E-Mobilität aus China Elektroautos, die hier niemand kennt

Durch viele Anreize aus Peking beherrschen Chinas Elektro-Autobauer ihren Heimatmarkt. Die Zulassungszahlen steigen kräftig. Nun will die Volksrepublik mit E-Autos den Weltmarkt erobern.

Diese Elektroautos gibt es zu kaufen
Smart fortwo electric drive Quelle: Daimler
VW e-Up! Quelle: Volkswagen
BMW i3BMW ist mit dem i3 einen mutigen Schritt gegangen: Die Münchner haben nicht nur ein futuristisches Design gewagt, sondern auch gleich eine Kohlefaser-Karosserie in Serie gebracht. Alle anderen Elektroautos auf dem Markt basieren auf mehr oder weniger mutig gezeichneten Stahl- und/oder Alu-Karosserien. Deutlich über 2000 i3 sind bereits auf deutschen Straßen unterwegs. Dabei fällt er stärker auf als andere Elektroautos, denn sein extrovertiertes Design polarisiert. Minuspunkt: Beim Laden ist der Elektro-BMW nicht der allerschnellste, da er nicht mit den dafür nötigen Schnelllade-Standard unterstützt. In der Preisliste steht der i3 ab 34.950 Euro. Leistung: 170 PS Akku: 18,8 kWh Reichweite: 190 km Quelle: BMW
Nissan Leaf Quelle: Nissan
Volkswagen e-Golf Quelle: Volkswagen
Renault Zoë Quelle: Renault
Mitsubishi EV/Peugeot iOn/Citroën C-Zero Quelle: Mitsubishi
Tesla Model S Quelle: Tesla
Renault Twizy Quelle: Renault
Ford Focus Electric Quelle: Ford
Kia Soul EV Quelle: Kia
Mercedes B-Klasse Electric Drive Quelle: Daimler
Nissan e-NV200 Evalia Quelle: Nissan
Renault Kangoo Z.E. Maxi

Kein Audi, kein Daimler, nicht mal ein Cadillac. Und trotzdem ist Gao Chunyu stolz auf sein neues Auto. „Ein klassischer Wagen kam für mich nicht infrage“, sagt der chinesische Jungunternehmer. Als Gründer eines Start-ups habe er etwas Neues ausprobieren wollen. Der 28-Jährige fährt seit einigen Monaten einen BYD e6. Ein chinesischer Bestseller, der in Europa weitgehend unbekannt ist – und der europäischen Konkurrenz trotzdem etwas voraus hat. Denn der BYD e6 fährt rein elektrisch. „54 Prozent, 166 Kilometer Reichweite“, gibt der Bordcomputer an.

Sein Besitzer Gao ist ein Autokunde, wie ihn sich die chinesische Regierung wünscht. Denn nach schwierigen Anfangsjahren arbeitet Peking mit Hochdruck an einer neuen Autowelt, weil die Millionenstädte des Landes unter den Abgasen der Autokolonnen leiden. Die Elektromobilität soll nicht nur die Luft spürbar verbessern, sondern auch gleich der Schlüssel der Chinesen zum automobilen Weltmarkt werden.

Denn die Chinesen sind bei der E-Mobilität im eigenen Land bereits in einer dominanten Führungsrolle. Im vergangenen Jahr hat China die USA bereits als weltweiter Leitmarkt für Elektroautos abgelöst. Jedes zweite E-Auto weltweit wird nach Statistiken des Branchenverbandes CAAM in China verkauft. Alleine 300.000 New Energy Vehicles (NEVs), also Elektroautos und Plug-in-Hybride, waren es im vergangenen Jahr, verkündete Chinas Verkehrsminister Miao Wie. In diesem Jahr werde sich der Absatz mehr als verdoppeln.

Umstrittene Förderung für Elektroautos

Die Ambitionen der Chinesen sind groß: Bis 2020 soll die Zahl der verkauften Elektroautos auf jährlich fünf Millionen ansteigen. „Die Regierung ist entschlossen, einen Massenmarkt aufzubauen. Dafür nimmt sie viel Geld in die Hand“, sagt Cui Dongshu, Generalsekretär des Autoverbandes CPCA. Mit 30 Milliarden Yuan (4,2 Milliarden Euro) jährlich werden Ladestationen gebaut – und Käufer bezuschusst.

Während in Deutschland über eine Elektroprämie diskutiert wird, ist sie in China seit Jahren Realität. Nicht nur die Zentralregierung, sondern auch die Provinzen und Städte machen Kunden den E-Autokauf schmackhaft. Bei voller Förderung sind bis zu 120.000 Yuan (17.000 Euro) an Zuschüssen möglich. „Erst die Subventionen haben mir das Auto erschwinglich gemacht“, sagt Neukunde Gao. Anders als in Deutschland treiben die Chinesen den Elektroausbau auf allen Ebenen voran – notfalls mit Zwang. Für Verbrennungsmotoren kann es wegen der Beschränkungen Monate dauern, ein Nummernschild in Peking zu bekommen. Besitzer von E-Autos werden bevorzugt. „Das ist ein sehr chinesischer Ansatz und eine Art indirekter Kaufzwang“, sagt Cui.

Strafzölle für Importfahrzeuge

China hat es damit geschafft, auf dem E-Auto-Markt vor allem die einheimischen Marken zu stärken. Unter den zehn meistverkauften Elektromodellen in China ist kein einziger ausländischer Hersteller. Importfahrzeuge erhalten keine Förderung und werden sogar mit Strafzöllen belegt. Mit gerade einmal 3700 verkauften Fahrzeugen ist das Model S von Tesla das erfolgreichste ausländische Modell am Markt.

Den deutschen Herstellern bleibt nur die Hoffnung auf lokale Joint Ventures. VW will ganze 15 voll- oder halbelektrische Modelle bis 2018 lokal produzieren. Daimler hat mit Denza eine eigene Elektromarke gegründet. Bisher sind die Erfolge überschaubar. „Um bei der Elektromobilität erfolgreich zu sein, muss man einen langen Atem haben – genau den bringt China mit“, sagt Professor Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) der FHDW Bergisch-Gladbach.

Mit welchen Hindernissen Elektroautos kämpfen

Die Chinesen hätten aus Rückschlägen der Vergangenheit gelernt. Am besten beweist das Marktführer BYD: Nach dem schwachen Start des chinesischen Elektromarkts stand das Unternehmen kurz vor dem Aus. Mittlerweile ist BYD wieder auf Kurs und verkauft die beiden erfolgreichsten halbelektrischen Modelle auf dem Markt. „Build your dreams“ (Verwirkliche deine Träume) übersetzen die Chinesen ihren Markennamen. Und tatsächlich könnte genau das der Slogan für die nächsten Jahre werden.

„Gerade in den asiatischen Märkten werden chinesische Elektroautos in den kommenden Jahren eine größere Rolle spielen“, sagt Autoprofessor Bratzel. Denn chinesische Autobauer wie BYD sind ihrer europäischen Konkurrenz in einem Voraus: Sie haben seit Jahren ein Standbein in der Batterieproduktion, liefern Akkus für Handys und Elektroroller. Volumen gilt als Schlüssel zur günstigen Batterie. Das könnte zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.

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Nach dem Hochfahren des Marktes wollen die Chinesen ihre direkten Subventionen ab dem Jahr 2017 schrittweise zurückfahren und dafür mehr Gelder für Forschung investieren, kündigte kürzlich Finanzminister Lou Jiwei an. Das erklärte Ziel: die japanische und koreanische Konkurrenz auch bei den Lithium-Ionen-Akkus einholen.

Auch branchenfremde Unternehmen haben den Markt entdeckt. Die chinesische Videoplattform LeTV verkündete zuletzt ein Joint Venture der Technologietochter LeEco und dem britischen Autobauer Aston Martin. Gemeinsam wollen die ungleichen Partner mehrere Elektroautos entwickeln. In der Branche werden die Ambitionen der Chinesen genau beobachtet. „Man muss die Chinesen ernst nehmen“, sagt Tesla-Chef Elon Musk.

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