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WiWo-Club BVB-Finanzchef: „Börsennotierung stand nie infrage“

Der Finanzchef von Borussia Dortmund, Thomas Treß Quelle: Ingo Rappers für WirtschaftsWoche

Börse hautnah: Im WirtschaftsWoche Club sagte BVB-Finanzvorstand Thomas Treß, für Borussia Dortmund sei ein Rückzug von der Börse nie Thema gewesen. Voltabox-Chef Jürgen Pampel kündigte indessen weitere Übernahmen an.

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Rückblick: Vor dem Champions-League-Heimspiel gegen den AS Monaco im April 2017 detonierten nahe des Mannschaftsbusses von Borussia Dortmund drei Sprengsätze. Metallstifte flogen durch die Fenster, einer verletzte Fußballprofi Marc Bartra am Arm. Gezündet haben soll die Sprengsätze Sergej W., der damit offenbar Kursverluste der BVB-Aktie herbeiführen wollte und inzwischen vor Gericht steht. W. hatte laut Anklage mit verschiedenen Derivaten auf fallende Kurse gesetzt und hätte entsprechend finanziell davon profitiert.

Borussia Dortmund wurde also auch deshalb zum Ziel, weil der Klub - als einziger deutscher Fußballverein - börsennotiert ist. Trotzdem habe ein Rückzug vom Parkett nie zur Debatte gestanden, sagte Finanzvorstand Thomas Treß am Dienstag auf einer Veranstaltung des WirtschaftsWoche Clubs in Dortmund. Dort diskutierte er mit rund 40 WiWo-Lesern und den Börsen-Redakteuren Christof Schürmann und Georg Buschmann über die BVB-Aktie. „Vor Wahnsinnigen kann man sich durch einen Rückzug von der Börse auch nicht schützen.“ Der Verein müsse anders auf den Anschlag reagieren. „Wir erhöhen etwa die Sicherheitsvorkehrungen, sowohl rund um die Mannschaft als auch im Stadion.“

Borussia Dortmund ging im Jahr 2000, noch vor Treß‘ Zeit, an die Börse. Der Klub investierte damals viel Geld in neue Spieler. Als aber die erhofften sportlichen Erfolge ausblieben, geriet das Unternehmen in Schieflage, der Aktienkurs brach ein. Treß wurde 2005 als Sanierer in die Geschäftsleitung geholt, der Klub war zuvor knapp der Insolvenz entkommen. „Für die Sanierung war die Börsennotiz ein großer Vorteil“, erinnert sich Treß. Der Verein konnte sich nach der existenzbedrohenden Krise auch durch die Ausgabe neuer Aktien finanziell wieder Luft verschaffen – und verfügt heute über eine im Branchenvergleich üppig ausgestattete Bilanz. Zuletzt wies Borussia Dortmund 369 Millionen Euro Eigenkapital aus – 70 Prozent der Bilanzsumme.

Perspektiven am Markt für Borussia Dortmund und Voltabox
BVB-Finanzchef Thomas Treß (2. von rechts), Voltabox-CEO Jürgen Pampel (2. von links) Quelle: Ingo Rappers für WirtschaftsWoche
Thomas Treß Quelle: Ingo Rappers für WirtschaftsWoche
Jürgen Pampel Quelle: Ingo Rappers für WirtschaftsWoche
Thomas Treß Quelle: Ingo Rappers für WirtschaftsWoche
WiWo-Leser und Studenten Quelle: Ingo Rappers für WirtschaftsWoche
Publikum Quelle: Ingo Rappers für WirtschaftsWoche

Neuer Gewinnrekord beim BVB

Das Geschäftsjahr 2017/2018, das zum 30. Juni endet, empfand Treß wegen der sportlichen Krise mit frühem Aus in den Pokalwettbewerben und nur 55 Punkten in der Bundesliga zwar als äußerst schwierig. Finanziell aber stieß der BVB in neue Dimensionen vor. Auch Dank üppiger Transfererlöse wird das Unternehmen erstmals mehr als eine halbe Milliarde Euro Umsatz ausweisen. Und auch den bisherigen Gewinnrekord aus der Saison 2012/2013, als der Konzern 51 Millionen Euro netto verdiente, dürfte der BVB deutlich übertreffen.

Gut für Aktionäre, die Treß wieder mit einer Dividende bedenken will. „Wir fühlen uns gegenüber unseren Anteilseignern verpflichtet, einen Teil unseres Gewinns auszuschütten und werden weiterhin eine Dividende zahlen.“ In den beiden Vorjahren hatte die Borussia jeweils sechs Cent je Aktie ausgekehrt. Das entspräche zum aktuellen Kurs einer Dividendenrendite von gut einem Prozent.

Eine Dividende will auch der zweite Gast des WirtschaftsWoche Clubs seinen Anlegern zahlen. Jürgen Pampel leitet die Geschicke des Batteriezellenfertigers Voltabox. Der ging im vergangenen Jahr an die Börse und erlöste damit netto gut 130 Millionen Euro. Voltabox stellt Batteriesysteme unter anderem für Gabelstapler oder Bergbaufahrzeuge her. In diesem Jahr will das schnell wachsende Unternehmen zum ersten Mal einen Nettogewinn ausweisen. Auf eine Ausschüttung müssen Anleger aber noch etwas warten, erklärte Pampel in Dortmund.

Volle Auftragsbücher bei Voltabox

„Unser Ziel ist es, mittelfristig ein Viertel unseres Gewinns auszuschütten“, so der Voltabox-Chef. Dass in diesem Jahr noch keine Ausschüttung fließen wird, hatte das Unternehmen bereits beim Börsengang angekündigt. Nun erklärte Pampel: „Auch 2019 ist es dafür noch zu früh.“ Vorrang haben Investitionen. Die Auftragsbücher des Unternehmens aus Delbrück sind prall gefüllt. Chef Pampel sucht fähiges Personal, um die vielen Kundenbestellungen zügig abzuarbeiten. Allein seit Jahresbeginn sei die Zahl der Mitarbeiter um etwa 60 Prozent gestiegen. „Neue Mitarbeiter zu finden und in unser Unternehmen zu integrieren, ist aktuell unsere dringendste Aufgabe“, so Pampel. Bisher scheint das gelungen zu sein: Voltabox erreichte im vergangenen Jahr sogar etwas mehr als die im Wertpapierprospekt angekündigten 25 Millionen Euro Umsatz. In diesem Jahr sollen sich die Erlöse auf über 60 Millionen Euro mehr als verdoppeln – eine Prognose, die das Unternehmen nach dem ersten Quartal bestätigte.

An der Börse hat Voltabox nach furiosem Start trotzdem Boden verloren. Die Aktie war nach dem mehrfach überzeichneten Börsengang im vergangenen Oktober gleich um ein Viertel nach oben geschossen. Inzwischen ist der Kurs aber unter den Ausgabepreis von 24 Euro gerutscht. Gegensteuern will Pampel, indem er mit den Investoren in engem Kontakt bleibt. „Wir sind weiterhin auf vielen Roadshows unterwegs und halten Investoren über unsere operativen Fortschritte auf dem Laufenden.“ Im April etwa gaben die Ostwestfalen die Akquisition des US-Unternehmens Concurrent Design bekannt. Weitere Transaktionen, so Pampel im WirtschaftsWoche Club, seien geplant und die Verhandlungen weit fortgeschritten.

Noch wichtiger als mögliche Akquisitionen ist die Frage, ob Voltabox trotz der Investitionen ins Wachstum auch netto profitabel werden kann. Vor allem daran wird Pampel nun, da das Unternehmen an der Börse notiert ist, gemessen.

Wer verdient an der WM?
FIFADer Fußball-Weltverband ist zugleich Ausrichter und größter Gewinner jeder Fußball-WM. Bei der WM 2014 in Brasilien summierten sich die Einnahmen auf 4,8 Milliarden US-Dollar. Demgegenüber standen nach Fifa-Angaben Investitionen von 2,2 Milliarden Dollar. Die Vermarktungsrechte des größten Sportwettbewerbs der Welt liegen sämtlich bei der Fifa, die so auch an jedem Trikot und jedem Plüschmaskottchen verdient, das über deutsche Ladentheken wandert. In Russland, für das die WM wohl zur teuersten in der Geschichte des Wettbewerbs wird, darf der Verband erneut auf Rekordeinnahmen hoffen. Quelle: REUTERS
SpielerEs gibt wohl keine größere Bühne als eine Weltmeisterschaft, um den eigenen Marktwert in die Höhe zu treiben. Für ungezählte Kicker wurden Fifa-Wettbewerbe zum Karrieresprungbrett. Auch auf dem Werbemarkt erzielen Nationalspieler Höchstpreise. „Die Werbestrategien für die Nationalspieler beginnen sehr, sehr früh“, sagt Gabriele Klein aus dem WM-Expertenteam der Uni Hamburg und verweist auf Leroy Sané, der aktuell - als einer von 16 Nationalspielern - das Cover der Bahnzeitschrift „mobil“ ziert. Unverbrauchte Gesichter - eben wie Sanés - seien gefragt. Was bedeutet die Nichtnominierung für seinen Werbewert? „Von der Publicity her kann ihm eigentlich nichts besseres passieren“, sagt Klein. Auf der ganzen Welt werde nun über die Nichtnominierung des Toptalents und die Gründe spekuliert. Allerdings: Wie Mario Götze 2014 im WM-Finale ein Siegtor zu erzielen, wird ihm nicht vergönnt sein. Öffentlichkeitswirksamer kann sich ein Spieler nicht inszenieren - auch nicht durch eine spektakuläre Nichtnominierung. Quelle: dpa
Fan- und SportartikelhändlerDen großen Sportartikelherstellern beschert der Rummel um die WM dank florierender Trikot-Verkäufe alle vier Jahre eine willkommene Sonderkonjunktur. Vor allem Nike und Adidas liefern sich einen scharfen Wettkampf darum, wer die meisten und attraktivsten Teams ausrüstet. Nachdem der US-Rivale, der erst 1994 bei der WM im eigenen Land richtig ins Geschäft eingestiegen war, 2014 erstmals mehr Teams einkleiden konnte als die Deutschen, hat Adidas diesmal wieder die Nase vorn. Zwölf Länderauswahlen, darunter natürlich Titelverteidiger Deutschland, tragen Trikots der Marke mit den drei Streifen, während nur zehn mit dem Nike-Swoosh ins Turnier gehen. Dazu zählen jedoch Favoriten wie Brasilien, Frankreich und Portugal. Für das Geschäft mit dem deutschen Nationaldress jedenfalls dürfte maßgeblich sein, ob die Elf sich lange genug im Turnier hält. „Nur dann entsteht die entsprechende Euphorie unter den Fans und die Nachfrage hält an“, heißt es beim Handelsverband Deutschland. Quelle: dpa
In Herzogenaurach ist man zuversichtlich - Adidas-Chef Kasper Rorsted geht davon aus, die insgesamt acht Millionen verkauften Trikots vom Turnier vor vier Jahren zu übertreffen. Bei Nike hält man sich zwar auf Nachfrage mit Prognosen bedeckt, doch Anleger trauen auch dem US-Branchenriesen einiges zu - die Aktie knackte vor dem erwarteten WM-Boom bereits ein neues Rekordhoch. Puma hatte hingegen Pech und setzte auf Italien, das die Qualifikation verpasste. Quelle: dpa
ElektronikmärkteAuch die Unterhaltungselektronik-Sparte reibt sich vor einer Fußball-Weltmeisterschaft sprichwörtlich die Hände. Denn wie ein TV-Werbespot eines Pay-TV-Anbieters nahelegt, definieren sich Fußballfans zumindest teilweise über die Größe ihres TV-Geräts mit Sportkanal-Abo. Vor einer Weltmeisterschaft gilt das umso mehr. Ein südkoreanischer Hersteller ködert deshalb potenzielle Kunden bis zum Start der WM mit Gutscheinen von Pay-TV-Anbietern mit Sportkanälen. Ein Dämpfer für den Handel ist, dass es sich bei Anschaffungen vor solchen Wettbewerben oft um vorgezogene Käufe handelt, nicht um zusätzliche Anschaffungen. Bei einem Rückgang um 14,6 Prozent auf 1,6 Millionen verkaufte TV-Geräte im ersten Quartal ist in diesem Jahr im Vergleich zum Mai 2017 allerdings noch Luft nach oben. Trösten können sich Händler damit, dass die hohen Verkaufszahlen des Vorjahres vor allem durch den Umstieg auf das neue Antennenfernsehen zustande kamen. Quelle: dpa
LebensmittelhändlerWährend bei Jogis Jungs die Ernährung komplett auf sportliche Höchstleistungen ausgerichtet ist - Schokocreme in Massen dürfte es nur in der TV-Werbung geben - geht es nahrungstechnisch bei Fans oft bodenständiger zu. Heiß und fettig oder süß und klebrig muss es sein. Spielt das Wetter mit, zieht aus Sicht des Handelsverbands Deutschland auch der Absatz von Grillgut, Snacks und Süßigkeiten an. Quelle: dpa
BrauereienDer Gerstensaft und die Fankultur sind untrennbar verbunden. Nicht umsonst gelten Bierverbote als wirksame Disziplinarmaßnahme für Stadionbesucher. Die deutschen Bierbrauer jubeln nach sonnigen Wochen sogar schon vor der WM. „Wir hatten im Mai den besten Monat in der Geschichte unserer Brauerei“, heißt es etwa bei Krombacher. Auch bei Veltins stieg der Absatz im Mai um zehn Prozent auf rekordverdächtige 315 000 Hektoliter. Für den starken Absatz machen die Brauer die WM mitverantwortlich. „Die Lager werden hochgefahren bis zum Limit“, heißt es bei Veltins mit Blick auf den Getränkehandel. In vielen Brauereien würden vor der WM Sonderschichten gefahren, um die Nachfrage erfüllen zu können, heißt es beim Deutschen Brauer-Bund. Quelle: dpa

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