Emissionsvolumen Zu viele Anleihen begeben: Barclays erwartet Verlust von 450 Millionen Pfund

Die britische Großbank hat mehr Anleihen emittiert, als sie registriert hat. Analysten sehen einen „peinlichen“ und „bizarren“ Fehler – der teuer werden kann.

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Die Aktien der Großbank fielen gegen Montagmittag in London um rund 2,5 Prozent. Quelle: dpa

Die britische Großbank Barclays hat aus Versehen mehr strukturierte Anleihen und börsennotierte Schuldverschreibungen begeben als zuvor beantragt – und muss diese nun mit Verlust zum Originalpreis zurückkaufen. Zu erwarten ist eine Einbuße von 450 Millionen Pfund (591 Millionen Dollar), wie die Bank am Montag mitteilte. Der eigentlich geplante Aktienrückkauf wird deshalb verschoben.

Die tatsächlich zu erwartenden Verluste aus dem Lapsus dürften indessen nur rund halb so hoch sein wie von der Bank beziffert, erwartet Bloomberg-Intelligence-Analyst Jonathan Tyce und verweist auf Hedging-Transaktionen zur Absicherung. Barclays sagte, es untersuche die Ursache und stelle sich den Fragen der Aufsichtsbehörden. Die Aktien von Barclays fielen gegen Montagmittag in London um rund 2,5 Prozent.

Barclays hat Anlageprodukte im Wert von 36 Milliarden Dollar emittiert, nachdem es sich im August 2019 bei den US-Aufsichtsbehörden ein Emissionsvolumen von 20,8 Milliarden Dollar registriert hatte. Großbanken beantragen in der Regel pauschale Registrierungen, die es ihnen erlauben, regelmäßig Schuldverschreibungen auszugeben. Mit diesen können Kunden auf alles Mögliche wetten – von der Marktvolatilität bis hin zur Performance der Aktien des E-Autobauers Tesla.

Analysten nannten den Fehler in ersten Reaktionen „grundlegend“, „bizarr“ und „peinlich“. Marktbeobachter konnten sich nicht daran erinnern, dass eine Bank jemals mehr Anleihen emittiert hätte, als sie registriert hatte – geschweige denn, dass sie das Limit um Milliarden überschritten hätte.

„Diese Art von scheinbar grundlegendem Fehler könnte das Vertrauen in die Investmentbank in Zukunft erschüttern“, sagte Fahed Kunwar, ein Analyst bei Redburn. „Mit einem neuen Managementteam im Amt, gibt es bereits Fragen über die Fähigkeit der Investmentbank, ihre starke Leistung fortzusetzen.“

Der neue Barclays-Chef C.S. Venkatakrishnan verfolgt das Ziel einer Universalbank mit einer starken Investmentbanksparte. Derzeit ist Barclays hier weltweit die Nummer sechs. Venkatakrishnan kündigte zum Start, er werde alles tun, um diese Position noch zu verbessern.

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