Air Berlin Transfergesellschaften sind teuer – und bringen wenig

Ende der Woche ist es aus mit Air Berlin. Während Bundeswehr und Eurowings um einige Mitarbeiter werben, verliert das Gros den Job. Eine Transfergesellschaft soll sie retten. In der Vergangenheit klappte das selten.

Zynisch? Die Bundeswehr wirbt um Air Berlin-Mitarbeiter. Quelle: Screenshot

„Flugbegleiter? Jetzt umsteigen!“ steht auf einem Plakat der Bundeswehr, das seit vergangener Woche am Düsseldorfer Flughafen hängt. Darauf ist ein zerbrochenes Schokoladenherz in roter Folie zu sehen, wie sie von den Flugbegleitern der insolventen Air Berlin an Passagiere verteilt wurden. Daneben ein intaktes Herz in Tarnfleck-Optik und der Aufschrift „airbundeswehr“.

Der letzte Langstreckenflug der Linie landete am Montag, den 16. Oktober in Düsseldorf. Die Crew drehte über dem Flughafen noch eine verbotene Ehrenrunde und wurde dann von dem Bundeswehr-Plakat begrüßt. Am Abend des kommenden Freitags landen die Air-Berlin-Flüge AB6210 und AB6211 in München und Berlin. Danach ist es vorbei mit der Fluglinie. Das Aus kommt nach 29 Jahren, rund 5000 Flugbegleiter und Piloten stehen voraussichtlich auf der Straße.

Trotzdem ist das Plakat der Bundeswehr nicht etwa ein misslungener Scherz, sondern ein echtes Jobangebot: Für die Flugbereitschaft der Bundesregierung sucht die Bundeswehr derzeit Lufttransportbegleitfeldwebel, die prominente Gäste an Bord – Beispielsweise eines Airbus 310 – bewirten sollen.

Diese Promis sind in der Regel Abgeordnete und Minister, aber auch schon mal die Bundeskanzlerin oder der Bundespräsident nebst Entourage. Die flogen früher auch schon mal mit Air Berlin. Diese so genannten VIP-Flüge sind allerdings nicht die einzige Aufgabe der Lufttransportbegleiter, wie Stabsunteroffizierin Saskia M. erzählt. "Im Vergleich zum zivilen Luftverkehr ist es natürlich wesentlich abwechslungsreicher: Man fliegt nicht nur Passagiere von A nach B wie normale Airlines, sondern wir haben etwa auch Truppentransporte, die primär in Einsatzgebiete gehen, was zum Teil nicht ohne ist."

Gutes Gehalt bei hohem Risiko

Statt nach Mallorca, Paris oder Miami fliegt sie nach Usbekistan, Afghanistan oder Mali. Manchmal fliegt sie Verletzte aus Krisengebieten aus. Trotzdem liebt die 26-Jährige ihren Job. "Jeder Flug ist anders, jeder Flug ist schön“, sagt sie. Sie genieße es, immer woanders sein zu können. 130 Lufttransportbegleiter gibt es derzeit bei der Flugbereitschaft der Bundeswehr – 40 Stellen würde das Heer gerne mit Flugbegleitern von Air Berlin besetzen. Wer sich darauf einlässt, könne mit einem Einstiegsgehalt von 1800 Euro netto im Monat rechnen, heißt es bei der Bundeswehr.

Das ist Air Berlin

Dafür müssen sich Flugbegleiter in der Laufbahn der Feldwebel allerdings auch auf mindestens 15 Jahre verpflichten (als Flugbegleiter in der Laufbahn der Unteroffiziere sind es drei bis neun Jahre) und bereit sein, sich bundesweit versetzen zu lassen und an Auslandseinsätzen der Bundeswehr teilzunehmen. Auch die einjährige Ausbildung unterscheidet sich von der zum zivilen Flugbegleiter. "Überleben an Land und zur See" gehört hier mit zur Trainingseinheit. Da werde man schon mal bei minus 20 Grad mitten im Wald ausgesetzt und müsse zusehen, wie man zurechtkomme, erzählt M. "Das erlebt man nicht alle Tage." Das kann und möchte allerdings auch nicht jeder erleben.

Die Bundeswehr ist zwar nicht der einzige Arbeitgeber, der um Mitarbeiter von Air Berlin wirbt. Die Fluglinie Eurowings zum Beispiel lockt Piloten mit Trainer-Lizenz für den Airbus A320 mit einer Prämie von 20.000 Euro. Doch auch hier schaut das Gros der Mitarbeiter in die Röhre. Insgesamt sucht Eurowings nämlich nur 30 dieser spezialisierten Trainer.

Die Transfergesellschaft soll es richten

Deshalb ist für diesen Montag ein Treffen von Vertretern des Bundes sowie der Air-Berlin-Länder Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern geplant, um eine Transfergesellschaft einzurichten – und das schnell. „Wir brauchen Anfang nächster Woche eine Entscheidung“, sagte Frank Kebekus, der Generalbevollmächtigte von Air Berlin, der „Rheinischen Post“. Werde man sich in Berlin nicht einig, müsse man 4000 Leute entlassen.

Eine Transfergesellschaft soll von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten den Übergang in einen neuen Job ermöglichen. Dabei geht es nicht um deren Weiterbeschäftigung, sondern vor allem um deren Weitervermittlung und Qualifizierung. Letztere reicht vom Bewerbungstraining über den Computerkurs bis zum Lkw-Führerschein: Hauptsache, nach einem Jahr hat der Mitarbeiter einen neuen Job. Zum freiwilligen Eintritt in die Transfergesellschaft werden die Verträge der Betroffenen aufgehoben. Sie erhalten für höchstens zwölf Monate befristete Anstellungen bei der Gesellschaft. Während dieser Zeit zahlt die Agentur für Arbeit ein Transferkurzarbeitergeld.

50 Millionen Euro für 4000 Menschen

Das Geld für die Qualifizierungen muss natürlich irgendwo her kommen. Die Airline geht von einem Bedarf von 50 Millionen Euro aus. Mehr, als sie selber zahlen kann, wie Kebekus sagt. „Air Berlin selber kann die Transfergesellschaft nicht alleine finanzieren, also brauchen wir Hilfe von den betroffenen Ländern und vielleicht auch vom Bund.“ Zehn Millionen Euro könne und wolle Air Berlin selbst in die Hand nehmen. Den Rest solle die öffentliche Hand bezahlen. Was sie vermutlich auch tun wird, wie die Vergangenheit zeigt.

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