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Acht-Stunden-Tag adé IG Metall fordert flexiblere Arbeitszeiten

Im November stellte Andrea Nahles dem 8-Stunden-Tag den Totenschein aus. Jetzt sagt auch die IG Metall: Wir wollen so nicht mehr arbeiten. Wie viel Flexibilität ein Betrieb verträgt, muss nun jeder selbst herausfinden.

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Gesamtmetall will Abkehr vom Achtstundentag. Quelle: dpa

Arbeiten muss flexibler werden, da sind sich alle einig: Arbeitsministerium, Arbeitnehmerverbände, Arbeitspsychologen. In vielen Unternehmen heißt Flexibilität aber immer noch: Wenn der Boss pfeift, muss der Angestellte flexibel genug sein, Reisekoffer, den Nachwuchs oder das Sektglas stehen und liegen zu lassen und zur Arbeit zu kommen. Unternehmen, die flexibel auf die Bedürfnisse ihrer Angestellten reagieren, werden dagegen immer noch als Vorzeigemodell gefeiert.

Flexibilität ist eine Einbahnstraße - mit entsprechenden Folgen für die Mitarbeiter: "Wir haben seit der Krise 2008/2009 wieder einen ungebremsten Aufschwung in Sachen Arbeitszeiten. Sie wurden in Länge, Lage und Intensität noch einmal deutlich ausgeweitet", sagt Jörg Hoffmann, erster Vorsitzender der IG Metall.

Wenn schon alle immer mehr und immer länger arbeiten müssen, dann sollten sie wenigstens entscheiden können, wann sie das tun und ob sie zwischendrin noch den kranken Vater pflegen oder mit der Tochter zum Kinderschwimmen gehen wollen. So jedenfalls lesen sich die Vorschläge zur Neuregelung der Arbeitszeiten von Seiten des Bundesarbeitsministeriums. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte Ende November ihre Pläne zur einer Lockerung bei den Arbeitszeit-Vorschriften vorgelegt. In einer zweijährigen Probephase will sie Arbeitgebern und Gewerkschaften mehr Flexibilität gestatten, als es das Arbeitszeitgesetz vorsieht. Über die Arbeitszeit solle in Betrieben verhandelt werden.

Arbeiten 4.0 - Das sind die Pläne von Arbeitsministerin Nahles

Diese Experimentierphase wollen die Metall-Arbeitgeber jetzt nutzen. Der Acht-Stunden-Tag müsse verlängert werden können, die Wochenarbeitszeit in einer bestimmten Lebensphase auch. Was nicht heißen soll, dass jetzt alle unbegrenzt Überstunden machen sollen, wie Rainer Dulger, Verbandspräsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, sagt. "An der 35-Stunden-Woche rüttele ich nicht. Es geht darum, dass sie in bestimmten Lebensphasen ein paar Jahre 40 oder 42 Stunden arbeiten können." Im Ausgleich solle man dann aber in anderen Phasen - beispielsweise bei der Familiengründung - kürzer treten können, ohne finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen.

Nach seinen Vorstellungen könnte ein Gesetz "so aussehen, dass man eine tarifliche Öffnungsklausel vorsieht und sagt: Statt des Achtstundentages gilt eine Wochenarbeitszeit von x Stunden". Wann die vereinbarten Stunden abgeleistet werden, ist dann wieder Verhandlungssache. "Es muss einfach möglich sein, dass ein Mitarbeiter nachmittags um vier heimgeht, das Kind aus der Kita abholt, abends um 21 Uhr ins Bett bringt und sich dann noch mal zwei Stunden an die Arbeit setzt", so Dulger.


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Hopplahopp wird sich diese Forderung in den Betrieben aber vermutlich nicht umsetzen lassen. Entsprechend kündigte IG Metall-Chef Hofmann einen langen Atem weit über die nächste Tarifrunde Ende 2017 an. "Es ist kein Kampagnenprojekt für die nächsten 15 Monate und danach ist alles geregelt, sondern es ist eine lang dauernde Fokussierung der IG Metall auf das Thema", sagt er. Beim nächsten Gewerkschaftstag 2019 werde es vermutlich nur eine Zwischenbilanz geben. Denn mit einem neuen Tarifvertrag oder einem zusätzlichen Passus im Arbeitszeitgesetz sei es eben nicht getan, so Hoffmann.

Schließlich gehe es hauptsächlich darum, einen Wandel in der Unternehmens- und Führungskultur zu bewirken: Die Unternehmen sollen ihre Mitarbeiter und deren Interessen und Privatleben ernster nehmen und ihnen entgegenkommen.

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