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Alles nur Aktionismus? „New-Work-Hypes verschlimmbessern die Arbeitswelt oft nur“

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„In der Selbstständigkeit lauern sehr viele Fallen, gerade keinen Good Job zu haben“

Was sind die größten Absurditäten, die Ihnen persönlich schon passiert sind?
Lysander Weiß: Mein Kollege erzählt gern, wie ihm in seiner Ausbildung bei einem großen Energieversorger gesagt wurde, er müsse lernen, langsamer zu arbeiten, weil er sonst nicht genug zu tun hätte. Ich selbst habe vor zwei Jahren noch erlebt, wie eine Führungskraft in einer Bank kommentierte, dass „man ja schließlich zum Arbeiten da sei und nicht zum Spaß haben“. Beispiele, die zeigen, wie aus Systemen Denkweisen werden, die schließlich so absurd sind, dass die Ziele dadurch verpasst werden. Denn natürlich wäre es nicht nur für mich, sondern auch für das Unternehmen besser, ich würde möglichst schnell arbeiten und dabei auch noch Spaß haben.

Und wie setzen Sie persönlich „gute Arbeit“ um?
Lucas Sauberschwarz: Wir leben das, was heutzutage New Work heißt, also Flexibilität, Mobilität, Arbeiten auf Augenhöhe, ja schon seit fast zehn Jahren. Wir haben alle schon bei verschiedensten Organisationen in unterschiedlichen Positionen und Rollen gearbeitet: Ich beispielsweise bei einem Beauty-Konzern, aber auch im Mittelstand sowie im Aufbau eines Start-ups – und jetzt eben als Geschäftsführer von Venture Idea mit meinen drei Partnern und Co-Autoren. Dabei ist Venture Idea das größte Experiment: Denn wir überlegen immer wieder aufs Neue: Wie muss unser Unternehmen ausgerichtet sein, um uns glücklich zu machen – und damit auch unseren Erfolg zu steigern. Dafür müssen auch wir die Regeln, die wir kennen, immer wieder infrage stellen.

Wie hat das bislang funktioniert?
Lucas Sauberschwarz: Venture Idea war von Anfang an als Experiment aufgesetzt, um die Gesetze der Arbeitswelt auszuhebeln und angeblich Widersprüchliches zusammenzubringen: Wir arbeiten beispielsweise alle an anderen Orten, vor allem, um Arbeit und Privatleben vereinbaren zu können. Aber auch hier gibt es kein Patentrezept: Ich habe zwei kleine Söhne und arbeite deshalb „Nine to Five“ in Düsseldorf – während Lysander Weiß der Liebe wegen in Paris lebt, Florian Lanzer gern vom Surfhostel aus arbeitet und Alexander Kornelsen sich im Zuge eines Projektes für einen Reisemobil-Anbieter zeitweise in einem VW Bully einquartiert.

Dies möglich zu machen ist jedoch kein Selbstläufer. In der Selbstständigkeit lauern sehr viele Fallen, gerade keinen Good Job zu haben – schließlich spricht man nicht umsonst von „selbst und ständig“. Und während eines Buchprojekts funktioniert die Nine-to-five-Regel dann auch nicht immer – wichtig ist aber, es immer wieder zu versuchen!

Sie und Ihre Partner und Mitautoren sind Unternehmensberater, Bestseller-Autoren, Wiwo-Award-Träger, Podcaster, Dozenten und Speaker, Partner und Väter – ist das auch New Work, dieses ständige Jonglieren?
Lucas Sauberschwarz: Das wirkt auf den ersten Blick ja tatsächlich eher überfordernd. Der Trick liegt jedoch darin, nicht möglichst viel zu machen, sondern alles, was einem wichtig ist, fokussiert anzugehen. Hier hat mich zum Beispiel das Buch „Big Five for Life“ von John Strelecky sehr inspiriert, das dazu anleitet, sich den großen Träumen im Leben zu widmen. Dabei setzte ich auch auf die in unserem Buch zitierte Methode von Shawn Anchor: sich jeden Abend drei Dinge bewusst machen, für die man dankbar ist. Das geht übrigens auch, wenn man (noch) keinen „Good Job“ hat.

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