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Alexander Sättele Burnout und Depression - wenn der Job einen fast umbringt

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Das Bedürfnis nach Reduktion

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6. Das VeränderungsmodellDas besagt diese Theorie: Auftauen, verändern, wieder einfrieren - das ist das Motto dieser Theorie. Kurt Lewin vergleicht sein Modell mit einem Eiswürfel, den man in einen Eiskegel verwandelt. Nach seiner Argumentation motiviert man durch den dreistufigen Prozess die Menschen dazu, dass sie den Wandel wollen. So wenden Sie diese Theorie an: Seien Sie sich darüber im Klaren, welche Veränderungen Sie vornehmen wollen und warum sie nötig sind. Danach steht die Gewinnung von Unterstützung im Mittelpunkt. Dabei heißt es geschickt sein: Diejenigen, die für das Geld zuständig sind, wollen finanzielle Gewinne sehen. Die Personalabteilung dagegen fordert positive Auswirkungen auf die Mitarbeiter. Aber unterschätzen Sie nicht die Macht der Kollegen: Sie müssen die Vorteile der Veränderung verstehen - das ist entscheidend für den Erfolg. Quelle: dpa
Umfangreiche Aufgaben ganz klein machen Quelle: Fotolia
Ausbeuterischer Arbeitgeber Quelle: Fotolia
Konkurrenzkultur Quelle: Fotolia
Soziale Vereinsamung Quelle: Fotolia
Zu wenig Freizeitaktivität Quelle: dpa
Grenzenlose Arbeit Quelle: dpa

Ein Irrtum.

Absolut. Ich musste erst mal lernen, zur Ruhe zu kommen und mich zu öffnen. In den Einzel-, aber vor allem in den Gruppensitzungen. Ich hatte vorher keine therapeutische Erfahrung. Und nun saß ich mit Fremden zusammen und erzählte ihnen sehr private Dinge. Daran musste ich mich gewöhnen, das braucht Zeit.

Und wie geht es jetzt weiter?

Ich bin aus meiner alten Sozietät ausgeschieden. Ich muss noch mein Büro ausräumen und mir neue Räume suchen. Dann mache ich mich selbstständig – aber bescheidener als früher.

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Auch finanziell?

Sicherlich. Wenn man hier ist, entwickelt man ein Bedürfnis nach Reduktion. Vieles erscheint mir im Nachhinein völlig überflüssig.

Zum Beispiel?

Das fängt bei der Größe des Autos an und hört bei der Wohnungseinrichtung auf. Ich stelle nun alles Materielle infrage. Klar, ich habe immer gerne gut gelebt und möchte das auch weiterhin tun. Aber die Prioritäten haben sich verschoben.

Beruf



Haben Sie drüber nachgedacht, etwas ganz anderes zu machen?

Das habe ich mit den Therapeuten ausführlich diskutiert. Aber der Beruf an sich ist nicht das Problem. Ich bin gerne Verteidiger und will das weitermachen. Aber langsamer und bewusster als früher. Was ich nicht schaffe, gebe ich ab.

Und der Lebensmut ist wieder da?

Ja, absolut. Ich fange noch mal neu an. Darauf freue ich mich, ich bin neugierig und auch optimistisch.

Viele Betroffene würden sich nie öffentlich äußern. Warum tun Sie das?

Ich sehe das nicht als Outing, mein Umfeld weiß ohnehin Bescheid. Außerdem finde ich das Thema zu wichtig, um zu schweigen. Wir müssen doch nicht immer nur darüber reden, was für tolle Hechte wir alle sind – sondern auch darüber, welche Risiken und Gefahren in unserem Job lauern. Und mein Beispiel zeigt: Man kann etwas dagegen tun und die Krankheit überwinden. Es gibt keinen Grund, sich zu verstecken.

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