Energiekonzern Uniper-Chef Schäfer kämpft für die Eigenständigkeit

Uniper will den Einfluss von Großaktionär Fortum begrenzen. Das ist aber nicht die einzige Sorge von Konzernchef Klaus Schäfer.

„Ich habe Ihnen versprochen, dass wir um die Eigenständigkeit kämpfen.“ Quelle: dpa

DüsseldorfIm Kampf um die Eigenständigkeit seines Unternehmens bemüht Uniper-Chef Klaus Schäfer seit Monaten Vergleiche aus dem Fußball. Im November, als der finnische Konkurrent Fortum seine Offerte vorgelegt hatte, kündigte er an auf Unentschieden zu spielen. Das ist ihm auch bislang gelungen: Fortum hat im Rahmen seines Gebots die Mehrheit verfehlt – und sich nur etwas mehr als 47 Prozent der Anteile gesichert.

Das Unentschieden hat Schäfer nach eigenen Worten also erreicht: „Ich habe Ihnen versprochen, dass wir um die Eigenständigkeit kämpfen würden und darum, den Einfluss von Fortum bei Uniper möglichst gering zu halten. Und dies ist uns bisher ganz gut gelungen“, sagte er am Donnerstag bei der Bilanz-Pressekonferenz in Düsseldorf.

Jetzt sieht Schäfer das Spiel in der Verlängerung – mit nach wie vor offenem Ausgang: „Erst wenn der Schiedsrichter abpfeift, ist das Spiel zu Ende.“ Der Uniper-Chef verwies vor allem auf „eine Reihe an Regulierungsbehörden“, die Fortum noch von dem Deal überzeugen müsse, bevor die Finnen das Angebot tatsächlich vollziehen können. Insbesondere in Russland wird die Transaktion kritisch geprüft.

Tatsächlich ist das Spiel offen – in beide Richtungen. Noch hat Schäfer die Eigenständigkeit gewahrt, noch haben die Finnen aber alle Trümpfe in der Hand. Die Finnen haben zwar angekündigt, gar nicht die Kontrolle, sondern eine strategische Partnerschaft anzustreben. Tatsächlich könnte Fortum aber im Nachgang weitere Anteile am Markt zukaufen.

Seit Wochen verhandeln die beiden Unternehmen deshalb über eine Vereinbarung, die die künftige Zusammenarbeit regeln soll. Noch steht eine Einigung aber aus. „Wir sind immer noch nicht fertig“, sagte Schäfer, „Ich würde mich freuen, wenn wir schnellere Fortschritte machen würden.“

Der Uniper-Chef bleibt skeptisch. Schließlich hatte Fortum nach seinen Worten schon im Juli einen ersten Vorstoß gewagt, 19 Euro je Aktie geboten und dabei die komplette Übernahme angestrebt. Schäfer wies das zurück und blieb auch hart, als die Finnen im September einen zweiten modifizierten Vorstoß wagten. Sie unterbreiteten ein Gebot von 21,31 Euro je Aktie plus Dividende – insgesamt 22 Euro.

Dabei schloss Fortum mit dem größten Aktionär schon eine Vereinbarung: Der Eon-Konzern, der Uniper erst ein Jahr zuvor an die Börse gebracht hatte und noch knapp 47 Prozent hielt, sagte schon im Vorfeld zu, die Offerte anzunehmen – und konnte wegen einer hohen Break-up-Fee praktisch nicht mehr zurück treten.

Fortum kann nicht richtig durchgreifen

Das war für Schäfer ein schwerer Schlag: Damit wusste er, dass er den Einstieg der Finnen kaum mehr verhindern konnte, setzte sich aber ein neues Ziel: Er wollte es Fortum zumindest so schwierig wie möglich machen. Und das ist ihm tatsächlich gelungen. Der Aktienkurs lag fast während der kompletten Angebotsfrist über der Offerte und ist auch jetzt noch mit 25 Euro deutlich höher. Die Folge: Fortum konnte sich nur wenig mehr als das Paket von Eon sichern.

„Das ist ein großer Erfolg für Uniper, und damit bin ich sehr zufrieden“, sagte Schäfer: „Das ursprünglich von Fortum abgestrebte Szenario einer vollständigen Übernahme konnten wir bis heute erfolgreich abwehren.“

Sollte Fortum die Genehmigungen der Regulierungsbehörden erhalten, werden die Finnen aber trotzdem einen entscheidenden Einfluss auf den Stromproduzenten ausüben: Mit ihrem Anteil werden sie auf der Hauptversammlung die Mehrheit erreichen – und können wesentliche Entscheidungen durchsetzen.

Richtig durchgreifen könnten die Finnen aber nur, wenn sie die Kontrollmehrheit von 75 Prozent hätten. Das strebt das Unternehmen nach den Worten von CEO Pekka Lundmark aber nicht an. Es wäre auch teuer, weil sich in den vergangenen Monaten zahlreiche Hedgefonds bei Uniper eingekauft haben.

Schäfer will so oder so eigenständig weitermachen. Die aktuelle Bilanz sieht er als Beleg, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Dabei war das Unternehmen, in das Eon die notleidenden Kohle- und Gaskraftwerke abgespalten hat, zum Start als Resterampe gescholten worden.

2017 schloss Uniper das Geschäftsjahr zwar auch wieder mit einem Verlust ab: Unter dem Strich stand ein Minus von 538 Millionen Euro. Das lag aber vor allem an buchhalterischen Effekten im Rahmen eines großen Deals – des Verkaufs der Beteiligung am Gasfeld Yuschno-Russkoje an den österreichischen OMV-Konzern. 2016 hatte der Fehlbetrag auch noch 3,2 Milliarden Euro betragen.

Mit der Transaktion konnte Uniper vor allem aber die Nettoverschuldung drücken – von 4,2 Milliarden auf 2,4 Milliarden Euro.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank zwar um 18 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro gesunken. Das lag aber vor allem an Einmaleffekten. Uniper hatte im Vorjahr von einer hohen Rückerstattung durch Gaslieferant Gazprom profitiert.

Überraschend stark präsentierte sich die russische Tochter. Aber selbst in der schwierigen europäischen Stromerzeugung haben sich die Ergebnisse verbessert. Sie verbesserte das Ebit um 211 Millionen Euro auf 337 Millionen Euro zu. Die selbst gesteckten Ziele erreichte Uniper damit. Uniper hatte eine Bandbreite beim Ebit von 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Große Sorgen bereitet Uniper das neue Steinkohlekraftwerk Datteln 4. Der Start des Kraftwerkes hatte sich ohnehin um Jahre verzögert, weil Umweltschützer mit Klagen den Bau blockiert hatten. Im Frühjahr sollte es jetzt eigentlich ans Netz und endlich Gewinne liefern. Im Dezember hatte Uniper die Inbetriebnahme aber wegen Baumängel schon bis zum vierten Quartal verschoben. Im Rahmen der Inbetriebnahme wurden Schäden an der Kesselanlage entdeckt.

Jetzt will Schäfer sogar eine weitere Verzögerung nicht ausschließen. „Wir prüfen derzeit das Ausmaß der Schäden und die genaue Fehlerursache“, sagte Schäfer: „Diese Untersuchung dauert länger als wir angenommen hatten.“ Daher wolle er heute „den zuletzt angestrebten Inbetriebnahmezeitpunkt nicht ausdrücklich bestätigen: „Vor dem vierten Quartal ist aber keinesfalls mit einer Inbetriebnahme zu rechnen“, sagte Schäfer: „Auch können wir weitere Verzögerungen nicht ausschließen.“

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%