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Digitalisierung der Medizin Interesse von Ärzten an Videosprechstunden wächst

Der Deutsche Ärztetag entscheidet über eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots. Eine Umfrage zeigt: Die Mediziner sind offen für die Technologie.

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Immer mehr Ärzte setzen auf die neue Technologie. Quelle: dpa

Frankfurt Seit April vergangenen Jahres wird die Videosprechstunde von den gesetzlichen Krankenkassen in einem gewissen Rahmen erstattet. Seitdem setzen sich immer mehr Ärzte mit diesem Angebot auseinander, wie die exklusive Umfrage des Online-Ärztenetzwerks Coliquio für das Handelsblatt zeigt.

Aktuell geben fast 78 Prozent der befragten Mediziner an, sich schon mal mit dem Thema Telemedizin beschäftigt zu haben. Vor einem Jahr waren es erst 47 Prozent.

Doch trotz des gestiegenen Interesses gilt es noch Wissenslücken zu schließen: Von den Medizinern, die sich bereits mit dem Thema Telemedizin beschäftigt haben, geben aktuell mehr als zwei Drittel an, dass sie sich bei dem Thema noch nicht gut informiert fühlen.  

Rund 180.000 Ärzte sind mittlerweile auf der vor elf Jahren gegründeten Online-Plattform Coliquio aktiv, um sich unter anderem über Patientenfälle auszutauschen.

Knapp 500 Mediziner nahmen an der Umfrage im März dieses Jahres teil, im März 2017 waren es rund 390 Ärzte. Die Stichproben der beiden Umfragen sind also nicht direkt vergleichbar.

In diesem Jahr etwa schätzen sich drei Viertel der Befragten als sehr offen für technische Neuerungen ein, deutlich mehr als im Vorjahr, als dies nur etwa 60 Prozent der Umfrageteilnehmer angaben.

Die Zustimmung zur Videosprechstunde ist deutlich gestiegen: Aktuell würden rund 70 Prozent der Umfrageteilnehmer eine telemedizinische Sprechstunde anbieten. 30 Prozent lehnen das allerdings kategorisch ab. Vor einem Jahr lag die Zustimmung bei 57 Prozent, 43 Prozent waren damals dagegen.

Ein Großteil der Ärzte, die eine Videosprechstunde anbieten würden, legt allerdings Wert darauf, dass sie bei dem Angebot zeitlich flexibel reagieren können. Rund 39 Prozent der Befragten geben das an. 21 Prozent würden die Videosprechstunde nur anbieten, wenn der Patient nicht mobil ist.

Zwiespältiges Branchen-Echo

Einer möglichen Abschaffung des Fernbehandlungsverbots stehen mehr als ein Drittel der Befragten positiv bzw. sehr positiv gegen über. Knapp 36 Prozent sehen das Thema neutral, 31 Prozent negativ beziehungsweise sehr negativ.

Dabei sind Allgemeinmediziner sowohl in der Gruppe der starken Befürworter (sehr positiv) wie auch in der Gruppe der strikten Gegner (sehr negativ) mit jeweils rund einem Viertel am Stärksten vertreten.

Von den rund 300 Medizinern, die sich vorstellen können, eine Videosprechstunde anzubieten, sind die allermeisten in punkto Technik noch im Stadium der Suche: 77 Prozent  sind noch unentschlossen und wollen sich erst noch nach den technischen Möglichkeiten erkundigen.

19 Prozent der Befragten haben dagegen schon eine technische Lösung für sich identifiziert, drei Prozent haben die Technik schon bestellt, aber nur ein Prozent hat sie bereits im Einsatz.

Während die digitale Konsultation den Patienten entlastet, weil er sich nicht  persönlich auf den Weg zum Arzt machen muss, rechnen viele Praxen mit Mehraufwand durch das neue Angebot.

Den Aufwand für die Implementierung der Technik schätzen 56 Prozent der Befragten als hoch oder sehr hoch ein. Den organisatorischen Aufwand für die Videosprechstunde im laufenden Betrieb, also etwa den Erklärungen gegenüber den Patienten, schätzen sogar 67 Prozent der befragten Ärzte als hoch oder sehr hoch ein.

Genutzt werden soll Videosprechstunde nach den Vorstellungen der meisten Ärzte vor allem, um mit Patienten über Änderungen bestehender Therapiemaßnahmen zu sprechen und chronisch Kranke  zu kontrollieren. Voraussetzung ist, dass die Mediziner die Krankengeschichte des Patienten kennen und sie bereits eine Voruntersuchung vorgenommen haben.

Den großen Vorteil der Videosprechstunde sehen die meisten Befragten in der verbesserten zeit- und ortsunabhängigen Kommunikation mit Patienten. Mehr als 80 Prozent  stimmen dem zu. Knapp 55 Prozent der Befragten sehen in dem digitalen Arztbesuch die Möglichkeit, den Ärztemangel im ländlichen Raum zu kompensieren.

Mehr als die Hälfte der Ärzte, die eine Videosprechstunde anbieten wollen, würden dies weniger als 30 Mal pro Monat tun zu wollen. Eine Minderheit von 12 Prozent kann sich mehr als 50 telemedizinische Beratungen pro Monat vorstellen.

Die Allgemeinmediziner stellen dabei die größte Ärztegruppe, die telemedizinische Sprechstunden anbieten will, gefolgt von Gynäkologen und Fachärzten für innere Medizin.

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