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Arbeit und Leben Stress muss ein Ende haben

Gestresst sind fast alle, manche sind sogar stolz drauf. Doch es mehren sich die Zeichen, dass das Konzept eines permanenten Stress-Managements an seine Grenzen stößt.

Die stressigsten Jobs der Welt
Taxen Quelle: dpa
Zeitungsjournalisten Quelle: REUTERS
Reporter Quelle: dpa
Vorstandsmitglieder Quelle: Fotolia
Pressesprecher Quelle: dpa
Event-Manager Quelle: dpa
Polizisten Quelle: AP

Kein Tag ohne Stress. Selbst wenn man ausnahmsweise mal gerade nicht selbst gestresst ist, liest man allerorten von anderer Leute Stress. Nach einer aktuellen Studie kann der sogar schon ausbrechen, wenn man sein Mobil-Telefon nicht griffbereit hat.

Wir sind, so kann man wohl ohne Zweifel feststellen, eine Stressgesellschaft. Und wenn ihn schon nicht alle lieben, so haben sich viele doch damit abgefunden, dass der Stress unser ständiger Begleiter ist.

Dieses Abfinden hat zur Voraussetzung, dass die Menschen Stress für eine Normalität halten, für einen Teil der menschlichen Natur. Für ein ewig gültiges, unumstößliches Naturgesetz wie den wirtschaftlichen Wettbewerb selbst. Gehört der Stress unabwendbar zu einer kapitalistischen Gesellschaft?

Vielleicht. Aber so wie kapitalistische Gesellschaften einen historischen Anfang und damit vermutlich auch ein Ende haben, so ist auch die gestresste Gesellschaft ein historisches Phänomen, worauf die Fachzeitschrift "Zeithistorische Forschungen" mit einem aktuellen Sonderheft aufmerksam macht. Stress ist ein zeithistorisches, also ein relativ junges Phänomen. Mag sein, dass es auch vor 200 Jahren gestresste Menschen gab. Doch sie scheinen so selten gewesen zu sein, dass man für sie keinen Begriff brauchte.

Wie gehen Sie mit Stress und Ärger um?

Das englische Wort Stress, abgeleitet vom lateinischen Verb „stringere“ (stramm ziehen), wurde vor dem 20. Jahrhundert nur in der Physik verwendet. Ein Holzbalken zum Beispiel, auf dem extrem schwere Lasten ruhen, die ihn zu zersplittern drohen, ist „stressed“.

Quälerische Versuche mit Ratten

Dafür, dass Lebewesen und Menschen gestresst genannt werden, ist vor allem der „Vater der Stressforschung“ verantwortlich: der aus Ungarn stammende kanadische Arzt Hans Selye. In den Dreißigerjahren machte er Tierversuche, für die man heute große Schwierigkeiten bekäme: Er setzte Ratten dauerhafter Kälte aus, gab ihnen wiederholt Gifte zu fressen, ließ sie übermäßige Muskelarbeit verrichten und infizierte sie mit Krankheiten.

Dabei stellte Selye fest, dass die Tiere auf all diese anhaltenden Belastungen „unspezifisch“, also immer gleich reagierten. Er stellte drei Stadien dieses „allgemeinen Anpassungssyndroms“ fest, das er später Stress nannte: Während der relativ kurzen „Alarmphase“ unmittelbar nach Eintreten der Belastung mobilisiert der Organismus nach einem anfänglichen Schock und der Einstellung überlebensunwichtiger Funktionen die Kräfte, die ihm dann nach rund 48 Stunden in der „Widerstandsphase“ ermöglichen, die Belastungen zu bewältigen.

In dieser Phase produzieren die Nebennieren auf Hochtouren das Stresshormon Cortisol, während die übrige Hormonproduktion heruntergefahren wird. Cortisol signalisiert dem Körper, salopp gesagt, an die Reserven zu gehen und auf Krankheitserreger nicht mit Entzündungen zu reagieren.

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