von 451 Prozent.

Die großen Gasversorger kaufen allerdings langfristig ein, so dass Preissprünge an der Börse nicht unmittelbar durchschlagen. „Wir kaufen die benötigten Energiemengen langfristig und vorausschauend ein, um genau solche Preisspitzen, wie wir sie derzeit erleben, im Sinne unserer Kunden zu vermeiden“, teilte der Energiekonzern Eon mit.

Nach der Preisexplosion an den Gasmärkten will ein kleiner Anbieter die Belieferung von Kunden mit Erdgas einstellen. Das Unternehmen Deutsche Energiepool (DEP) aus Salzbergen in Niedersachsen teilte auf seiner Internetseite mit, es sei „aufgrund wirtschaftlicher Unzumutbarkeit“ gezwungen, viele der geschlossenen Verträge zu kündigen. Bis zum Tag des Wirksamwerdens der Kündigung werde die Deutsche Energiepool die Verträge erfüllen.

Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben auf die Beschaffung von Erdgas für Industriekunden und Stadtwerke spezialisiert und beliefert seit dem Jahr 2021 auch Privatkunden. Für Nachfragen war es am Freitag nicht zu erreichen.

„Die Massenkündigung der Gaslieferverträge nach nur wenigen Monaten, Wochen oder sogar nur 14 Tagen Laufzeit vor Beginn der Heizperiode ist außergewöhnlich“, sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, Udo Sieverding. Die Verbraucherzentrale erreichten derzeit auffällig viele Beschwerden von DEP-Kunden.

Auffällig sei auch die DEP-Tarifstruktur mit einem sehr hohen Grundpreis und gleichzeitig außergewöhnlich niedrigem Arbeitspreis, sagte Sieverding. Dies rechne sich für Verbraucher nur dann, wenn bei hohem Verbrauch während der heizintensiven Monate Gas geliefert werde. Nach den Kündigungen vor der Heizperiode bestehe ein krasses Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung. Die Bundesnetzagentur müsse als Aufsichtsbehörde wachsam sein.

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Privatkunden, denen der Liefervertrag durch das Unternehmen gekündigt wurde, haben Anspruch auf Belieferung durch den örtlichen Grundversorger. Das ist nach eigenen Angaben in vielen Teilen Deutschlands E.On. „Wir stellen sicher, dass es zu keiner Unterbrechung der Energieversorgung kommt“, teilte E.On mit.

Mehr zum Thema: Geschätzt 100 Milliarden Euro werden Haushalte in der EU zusätzlich zahlen müssen, um in den kommenden Monaten nicht im Kalten zu sitzen. Regierungen zahlreicher EU-Länder steuern gegen und fordern Maßnahmen aus Brüssel. Und: Wie sich ein kalter Winter in deutschen Wohnungen noch verhindern lässt

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