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Die Chef-Beraterin Wer braucht noch die Weihnachtspost?

Sind Weihnachtsgrüße per E-Mail wirklich ein Sittenverfall? Schlimmer sind da doch unpersönliche Karten mit einfallslosen Texten. Von der alljährlichen Kalenderflut ganz zu schweigen.

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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Viele Unternehmen senden ihren Mitarbeiter, Kunden und Partner des Hauses keine Weihnachtskarten mehr mit der Post. Sie schicken stattdessen E-Mails. Diese sind manchmal, beileibe nicht immer, persönlich adressiert, einigermaßen freundlich getextet und fast immer ein bisschen kitschig illustriert. Außer, sie machen was mit Werbung, dann ist natürlich auch die Weihnachtsmail irgendwie clever. Alle anderen schreiben halt so das Übliche.

Jedenfalls werden diese Weihnachts-E-Mails nicht selten ähnlich bewertet wie gekappte Ohren bei Rassehunden, verwaiste Ladenzeilen in den Innenstädten, Papierkaffeebecherberge und jüngst zuckerhaltige Kekse für Säuglinge. Wer nicht in feinster Handschrift mit Füllfederhalter auf Büttenpapier seine Weihnachtspost versendet, der ist dem Niedergang der Kultur zum Opfer gefallen. Mag man meinen.

Dem möchte ich etwas entgegen halten. Und das sind Berge von Karten mit so einfallslosen wie klischeehaften Bildern, mit Standardtexten und unterschrieben von Menschen, die ich oftmals noch nicht einmal persönlich kenne. Und das hat jetzt aber auch gar nichts mit einer möglicherweise ignoranten Haltung meinen Mitmenschen gegenüber zu tun. Mitnichten.

Ich habe keinerlei Schwierigkeiten, mich an Menschen zu erinnern, mit denen ich das Jahr über zu tun hatte. Nur werden die Adressenlisten für den Versand von Weihnachtskarten ganz offensichtlich aus Datenbanken generiert, die Empfänger ganz und gar nach dem Zufallsprinzip auswählen. Jedenfalls bekomme ich deutlich mehr Weihnachtskarten, als ich über einen Zeitraum von zwölf Monaten Freude verbreiten kann. Das geht gar nicht!


Eine Flut der Kalender

Apropos Freude verbreiten. Es sind ja nicht nur die Karten. Es gibt auch immer noch Geschenke. Früher war mehr Lametta. Das ist klar. Versicherung abgeschlossen: Hier ist ein Regenschirm. Auto gekauft: Strandhandtuch dazu. Bausparvertrag verlängert: neuer Schlüsselanhänger.

Die Präsente standen jetzt nicht unbedingt immer in Relation zu dem, was man gerade investiert hat. Aber man hatte halt so eine Grundausstattung an Gebrauchsgegenständen. Heutzutage (Stichwort Niedergang der Kultur) bekommt man eigentlich nur zu Weihnachten noch was geschenkt. Und man bekommt immer einen Kalender.

Würde ich alle Kalender eines Jahres zusammennehmen, ich bräuchte keine Tapete mehr. Jahresplaner in Plakatgröße. Tischkalender, Terminplaner, Fotokalender… Ja, was denken die denn? Sagt sich da allen Ernstes jemand in der Marketing-Abteilung: Mensch, Kalender, zu Weihnachten, das passt doch total gut, weil das Jahr dann auch bald zu Ende ist, damit überraschen wir jetzt mal alle Kunden!?

Da lobe ich mir doch die Adventskalender-Verschenker. Da haben Sie vielleicht auch nicht nur einen, aber man darf’s ja in der Vorweihnachtszeit ruhig mal krachen lassen und zwei Stückchen Schokolade essen. Und wenn es zu viel an der Wand wird, machen Sie einfach alle Türchen auf und hauen Sie rein. Ich sag’s nicht weiter.

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und MEMBER OF THE 55. Außerdem ist sie Autorin.

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