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Energiekonzern Eon-Chef setzt auf Netze als Treiber der Energiewende

Auch Leonhard Birnbaum sieht eine Schlüsselrolle der Strom- und Gasnetze für die Energiewende. Birnbaum hatte im April die Nachfolge von Johannes Teyssen angetreten.

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Eon ist nach diversen Umbauten operativ in die zwei Bereiche Netzspalte und Kundenlösungen gegliedert. Quelle: dpa

Der Energiekonzern Eon sieht auch unter seinem neuen Chef eine Schlüsselrolle der Strom- und Gasnetze für die Energiewende. „Natürlich bleibt das Netz das größte Geschäft“, sagte Vorstandschef Leonhard Birnbaum in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Immer mehr Menschen wollten ihre Ökostromanlagen an das Netz anschließen. „Wir werden von Anschlussbegehren überrannt. Wir werden im Jahr 2030 rund drei bis dreieinhalb Millionen dezentrale Einspeiser haben, im Vergleich zu eineinhalb Millionen heute.“ Birnbaum hatte im April die Nachfolge des langjährigen Eon-Chefs Johannes Teyssen angetreten.

Am 23. November will der Manager auf einem Capital Markets Day seine Strategie für den Konzern mit rund 73.000 Mitarbeitern und europaweit mehr als 53 Millionen Kunden vorlegen. „Wir haben massiven Veränderungsbedarf, den haben aber alle“, betont Birnbaum, der 2013 vom Konkurrenten RWE zu Eon wechselte. Eon müsse wachsen, schließlich wachse auch der gesamte Markt. „Und wir müssen Nachhaltigkeit und Digitalisierung anders vorantreiben.“ Der Konzern müsse seine Prozesse komplett digitalisieren. Bis 2025 wolle das Unternehmen eine neue IT in allen Netzregionen haben.

Netzsparte und Kundenlösungen

Eon ist nach diversen Umbauten operativ in zwei Bereiche gegliedert. Neben der Netzsparte mit dem Transport von Strom und Gas gehört der Bereich Kundenlösungen dazu, der den Vertrieb umfasst, aber auch Produkte und Dienstleistungen. „Wir sind mit beiden Geschäftsbereichen glücklich. Alle unsere Geschäfte sind profitabel.“

Das Netzgeschäft ist bislang der größte Gewinnbringer. Eon beziffert den Wert auf 35 Milliarden Euro. Das Geschäft ist komplett reguliert. Die Bundesnetzagentur will die Zinssätze für die Betreiber der Strom- und Gasnetze senken, was in der Branche für Unruhe sorgt. Nach einem Entwurf sollen die Eigenkapitalzinssätze für Neuanlagen bei mindestens 4,59 Prozent vor Körperschaftsteuer liegen statt derzeit 6,91 Prozent.

„Was derzeit auf dem Tisch liegt, ist viel zu niedrig. Das sagt die gesamte Branche in Schärfe und aller Deutlichkeit“, kritisiert Birnbaum. Investoren betrachteten schon heute die Sätze in Deutschland im europäischen Vergleich als zu niedrig. „Am Ende wird es wohl geringer ausfallen als 6,91 Prozent, aber es muss deutlich höher als 5,1 Prozent sein.“

Von einer neuen Bundesregierung erwartet der Eon-Chef mehr Tempo bei den Genehmigungsverfahren für den Netzausbau. „Natürlich bauen wir die Netze aus, aber bei langsamen Genehmigungen wird das nicht reichen, um vor der Nachfragewelle bereit zu sein.“ Die Genehmigungszeiten müssten mindestens halbiert werden. „Statt sieben Jahren würde ich mir wünschen, in zwei bis drei Jahren durch zu sein.“

Mit Blick auf gelegentliche Übernahmespekulationen um Eon und RWE gibt sich Birnbaum gelassen: Der beste Schutz vor einer Übernahme sei eine Top-Performance. „Ich sage immer: denkt nicht zuviel hierüber nach, sorgt einfach dafür, das Optimum aus den eigenen Möglichkeiten rauszuholen. Das ist der beste Übernahmeschutz.“

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