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Energiemarkt Kältewelle leert Gasspeicher und treibt Preise nach oben

Die Speicher leeren sich, die Preise schießen nach oben: Der Gasmarkt reagiert auf die Minustemperaturen. Was das für Verbraucher bedeutet.

Die Gasimporte aus Russland können mit der steigenden Nachfrage nicht mithalten. Quelle: dpa

DüsseldorfDeutschland zittert und friert. Die vergangene Nacht war die kälteste des Winters. Die Temperaturen sind teilweise auf minus 30 Grad gefallen. Vor allem dauert die Kältewelle schon seit gut einer Woche an. Immer neue kalte Luft weht aus Russland nach Westen.

Die Gasbranche darf sich freuen: Die Heizungen laufen auf Hochtouren – der Gasverbrauch ist sprunghaft gestiegen. Der russische Gasriese Gazprom meldet einen Exportrekord nach dem anderen.

In Deutschland greifen die Gashändler bereits im großen Stil auf Reserven in unterirdischen Speichern zurück, weil der Import nicht mit der Nachfrage mithalten konnte.

„Wir können froh sein, dass wir zu Beginn dieser Kälteperiode solide Füllstände in den deutschen Gasspeichern hatten“, sagt Klaus Schäfer, Chef des Energiekonzerns Uniper, Marktführer im Gasgroßhandel in Deutschland.

Seit Mitte Februar wurde in Deutschland im Schnitt Gas mit einem Brennwert von durchschnittlich 2.260 Gigawattstunden (GWh) pro Tag entnommen. In der Spitze, am 26. Februar, waren es sogar 3.250 GWh - damit könnten 230.000 Haushalte ein Jahr lang mit Raumwärme und Warmwasser versorgt werden.

Zum Vergleich: An einem normalen Wintertag wird im Schnitt 1000 bis 1250 GWh entnommen. Insgesamt wurden in der Kälteperiode bereits 2,5 Milliarden Kubikmeter Gas aus den Speichern in die Netze gespeist. Damit fiel der Füllstand von 40 Prozent auf knapp 30 Prozent.

„Es wird zwar durchaus eng, aber die Speichermengen reichen noch aus“, betont Uniper-CEO Schäfer. „Allerdings müssen wir hoffen, dass uns eine weitere späte Frostperiode im wahrsten Sinne des Wortes nicht noch kalt erwischt.“

Die sprunghaft gestiegene Nachfrage machte sich auch im Großhandel bemerkbar. An den europäischen Handelspunkten verdoppelten sich die Preise in etwa. Am deutschen Handelspunkt von Netconnect Germany kostete eine Megawattstunde am 19. Februar noch weniger als 18 Euro. Am Dienstag waren es mehr als 35 Euro.

In Zeiten sehr hohen Gasbedarfs tragen die Gasspeicher häufig zu mehr als 50 Prozent zur Deckung des Bedarfs deutscher Gaskunden bei – egal ob Haushalts-, Kraftwerks- oder Industriekunde, heißt es bei Uniper.

Deutschland sei grundsätzlich gut mit Gasspeichern bestückt. Wichtig sei nur, dass sie nicht nur zu Beginn des Winters gut befüllt seien, sondern auch in der Schlussphase der Heizperiode noch ein ausreichender Puffer zur Verfügung steht.

Und auch vor plötzlichen Preissprüngen müssen die Verbraucher keine Sorge haben, wie Stefan Kapferer, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, erklärt: „Da die Gasversorger einen Großteil der benötigten Gasmengen im Voraus beschaffen, haben solch kurzfristige und nicht anhaltende Preisschwankungen keine spürbaren Auswirkungen auf das Portemonnaie der Endkunden.“

Außerdem würden die Endkundenpreis nur zu etwas mehr als der Hälfte von den Beschaffungskosten abhängen – der Rest entfalle auf Steuern, Abgaben, Umlagen und Netzentgelte.

Bald dürfte sich die Lage auf dem Gasmarkt auch schon wieder entspannen. Nach Einschätzung der Meteorologen ist der Höhepunkt der Kältewelle erreicht: Es bleibt zwar weiter frostig, nach und nach soll es aber milder werden.

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