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Erderwärmung Wie hoch steigt der Meeresspiegel?

Neue Untersuchungen bereiten Forschern Sorge: Selbst bei einer mäßigen Erwärmung des Klimas könnte der Meeresspiegel deutlich ansteigen.

Besonders flache Inseln, wie das zu Fidschi gehörende Eiland Vorovoro, sind vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht. Quelle: dpa

BerlinWährend sich Unternehmen zunehmend mehr Gedanken um mehr Klimaschutz in ihren Betrieben machen, unterstreichen Klimaforscher die Notwendigkeit, so früh wie möglich den Scheitelpunkt der klimaschädlichen Kohlenstoffdioxid-Emissionen zu erreichen. „Der menschgemachte Klimawandel hat bereits jetzt einen gewissen Anstieg des Meeresspiegels für die kommenden Jahrhunderte vorprogrammiert, aber das bedeutet nicht, dass unser heutiges Handeln keinen großen Unterschied mehr macht“, sagt Matthias Mengel vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

„Beim Höchststand der CO2-Emissionen kann jede Verzögerung um fünf Jahre zwischen 2020 und 2035 einen zusätzlichen Anstieg des Meeresspiegels um 20 Zentimeter bedeuten – das entspricht dem Meeresspiegelanstieg, den wir seit Beginn der vorindustriellen Ära insgesamt erlebt haben“, so Mengel, der zusammen mit anderen Wissenschaftlern eine neue Studie in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ publiziert hat.

Treiber des globalen Meeresspiegelanstiegs sind die Erwärmung und Ausdehnung der Ozeane sowie das Abschmelzen von Gletschern, Eiskappen und den Eisschilden Grönlands und der Antarktis. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der globale Meeresspiegel zwischen 70 Zentimetern und 1,2 Metern steigt, wenn das Pariser Klimaabkommen vollständig umgesetzt wird. Das sieht eine Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius im vorindustriellen Vergleich vor.

Doch tatsächlich birgt gerade die Antarktis ein hohes Maß an Unsicherheit. „Nach unserem heutigen Kenntnisstand zur Instabilität der Eisschilde könnten große Eismasseverluste der Antarktis selbst bei einer mäßigen Erwärmung möglich sein, die im Einklang mit dem Pariser Abkommen wäre“, sagt Mengel. „Selbst ein Meeresspiegelanstieg von bis zu drei Metern bis 2300 kann nicht völlig ausgeschlossen werden, da wir noch nicht mit Sicherheit sagen können, wie das antarktische Eisschild auf die globale Erwärmung reagieren wird.“

Jüngst hatten Satellitenmessungen von Forschern der Universität Colorado ergeben, dass der Meeresspiegel wesentlich schneller steigt als bislang erwartet. Die Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels müsse endlich vorrangiges Ziel aller nationaler und internationaler Politik sein, sagte Lisa Badum, Sprecherin für Klimapolitik der Grünen-Bundestagsfraktion.

Eine Umfrage des Handelsblatts bei den deutschen Dax-30-Konzernen hatte gerade gezeigt, dass die Mehrheit von ihnen an Konzepten arbeitet, die im Einklang zumindest mit dem Zwei-Grad-Ziel stehen. Auch sind sie bereit, die Herausforderung einer CO2-Bepreisung anzunehmen. Sie wünschen sich nur, dass das nicht im nationalen Alleingang passiert. Jetzt muss die Politik nachlegen.

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