Der Euro ist im Abwärtssog: Seit Jahresbeginn verlor die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar gut vier Prozent. Der Boden dürfte aber noch nicht erreicht sein. Quelle: Imago

Anlegen mit der BörsenWoche Das Verzögern der Zinswende wird für den Euro immer riskanter

Warum die EZB mit der verschleppten Zinswende die Stabilität der Gemeinschaftswährung gefährdet – und wie Anleger davon profitieren können.

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Ostern war dieses Jahr etwas teurer: 7,3 Prozent beträgt die Inflationsrate in Deutschland derzeit. In den USA liegt sie mit 8,5 Prozent gar auf dem höchsten Stand seit 40 Jahren. In den Zentralbanken laufen deshalb Anstrengungen, die Kaufkraft unseres Geldes stabil zu halten. Mit sehr unterschiedlicher Stringenz: Die US-Notenbank FED hat die Zinssätze bereits Mitte März um einen Viertelpunkt erhöht und sieben weitere Steigerungen noch dieses Jahr in Aussicht gestellt. Gut möglich, dass sogar mehrere Schritte um einen halben Prozentpunkt kommen.

Die Zentralbank signalisiert damit eiserne Entschlossenheit: Die Inflation muss sinken. Dass infolge einer strafferen Geldpolitik die Konjunktur einen Knick bekommen, die Arbeitslosigkeit mittelfristig steigen und die Aktienmärkte korrigieren könnten? Akzeptabel, solange man nur die Teuerungsrate wieder unter Kontrolle kriegt.

Und die EZB? Unternahm in Sachen Inflationsbekämpfung bisher nicht viel. Mit Spannung erwartete der Markt die Sitzung am Donnerstag. Der vorherrschende Anspruch an die Währungshüter: Einen glaubwürdigen und klaren Plan zum Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik präsentieren. Erwartet wurde hingegen, dass Details zu Zinserhöhungen noch nicht festgelegt werden. So kam es dann auch: Der Zins bleibt erstmal gleich.

Warum die EZB mit der verschleppten Zinswende die Stabilität der Gemeinschaftswährung gefährdet – und wie Anleger davon profitieren können.

Die Anleihemärkte lässt das Lavieren seitens der EZB kalt: Sie orientieren sich am FED-Kurs. Seit Anfang März hat die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen, dem wichtigsten Zinsbarometer, einen Sprung gemacht, für den solche Bonds gewöhnlich mehrere Jahre brauchen. Bemerkenswert ist zudem, dass der Zins kurzlaufender Anleihen zwischenzeitlich schneller stieg als der von Langläufern. Normalerweise liegen die Renditen höher, je länger das Kapital gebunden ist. Bei Bundesanleihen sieht es ähnlich aus. Historisch betrachtet ist diese Entwicklung am Anleihemarkt ein Anzeichen für eine bevorstehende Rezession.

Rezessionsgefahr besteht auch, wenn die Inflation aus dem Ruder laufen und die EZB zu harten Eingriffen zwingen sollte. Die EZB hat im Zuge des Notfallankaufprogramms PEPP jede Menge Staatsanleihen gekauft. Ein schnelles Anheben des Leitzins würde einige hochverschuldete Staaten in Südeuropa schnell in Bedrängnis bringen. Zwar stellt die EZB in Aussicht, die Nettoanleihekäufe ab dem dritten Quartal einzustellen, was als Voraussetzung für Zinserhöhungen gilt. Allerdings werden auslaufende Papiere trotzdem weiter durch neue ersetzt. Die Bilanz schrumpft also erstmal nicht, der Geldüberhang bleibt und bietet fruchtbaren Boden für eine weiter steigende Teuerungsrate.

Dieses Dilemma und die Belastungsfaktoren infolge des Krieges führen zu enormen Druck auf den Euro-Kurs. Schon vor der EZB-Sitzung rutschte die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar zeitweise unter die wichtige Marke von 1,085 USD. Nach einer Wackelpartie vor der Sitzung stürzte der Kurs nach Verkündung der Ergebnisse um gut ein Prozent ab. Sollte der Euro nachhaltig unter die Unterstützung rutschen, läge die nächste Barriere im Bereich um 1,05 USD. Für Short-Spekulationen auf den Euro ist es zum aktuellen Kurs um 1,076 USD zu spät. Es lohnt sich aber, den Kurs im Auge zu behalten. Eine mögliche Erholung könnte bis in den Bereich um 1,09 USD laufen. In diesem Fall können Anleger, die einen anhaltenden Abwärtsdruck erwarten, nochmal mit kleinem Einsatz zum Short ansetzen. Hier geht's zur aktuellen Ausgabe der BörsenWoche

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche.

Ihr Lukas Schmitt

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