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Elektrolaster Nikola startet Serienproduktion in Ulm

In dem neuen Werk in Ulm soll der batterieelektrische mittelschwere Laster Nikola Tre montiert werden. Das amerikanische Start-up arbeitet dafür mit Iveco zusammen.

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Auch bei Lkw sollen Verbrennungsmotoren aus Klimaschutz-Gründen ausgemerzt werden, wenn auch langsamer als bei Pkw. Quelle: dpa

Das amerikanische Start-up Nikola hat mit seinem Partnerunternehmen Iveco auf dessen Werksgelände in Ulm den Startschuss zur Fertigung von Elektrolastern gegeben. „Das ist ein weiterer wichtiger Meilenstein bei der Umsetzung unserer Strategie und Vision, ein global führender Anbieter emissionsfreier Transportlösungen zu sein“, sagte Nikola-Chef Mark Russell am Mittwoch in Ulm zur Einweihung des Werks. Als erstes serienreifes Modell des Neulings soll hier der batterieelektrische mittelschwere Laster Nikola Tre montiert werden. Die Produktion des auf einer Plattform von Iveco gebauten Fahrzeugs soll am Jahresende starten.

Auch bei Lkw sollen Verbrennungsmotoren aus Klimaschutz-Gründen ausgemerzt werden, wenn auch langsamer als bei Pkw. Nikola will den traditionellen Herstellern wie Daimler oder Scania auch mit Brennstoffzellen-Lkw. Konkurrenz machen. Russell präsentierte diese Version des Nikola Tre, der im zweiten Halbjahr 2023 auf den Markt kommen soll.

Die ersten batterieelektrischen Nikola-Laster mit einer Reichweite von bis zu 560 Kilometern sind zunächst für Erstkunden in den USA bestimmt. Pilotkunde in Europa soll im kommenden Jahr der Hamburger Hafen mit bis zu 25 Lastern werden, wie zur Einweihungsfeier bekannt gegeben wurde. Nikola wollte ursprünglich in diesem Jahr 50 bis 100 Fahrzeuge an Kunden ausliefern und einen Umsatz von 15 bis 30 Millionen Dollar erzielen. Anfang August schraubte der defizitäre Hersteller seine Pläne zurück auf 25 bis 50 Laster und eine Erlösspanne von null bis 7,5 Millionen Dollar. Das Management begründete das mit fehlenden Halbleiter aufgrund der globalen Chipmangels.

Jetzt ein echter Lkw

Das 2015 gegründete Start-up aus Phoenix im US-Bundesstaat Arizona galt als Tesla der Nutzfahrzeughersteller, seit Firmengründer Trevor Milton vollmundig einen Schwerlaster mit Brennstoffzellenantrieb für die Langstrecke angekündigt hatte, noch vor den etablierten Lkw-Bauern. Doch im vergangenen Jahr geriet Nikola in Verruf, da sich etliche Behauptungen Miltons über den Fortschritt des Produkts als Lügen herausstellten. Ein Prototyp setzte sich nur in Bewegung, weil er einen Hügel hinunterrollte. Der in dem Skandal zurückgetretene Ex-Chef wurde vor Kurzem in New York wegen Wertpapierbetruges angeklagt, weil er nach Ansicht der Strafverfolger mit falschen Angaben den Aktienkurs des Börsenneulings manipulierte. Die angehende Lkw-Schmiede war zeitweise mit rund 30 Milliarden Dollar an der Börse mehr wert als der Autobauer Ford.

Milton trat vor rund einem Jahr zurück. Das Nikola-Management erklärte, falsche Aussagen seien ausschließlich von Milton persönlich und nicht vom Unternehmen gekommen. Seine Firma M&M Residual ist mit knapp 16 Prozent aber noch immer der Hauptaktionär. Russell erklärte, die Zukunft von Nikola sei trotz dieser Vergangenheit nicht in Gefahr. Die Firma habe in nur zwei Jahren zwei Fahrzeuge und zwei Werke auf die Beine gestellt und konzentriere sich jetzt auf die Umsetzung ihrer Pläne. „Das ist real, ich verspreche, das ist der Lkw“, sagte er mit Blick auf das für 2023 geplante Brennstoffzellen-Modell. Mit diesem kommt Nikola später als Hyundai, aber vier Jahre früher als Lkw-Marktführer Daimler.

Das erste batterieelektrische Modell Nikola Tre trifft unterdessen auf Konkurrenzmodelle von Renault, Volvo und der Volkswagen-Tochter Scania, die schon am Markt eingeführt sind. Der erste Elektrolaster von Daimler, der e-Actros, geht ebenfalls demnächst in Produktion. Die VW-Tochter MAN hat das erste batterieelektrische Serienmodell für 2024 angekündigt. Während die VW-Marken auch für schwere Langstreckenlaster auf die Batterie setzen, verfolgen Daimler und Volvo wie Nikola den Wasserstoffantrieb.

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