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Einsparungen Sparkassen in Provinz zeigen Landesbanken Weg für Fusionen

Die Sparkassen in Deutschland sind im Umbruch. Provinzbanken vereinen sich. Gleichzeitig steht eine Mega-Fusion der Landesbanken bevor.

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Sparkassen in Provinz zeigen Landesbanken Weg für Fusionen Quelle: dpa

Frankfurt Während die deutschen Sparkassen über den Zusammenschluss einiger ihrer Spitzeninstitute nachdenken, bei dem eine Bank mit einer Bilanzsumme von rund 700 Milliarden Euro entstehen könnte, sind Fusionen in anderen Teilen der Finanzgruppe längst an der Tagesordnung. Auch derzeit verhandeln die Eigner mehrerer Institute über Zusammenschlüsse.

Besonders den Sparkassen selbst ist es in der Vergangenheit schon häufig gelungen, einen Partner innerhalb der Gruppe zu finden. Deutschlandweit sank daher die Anzahl der Sparkassen seit dem Jahr 2000 von damals 562 auf derzeit noch 385. Das ist ein Rückgang um rund ein Drittel. Hinter vielen der Zusammenschlüssen standen Bemühungen, höhere Kosten aus Regulierung und Digitalisierung abzufedern.

„Es hat bereits erhebliche Konsolidierungen bei den Sparkassen innerhalb der Gruppe gegeben“, erklärte Sam Theodore, Chef für Financial Institutions Ratings bei der Scope Ratings GmbH in Berlin. Das sei jedoch noch nicht genug. Er plädierte für weitere Fusionen bei den Sparkassen und in anderen Teilen der Gruppe, zu der unter anderem auch Versicherer, Bausparkassen und der Asset-Manager DekaBank gehören.

Chancen dafür gibt es viele. In Niedersachsen steht die kleinste Sparkasse der Republik vor einem Zusammenschluss mit gleich drei Schwester-Instituten. Und in Nordrhein-Westfalen verhandeln die Eigner zweier öffentlicher Versicherer namens Provinzial, die aber unabhängig voneinander sind, über eine Fusion. Ein Gelingen der Zusammenschlüsse gilt nicht als sicher.

Mit einer Bilanzsumme von nur 132 Millionen Euro war die Stadtsparkasse Bad Sachsa vergangenes Jahr die kleinste deutsche Sparkasse, zeigt die offizielle Statistik des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Sie betrieb eine Filiale und beschäftigte 39 Mitarbeiter.

Bei den drei Instituten, mit denen sie sich nun zusammenschließen könnte, handelt es sich um die Sparkassen von Osterode am Harz, Duderstadt und Münden. Bei einer Fusion entstünde ein Institut mit einer Bilanzsumme von rund 2,1 Milliarden Euro, nach Angaben des Landkreises Göttingen.

Die Einsparungen durch den Zusammenschluss sollen sich künftig auf rund 8 Millionen Euro pro Jahr belaufen, beispielsweise durch eine Senkung der Sach- und Personalkosten. Von den 377 Vollzeitstellen werden 40 Stellen den Plänen zufolge über vier Jahre durch natürliche Fluktuation abgebaut.

„Die deutschen Sparkassen stehen, wie alle Banken, vor großen Herausforderungen - Niedrigzinsphase, zunehmende Regulatorik, Digitalisierung. Deshalb habe ich den aktuellen Verhandlungsprozess initiiert“, erklärte Bernhard Reuter, Landrat des Landkreises Göttingen. Der Landkreis ist an drei der vier Sparkassen beteiligt und würde an dem fusionierten Institut 44,8 Prozent halten.

Aktuell beraten die Träger der vier Sparkassen, ob sie einem Zusammenschluss zustimmen. Die notwendigen Abstimmungen werden wahrscheinlich am 22. November beginnen und am 18. Dezember enden. Reuter: „Jetzt liegt der Ball im Spielfeld der Politik. Kreistag und Gemeinderäte müssen entscheiden, ob sie diesen Weg gehen.“ Ein Okay gilt nicht als sicher.

Ebenfalls verhandelt wird derzeit eine Fusion der Provinzial Rheinland und Provinzial NordWest. Ende Oktober hatte der Landschaftsverbands Rheinland (LVR) als letzter der sieben Anteilseigner der beiden öffentlich-rechtlichen Versicherungsgruppen, darunter mehrere regionale Sparkassenverbände, die Inhalte der Absichtserklärung für eine Fusion gebilligt.

Durch einen Zusammenschluss der beiden Häuser entstünde ein Komposit- und Lebensversicherer mit einem Beitragsvolumen von fast sechs Milliarden Euro. Patric Fedlmeier, Vorstandsvorsitzender der Provinzial Rheinland, sprach von Herausforderungen, die merklich zugenommen hätten: „Eine Fusion kann einen bedeutenden Beitrag zur Sicherung und Steigerung der Ertragskraft, der Wettbewerbsfähigkeit und der Arbeitsplätze beider Provinzial-Gruppen leisten“.

Jetzt prüfen alle Beteiligten die Bücher. „Die Due Diligence soll bis zum Ende dieses Jahres, spätestens aber zu Beginn 2019 abgeschlossen sein. Hinzu kommen im neuen Jahr noch die Klärung rechtlicher und steuerlicher Fragen“, sagte Christoph Hartmann, Sprecher der Provinzial Rheinland.

Seinen Angaben zufolge ist es bereits der fünfte Anlauf für eine Fusion der beiden Provinzial-Gesellschaften seit Ende der 90er Jahre. Hartmann: „Der letzte ist 2013 nicht zustande gekommen, weil es unterschiedliche Auffassungen zur Rechtsform des fusionierten Unternehmens gab – also Anstalt öffentlichen Rechts oder Aktiengesellschaft“.

Neue „Mega-Landesbank“

Die diskutierten Pläne des Sparkassensektors zu einer Großfusion von Spitzeninstituten sehen derweil in einem ersten Schritt die Fusion von Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale und Norddeutscher Landesbank Girozentrale vor, später könnten andere Institute hinzukommen.

Die betreffenden Banken hatten am Ende des vergangenen Jahres eine Bilanzsumme von insgesamt etwa 682 Milliarden Euro, mehr als die 453 Milliarden Euro der Commerzbank AG. Die deutschen Sparkassen und ihre angeschlossenen Landesbanken werden von regionalen Gebietskörperschaften kontrolliert, so dass Fusionen immer mit dem Verlust politischer Autorität einhergehen – eine Tatsache, die die Konsolidierungs-Bemühungen in der Vergangenheit behindert hatte, besonders mit Blick auf die Spitzeninstitute.

„Idealerweise sollte die Gruppe aus weniger, aber finanziell stärkeren lokalen und regionalen Sparkassen bestehen, die von wenigen, vielleicht sogar nur einem Großinstitut wie einer Mega-Landesbank unterstützt werden“, sagt Theodore. „Eine solche Gruppe wäre zweifellos ein echter Finanzriese in Deutschland und eine der wettbewerbsfähigeren Bankengruppen in der EU.“

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