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Arbeitgeberranking Wo junge Talente am liebsten arbeiten

Ein exklusives Ranking zeigt, was junge Berufstätige von Unternehmen erwarten - und bei welchen Arbeitgebern sie am liebsten arbeiten.

Corinne Bazille

Erst verstummt der tuckernde Motor, dann startet der Elektroantrieb. In der Fahrerkabine sitzt: niemand. Wie von Geisterhand gesteuert setzt sich der bis zu 40 Tonnen schwere und samt Anhänger 25 Meter lange Lkw in Bewegung, fährt zielstrebig rückwärts und hält schließlich zentimetergenau neben dem avisierten Ziel – einer Laderampe.

Nicht mehr als zwei Fingerstriche auf dem Bildschirm seines Tablet Computers benötigte Benjamin Dittrich, um den Innovation Truck des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen auf dem betriebseigenen Testgelände zentimetergenau zu navigieren.

Zwölf Monate arbeiteten der 33-jährige Entwicklungsingenieur und sein Team an dem Projekt: einem ferngesteuerten Truck mit Hybridantrieb. Vorgegeben war nur das Ziel: ein Lkw mit weniger Emissionen und weniger Unfällen an der Laderampe – denn dort, nicht im Straßenverkehr selbst, passieren die meisten Kollisionen.

Über den Weg zum Ziel konnten Dittrich und seine Kollegen selbst entscheiden: Anfangs tüfteln sie an einem Simulator mit Bremspedal unterm Schreibtisch. Dann testen sie die Fernsteuerung per Laptop im Fahrerhaus – für Notfälle sind Handbremse und Notfallknopf in Griffweite installiert.

Die beliebtesten Arbeitgeber junger Wirtschaftswissenschaftler

Überprüft er heute die Exaktheit der Fernsteuerung, steht Dittrich routiniert mit dem Tablet neben dem Truck – dort, wo er den besten Überblick über das Rangieren hat. „Ich kenne keinen Fernfahrer, der solche Manöver am Lenker schafft“, sagt Dittrich. „Gerade die Mischung aus komplexen, spannenden Aufgaben und selbstständigem Vorgehen macht meine Arbeit so reizvoll.“

Aber auch die Aussicht auf den nächsten Urlaub: Seine übers Jahr gesammelten Überstunden – für den Ingenieur gilt die 35-Stunden-Woche – surft Dittrich an Weihnachten ab, für vier Wochen verabschiedet er sich dann zum Wellenreiten und zur Pflege seiner Spanischkenntnisse nach Mexiko. Die hatte er während einer einjährigen Auszeit vom Job erworben, während der er durch Lateinamerika gereist war.

„Bevor das Familienthema für mich wichtig wird, wollte ich noch einmal ausgiebig reisen – ich bin froh, dass ich bei einem Unternehmen arbeite, das mir Freiraum für meine Hobbys lässt“, sagt Dittrich.

So wie Dittrich denken viele talentierte Arbeitnehmer seiner Altersklasse: Intellektuelle Herausforderung, innovative Aufgaben und eigenverantwortliches Handeln einerseits, andererseits aber auch Zeit für Familie und Hobbys als Ausgleich zum beruflichen Engagement zählen zu den wichtigsten Aspekten, auf die die Vertreter der Generation Y bei der Wahl ihres Arbeitgebers achten.

Hintergrund zum Ranking

Doch neben all den Möglichkeiten, die Arbeitgeber bitte schön zu bieten haben, soll der Job noch etwas anderes erfüllen: das Bedürfnis nach Sicherheit. Und wer, wie laut Universum jeder dritte Wirtschaftswissenschaftler und jeder vierte Ingenieur, in den kommenden zwölf Monaten über einen Jobwechsel nachdenkt, will Zeitpunkt und Umstände selbst bestimmen.

Hohe Erwartungshaltung

„Die Erwartungshaltung der jungen Berufstätigen an potenzielle Arbeitgeber ist sehr groß“, sagt Stefan Lake, Deutschland-Chef der Employer-Branding-Beratung Universum. „Wer jeden Schritt kontrolliert, statt Freiheiten zu lassen, kommt bei der ,Generation all inclusive‘ nicht gut an.“

Das bestätigt auch das Ergebnis des aktuellen Arbeitgeberrankings, das Universum exklusiv für die WirtschaftsWoche erstellt hat. Das Beratungsunternehmen fragte 4760 junge Berufstätige unter 40 Jahren mit bis zu acht Jahren Berufserfahrung nach ihren Karrierezielen und ihrem bevorzugten Arbeitgeber.

ZF Friedrichshafen rückte im Arbeitgeberranking 2014 bei den Ingenieuren um acht Positionen auf Platz 16 vor, bei den Wirtschaftswissenschaftlern gar um 30 Positionen auf Platz 46. Der Automobilzulieferer vom Bodensee gehört damit zu den Top-Aufsteigern im diesjährigen Ranking.

Auch die Bundeswehr, Garant sicherer Arbeitsplätze, hat in der Gunst der jungen Talente an Attraktivität gewonnen. Ganz vorn auf der Liste der Lieblingsarbeitgeber liegen wie in den Vorjahren die Automobilhersteller Audi, BMW und Porsche. Schwer im Kampf um die Talente haben es derzeit Finanzdienstleister wie Allianz, Deutsche Bank, KfW oder Europäische Zentralbank.

Was junge Deutsche von Arbeitgebern erwarten
Talent Economy Quelle: dpa
Selbstbewusste Millennials Quelle: dpa
Geld, Abwechslung und Sicherheit Quelle: Fotolia
Weiterbildungsangebote Quelle: Fotolia
Ein Problem, das gerade mittelständische Unternehmen haben, ist dass die jungen Fachkräfte lieber nach Berlin oder Frankfurt wollen, als auf die schwäbische Alb. Quelle: Fotolia
Urlaubsgeld ist 78,8 Prozent der jungen Fachkräfte bei einem Unternehmen "wichtig" oder "sehr wichtig". Quelle: dpa
Betriebliche Altersvorsorge: 74,4 Prozent finden außerdem eine betriebliche Gesundheitsvorsorge attraktiv. Quelle: Fotolia

Ob in der Automobilbranche, im Einzelhandel, in der Luftfahrt oder der Tourismusindustrie: „Gute Arbeitgeber bieten eine positive Arbeitsatmosphäre und eine offene, kommunikative Unternehmenskultur, in der sich die Mitarbeiter entwickeln können“, sagt Universum-Manager Lake.

Darauf legt auch Corinne Bazille Wert – ein wesentlicher Grund für die 27-jährige Betriebswirtin, sich für Coca-Cola zu entscheiden: „Unser Claim ist: Mach anderen eine Freude“, sagt Bazille, die bei Coca-Cola im Marketing arbeitet.

Im Team mit drei Kollegen entwickelt sie Werbeaktionen für Tankstellen, Bäckereiketten und Einzelhandelsketten. Gerade hat sie ein Fußball-Wochenende in einer Bäckereikette verlost und die Sieger zum VIP-Wochenende mit Bundesligaspiel nach München geschickt.

Als „Open-Happiness-Prinzip“ beschreibt Jennifer Baum aus der Personalabteilung des Konzerns die Kultur des Brauseherstellers. „Wir sind eine Familie, die in 206 Ländern der Welt präsent ist.“ Mitarbeiter werden nach Persönlichkeit rekrutiert, die in Schule, Studium oder Praktika erworbenen Fähigkeiten kommen erst an zweiter Stelle. „Wir suchen die Right Potentials“, sagt Baum. „Unsere Leute müssen die richtige Haltung mitbringen – alles andere können sie in Trainings lernen.“

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