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Energieversorger im Übernahmekampf Uniper wird zum Spielball der Investoren

Hedgefonds treiben den Kurs des Stromproduzenten Uniper. Für die privaten Aktionäre steht fest: Sie sollten nicht voreilig verkaufen – jedenfalls nicht an die finnische Fortum. Die wichtigsten Fragen zum Übernahmekampf.

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Uniper: Eon-Abspaltung wird zum Spielball der Investoren Quelle: dpa

Düsseldorf Was wurde Uniper zum Start nicht geschmäht: Als „Resterampe“ wurde das Unternehmen beschimpft, in das Eon seine notleidenden Kohle- und Gaskraftwerke abgespalten hatte. Der Börsengang im September 2016, als der Energiekonzern die ersten gut 53 Prozent abgab, verlief auch eher mäßig. Die Aktie ging gerade einmal mit zehn Euro an den Start. Insgesamt wurde Uniper mit weniger als vier Milliarden Euro bewertet.

Seitdem hat sich die Aktie aber zum begehrten Objekt entwickelt. Der finnische Energiekonzern Fortum hat eine Übernahmeofferte von 22 Euro je Aktie abgegeben. Hedgefonds spekulieren sogar auf noch höhere Kurse. Und jetzt ist auch noch der aggressive US-Investor Paul Singer mit seinem Fonds Elliott eingestiegen – und hat den Kurs am Dienstag auf ein neues Rekordhoch von 25,80 Euro getrieben.

Warum? Was will Singer? Und was sollen die Aktionäre jetzt machen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Übernahmekampf um Uniper.

Warum steigt Singer ein?

Uniper gab am Dienstag bekannt, dass Singer und sein Fonds Elliott 5,32 Prozent der Uniper-Aktien erworben haben. Zuvor hatte er sich schon heimlich angeschlichen – knapp unter die Drei-Prozent-Marke, ab der Investments gemeldet werden müssen. Singer und Elliott lehnen bislang einen Kommentar zu ihren Motiven ab. In der Vergangenheit hatten sie sich aber schon wiederholt in Übernahmekämpfe eingemischt, um eine höhere Abfindung herauszuschlagen. Beim Arzneimittelhersteller Stada war ihnen das zuletzt auch erfolgreich gelungen.

Warum notiert der Kurs schon bei knapp 26 Euro, obwohl Fortum nur 22 Euro bietet?

Elliott ist nicht der einzige Hedgefonds, der sich jetzt bei Uniper eingekauft hat. Zuletzt kauften sich nach Informationen des Handelsblatts schon zahlreiche andere Fonds ein, allerdings blieben sie unterhalb der Meldeschwelle. Sie spekulieren in erster Linie auf eine höhere Abfindung, sollte Fortum in einem zweiten Schritt die komplette Kontrolle anstreben.

Was bedeutet das für Privataktionäre?

Es gibt keinen Grund für die Aktionäre, ihre Aktien im Zuge des Übernahmeangebots an Fortum zu verkaufen. Die Aktie notiert seit Wochen bei rund 24 Euro. Nach der Nachricht über Elliotts Einstieg kletterte sie am Dienstag sogar auf ein Rekordhoch von 25,80 Euro. Das ist weit von den 22 Euro entfernt, die Fortum bietet. Dabei ist darin schon die Dividende für 2017 einberechnet. Es ist unklar, wie die Aktie reagiert, wenn die Annahmefrist am 16. Januar ausläuft. Eventuell bricht der Kurs ein, nach dem Einstieg der Hedgefonds ist damit aber kaum zu rechnen. Wer sich die aktuellen Kurse sichern will, kann zwar verkaufen – sollte das aber am Markt machen.

Wird Fortum denn das Angebot selbst aufstocken?

Damit ist nicht zu rechnen. Fortum-Chef Pekka Lundmark hat das klar ausgeschlossen – und es würde auch keinen Sinn ergeben. Fortum hat sich im Rahmen der Offerte schon das größte Paket gesichert. Eon hat zugesagt, seine restliche Beteiligung von knapp 47 Prozent verkaufen zu wollen. Lundmark ist nach eigenen Worten vor allem hinter diesem Paket her. Würde er die Offerte aufstocken, müsste er auch Eon mehr bezahlen.

Ist es nicht wahrscheinlich, dass der Deal mit Eon noch platzt?

Nein. Trotz des Kursanstiegs ist es für Eon kaum noch möglich, zurückzutreten. Der Energiekonzern müsste sonst eine Strafzahlung von 750 Millionen Euro leisten, die je nach Kursentwicklung auf bis zu 1,5 Milliarden Euro steigen könnte. Die Summe würde erst ab Kursen von mehr als 30 Euro wieder eingespielt. Aber selbst dann dürfte Eon an dem Deal festhalten. Der Konzern müsste sonst die restlichen Aktien übernehmen, die Fortum sich schon gesichert hat – und es wäre unklar, ob Eon sein großes Paket zu den Marktpreisen verkaufen kann.

Was bedeutet der Einstieg der Hedgefonds für Fortum?

Mit dem rasanten Kursanstieg der Uniper-Aktie ist es unwahrscheinlich, dass sich Fortum im Rahmen des Gebotes viel mehr als Eons knapp 47 Prozent sichern wird. Glaubt man Lundmarks Worten, wäre das für ihn auch kein Problem: Von Anfang an hat der CEO klar gemacht, dass Fortum vor allem an dem Eon-Paket interessiert ist und keine Übernahme plane. Man wolle ein langfristig orientierter Investor sein. Hat er aber eigentlich doch vor, sich eine Kontrollmehrheit zu sichern, wird das erschwert. Fortum kann zwar nach Ablauf der Offerte am Markt Aktien zukaufen. Um das Unternehmen kontrollieren zu wollen, muss Lundmark aber über 75 Prozent kommen. Genau dafür wollen die Hedgefonds offenbar den Preis nach oben treiben.


Geht das Kalkül der Hedgefonds auf?

Was bedeutet das für Uniper?

Uniper-Chef Klaus Schäfer lehnt die Offerte von Fortum von Anfang an als „feindlich“ ab. Auf den ersten Blick kann er sich über den Einstieg der Hedgefonds also freuen. Zum einen erschweren sie es den Finnen, sich schon im ersten Schritt eine Mehrheit zu sichern. Zum anderen treiben sie den Aktienkurs nach oben – und liefern Schäfer Argumente, die Offerte zurückzuweisen: Er hat sie von Anfang an als nicht attraktiv und zu niedrig bewertet.

Andererseits sind die Hedgefonds auch nicht die langfristigen Investoren, die Schäfer gerne hätte. Sie sind letztlich nur darauf aus, den Preis für Fortum nach oben zu treiben. Umso mehr muss er jetzt, wie von Fortum angeboten, mit den Finnen eine Vereinbarung aushandeln, die die Zusammenarbeit regelt und die Rechte der Arbeiter wahrt.

Was bedeutet das für Eon-Chef Johannes Teyssen?

Für Teyssen ist die Kursentwicklung unangenehm. Er hat zwar für Eon im Herbst einen lukrativen Preis herausgehandelt. Die 22 Euro lagen damals fast 40 Prozent höher als noch im Frühjahr, ehe die Übernahmespekulationen um Fortum aufkamen, und sind mehr als doppelt so hoch wie noch zum Börsengang. Allerdings muss er nun aller Wahrscheinlichkeit nach sein Paket deutlich günstiger verkaufen, als es der aktuellen Bewertung entspricht. Teyssen kann damit argumentieren, dass der Kurs nur durch den Deal so nach oben getrieben wurde. Gleichzeitig kann er sich in einem Punkt bestätigt fühlen: Er betrachtet Fortum als guten Partner für Uniper – im Gegensatz zu den Hedgefonds.

Geht das Kalkül der Hedgefonds auf?

Das bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall brauchen sie einen langen Atem. Fortum wird die Offerte während des Gebots nicht aufstocken. Ob sie im zweiten Schritt die Kontrolle anstreben, wird sich zeigen. Unter Zeitdruck stehen sie dabei aber nicht. Der Kursanstieg könnte das sogar erschweren: Es ist unwahrscheinlich, dass Fortum schon mit der Offerte knapp unter die Kontrollmehrheit kommt.

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