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Alexander Sättele Burnout und Depression - wenn der Job einen fast umbringt

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Verschleierung des eigenen Zustands

So macht der Job (wieder) Spaß
SelbstwertschätzungSpaß macht vor allem das, auf das man stolz sein kann. Daher sollte man seiner Arbeit den richtigen Wert beimessen und sie als Handwerkskunst sehen, statt als Mittel zum Zweck. Die richtige Einstellung macht’s. Quelle: Fotolia
Wissen, was Spaß machtUm Freude am Job zu haben, muss man vorher identifizieren, was einem genau Spaß bei der Arbeit bereitet. Eine Liste hilft dabei, die Spaßfaktoren auszumachen. Dann gilt es so viel von den angenehmen Punkten der Liste während des Arbeitstags unter zu bringen. Und schon bereitet der Job im Ganzen mehr Freude. Quelle: Fotolia
Das Beste aus einer Aufgabe machenImmer wieder landen Aufgaben auf dem Schreibtisch, die einem weniger Freude bereiten. Die Lösung ist, nicht darüber zu jammern, sondern das Beste aus ihnen zu machen und ihnen gute Seiten abzugewinnen. Vielleicht ist es auch möglich, die Aufgabe zu verändern, seinen Vorstellungen anzupassen oder um einen Aspekt, der einem liegt, zu ergänzen. Um so agiler und schneller kann man sie auch anpacken – und sich dem nächsten Spaßmacher widmen. Quelle: Fotolia
SalamitaktikEin Arbeitsberg mag demotivierend wirkend – je nach dem aus welcher Perspektive man ihn betrachtet. Teilt man sich die Masse in kleine Häppchen auf, wirkt die Aufgabe schon weniger erschreckend – und jedes Teilergebnis wird zum anspornenden Erfolg. Quelle: dpa/dpaweb
Sich nicht runter ziehen lassenVolkswirte wissen: Arbeit gilt als „Ungut“ oder als sogenanntes „Schlecht“ – je weniger davon, um so besser. Dementsprechend freuen sich auch die meisten Menschen, wenn sie ihren Arbeitsplatz Richtung Zuhause, Kneipe oder Fitnessstudio verlassen können. In der Gesellschaft von Arbeitsplatz-Nörglern und Miesepetern ist es schwer, seine positive Einstellung zu erhalten. Um so mehr gilt es, sich nicht runter ziehen zu lassen und gegen den Strom zu schwimmen. Quelle: Fotolia
Stress bedeutet keinen ErfolgWer Stress hat, sei fleißig, erfolgreich, geht scheinbar in seiner Arbeit auf – Stress ist in. Weder ist dieser Vergleich, noch ist diese Einstellung richtig. Stress belastet Körper und Geist. Wer tatsächlich Freude an der Arbeit hat, empfindet diese auch nicht als Bürde und Belastung. im Gegenteil: Sie geht einem dann eher leichter von der Hand. Quelle: Fotolia
WeiterentwicklungWer immer in einer Position verharrt – nicht nur karrieretechnisch, sondern auch geistig – verliert über kurz oder lang den Spaß an der Arbeit. Wer aktiv an sich arbeitet, sich verbessert und weiter entwickelt, hat auch mehr Freude an seiner Arbeit. Daher lautet die Devise, sich nach Weiterbildungsmöglichkeiten zu erkundigen, von Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern zu lernen, sowie an Konferenzen teilzunehmen, die nichts mit dem direkten Aufgabenbereich zu tun haben. Das motiviert nicht nur, sondern fördert auch die Karriere. Quelle: Fotolia

Haben Ihre Kollegen das nicht bemerkt?

Zunächst nicht. Es ist erstaunlich, wie lange ich nach außen hin noch funktionierte. Und welche Methoden ich entwickelte, um meinen Zustand zu verschleiern.

Wie verschleierten Sie Ihren Zustand?

Heimlich länger bleiben. Oder: gegen 18 Uhr das Büro verlassen, erst mal eine Runde Sport machen, danach zurück ins Büro – damit es niemand merkt.

Sind Ihnen im Nachhinein weitere Fehler aufgefallen?

Es fällt mir sehr schwer, nein zu sagen – etwa wenn Kollegen Hilfe brauchen. Meistens habe ich mir das dann auch noch aufgebürdet, obwohl ich wusste, dass ich eigentlich schon zu viel zu tun habe. Aber wenn sich dieses Muster einmal einprägt, handelt man immer gleich.

Burnout

Nun ist ja erst mal nichts falsch daran, ehrgeizig und fleißig zu sein.

Natürlich nicht. Allerdings ist es für leistungsorientierte Menschen schwierig, auch mal nichts zu tun oder Arbeit zu delegieren. Dahinter steckt oft ein Anerkennungsproblem oder Angst vor Ablehnung. Nach dem Motto: Wenn ich jetzt Nein sage, findet der andere mich blöd oder hält mich für faul...

Warum haben Sie nicht früher etwas gesagt?

Klar, so hätte ich früher auch gedacht. Aber als Betroffener denkt man anders. Man glaubt, das Problem selbst lösen zu können. Psychische Erkrankungen stoßen in der Gesellschaft auf wenig Akzeptanz. Wenn Sie Glück haben, werden Sie bemitleidet – aber das wollte ich erst recht nicht. Es ist schon ein großer Schritt zu sagen: Ja, ich bin krank.

Wann sind Sie diesen Schritt endlich gegangen?

Anfang Mai. Wobei: „Gegangen“ trifft es nicht. Es war offensichtlich, dass ich kurz vor dem Zusammenbruch stand. Deshalb sprachen die Kollegen mich eines Tages an und sagten: Es geht nicht mehr.

Sah man Ihnen das an?

Ja. Ich hatte 20 Kilo abgenommen, denn ich aß wenig und machte gleichzeitig sehr viel Ausdauersport. Da hatte ich zunächst das Gefühl, noch etwas leisten zu können. Doch am Schluss hatte der Sport gewisse Selbstbestrafungstendenzen.

Wie meinen Sie das?

Wer depressiv wird, der spürt kaum noch etwas. Sie können sich an nichts mehr erfreuen und sind völlig gleichgültig. Erfolge sind Ihnen egal, Misserfolge auch. Ich hatte das Gefühl, nichts mehr beeinflussen zu können, mein Leben zog an mir vorbei. Und um überhaupt noch etwas zu spüren, machte ich extrem viel Ausdauersport.

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