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DIW erhöht Konjunkturprognosen Hochkonjunktur ja, Überhitzung nein

Die deutsche Wirtschaft brummt: Neben dem privaten Konsum und der Exportstärke nehmen die Investitionen der Unternehmen zu. Auch kommen mehr Menschen in Arbeit – über die Hälfte davon sind Zuwanderer.

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Wirtschaft: DIW erhöht Konjunkturprognosen Quelle: dpa

Berlin Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland hält aus Sicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) an und gewinnt an Breite. Dazu tragen der private Konsum und die Exportstärke bei. Besonders in der Bauwirtschaft und in der Industrie seien die Auftragsbücher voll. Auch die Investitionen der Unternehmen nehmen zu.

Entsprechend hob das DIW seine Wachstumsprognose für dieses und das kommende Jahr an. Für 2017 und 2018 rechnet das Institut nun damit, dass die deutsche Wirtschaft jeweils um 2,2 Prozent wächst. Bisher hatten die Forscher einen Zuwachs von jeweils 1,9 Prozent erwartet.

Deutschland sei auf dem Weg in die Hochkonjunktur, sagte DIW-Chef Marcel Fratzscher. „Eine Überhitzung zeichnet sich dennoch nicht ab. Dagegen spricht die verhaltene Lohn- und Preisdynamik.“ So münde der Aufschwung nicht in eine starke Inflation, was ein Hinweis für eine Überhitzung wäre. Das DIW erwartet, dass die Teuerungsrate von 2017 bis 2019 bei 1,7 Prozent verharrt. Sie bliebe damit unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen spricht.

Das liege auch an moderaten Lohnerhöhungen, da nach wie vor viele Männer und Frauen aus dem europäischen Ausland nach Deutschland strömten. „Ohne die starke Zuwanderung aus europäischen Ländern würde die deutsche Wirtschaft nicht so gut laufen.“ Dadurch verknappe sich das Angebot an Arbeitskräften nur allmählich, weshalb sich die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer in den Lohnrunden erst nach und nach bessere. 2019 dürfte das Wirtschaftswachstum auf 1,6 Prozent sinken, was ebenfalls gegen eine Überhitzung spreche. Einige globale Risiken seien aber nicht vom Tisch, zum Beispiel eine wirtschaftliche Abschottung der USA sowie negative Auswirkungen des Austritts Großbritanniens aus der EU.

Fratzscher warnt trotz des Booms vor Selbstzufriedenheit. „Wir dürfen uns von den guten Wachstumszahlen nicht täuschen lassen, denn die deutsche Wirtschaft ist ein Scheinriese“, sagte er. „Sie profitiert von den niedrigen Zinsen und einer starken Weltwirtschaft.“ Die künftige Bundesregierung müsse Zukunftsinvestitionen anstoßen, um Herausforderungen wie den demografischen Wandel, die Digitalisierung oder bessere Rahmenbedingungen für Investitionen zu meistern.

Das DIW rechnet damit, dass Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen dieses Jahr mit einem Überschuss von 47,4 Milliarden Euro abschließen, das nächste Jahr mit 46 Milliarden. Ein Teil der Überschüsse aber sei wegen der ungewöhnlich niedrigen Zinsen nicht dauerhaft. Bei den Sozialversicherungen werde sich außerdem die Lage absehbar deutlich verschlechtern, wenn die geburtsstarken Jahrgänge in Rente gehen. „Die Politik sollte deshalb nicht aus dem Vollen schöpfen, sondern zukunftsorientiert handeln.“ Am Mittwochabend treffen sich die Spitzen von Union und SPD, um Möglichkeiten für eine Regierungsbildung auszuloten.

DIW-Chef Marcel Fratzscher sagte, es sei zwar viel Geld da, aber eine neue Bundesregierung müsse „klug“ in die Zukunft investieren. Es müsse vor allem darum gehen, Menschen mit geringen Einkommen zu entlasten und mehr Vollzeitjobs zu schaffen. „Wir haben viele Teilzeitjobs, viele Menschen würden gerne mehr arbeiten.“ Dies würde die Kaufkraft stärken. Daneben gehe es um Investitionen in Forschung und Bildung sowie in die digitale Infrastruktur.

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