Ansehen Aufsteiger in Unternehmen werden geachtet

Der Rang von Personen ist weniger entscheidend für ihr soziales Ansehen als der Weg dahin. Auf derselben Position wird dem Aufsteiger mehr zugetraut als dem Absteiger. Zumindest gilt das für Amerika, wie Experimente zeigen.

Wer in der Champions League am meisten verdient
Platz 15: FC Schalke 04 – 27,980 Millionen EuroDie Königsblauen gehören zwar nicht zu den Top 10 der Champions-League-Profiteure, doch 11,380 Millionen Euro TV-Einnahmen aus dem Markt-Pool sind eine ordentliche Summe. Die Gelder aus dem TV-Pool verteilt die Uefa an die Vereine und errechnet die Anteile aus der eigenen Marktbewertung des jeweiligen Landes. Wären die Schalker im Achtelfinale der Champions League nicht gegen Galatasaray Istanbul ausgeschieden, wären weitere Millionen drin gewesen. Quelle: dpa
Platz 14: Manchester City – 28,777 Millionen EuroDer Vorjahresmeister von der Insel hat in der Gruppenphase der Champions League auf ganzer Linie enttäuscht und schaffte als Letzter nicht einmal den Einzug in die Europa-League. Dafür kann sich die eingenommene Summe sogar sehen lassen. Hier haben vor allem die TV-Gelder den Ausschlag gegeben. Quelle: AP
Platz 13: FC Valencia – 30,005 Millionen EuroDie Spanier konnten sich im Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain nicht durchsetzen, haben aber den späteren Triple-Bayern in der Gruppenphase gewaltige Probleme bereitet. Quelle: dpa
Platz 12: FC Chelsea – 30,777 Millionen EuroWirklich schön war das nicht, was der Londoner Klub da im Finale der Europa League gegen spielstarke Lissaboner abgeliefert hat. Gereicht hat es am Schluss trotzdem – immerhin für den zweitwichtigsten Titel im europäischen Klub-Fußball. In der Champions League war aber schon in der Gruppenphase Schluss, es reichte nur zu einem dritten Platz. Sonst wären die Einnahmen höher ausgefallen. Quelle: REUTERS
Platz 11: FC Arsenal – 31,423 Millionen EuroKeiner hätte gedacht, dass der FC Schalke 04 den Gunners in der Gruppenphase der Champions League die Show stiehlt, aber so kam es und Arsenal musste sich im Achtelfinale mit den starken Bayern messen – vergeblich. Immerhin wahrte Poldis Klub im Rückspiel sein Gesicht und brachte die Münchener an den Rand einer Niederlage. Quelle: AP
Platz 10: FC Malaga – 32,107 Millionen EuroMalaga hätte DAS Überraschungsteam der vergangenen Champions-League-Saison werden können – wenn da nur nicht Felipe Santanas Fuß in der Nachspielzeit der Viertelfinales gewesen wäre, der den Ball zum entscheidenden 3:2 über die Linie drückte und für das Wunder von Dortmund sorgte. Aber selbst der Einzug in das Viertelfinale war mehr, als die meisten Beobachter dem Team im Vorfeld zugetraut hätten. Quelle: dpa
Platz 9: HSC Montpellier – 32,352 Millionen EuroDie Franzosen verabschiedeten sich in der vergangenen Saison relativ chancenlos mit zwei Punkten und zwölf Gegentoren aus der Champions League. Der Verteilungsschlüssel der UEFA hat aber dennoch für ordentliche Einnahmen gesorgt. Quelle: dpa

Tellerwäscher, die zum Millionär geworden sind, werden in freiheitlichen, kapitalistischen Gesellschaften zu Helden. In den USA ist das der kern des nationalen Selbstverständnisses, des "American Dream". Das öffentliche Ansehen wird nicht so sehr vom absoluten Status bestimmt, sondern von der Bewegung. Nicht der Sohn des reichen Vaters, sondern der erfolgreiche Sohn des armen Vaters ist das Ideal. Wer einen vierten Platz durch Aufstieg erreicht, wird höher geschätzt, als wer durch Abstieg von der Führungsposition dahin gelangt ist. Das gilt für Menschen innerhalb von Organisationen ebenso wie für Institutionen oder Produkte, wie der Ökonom Nathan Pettit von der New York University jetzt mit Experimenten bestätigen konnte, über die die Zeitschrift "Wirtschaftspsychologie Aktuell" berichtet.

Wie sich Rangänderungen aufs Prestige auswirkten, überprüften Pettit und seine Kollegen in fünf Untersuchungen, die sie unter der Überschrift "Aufsteigende Sterne und sinkende Schiffe" in der Fachzeitschrift "Psychological Science" veröffentlichen:

Im ersten Experiment untersuchten sie das Ansehen eines Mitarbeiters. Dafür sollten 269 Probanden einen Teammitarbeiter „Lee“ einschätzen, der im Mitarbeiterranking auf Platz 4 stand. Er wurde als sympathischer eingeschätzt, wenn er diesen Rangplatz durch Aufstieg (von Platz 6 auf 4) als durch Abstieg (von Platz 2 auf 4) erreicht hatte.

Im zweiten Experiment ging es um das Ansehen einer Universität. 103 befragte Teilnehmer fanden eine Universität besser, die durch Aufstieg als durch Abstieg auf Platz 11 einer Uni-Rangliste landete. Wieder war es so, dass nicht der absolute Rang bestimmte, wie viel Kompetenz der Uni zugetraut wurde, sondern die Dynamik innerhalb der Rangliste.

Im dritten Experiment zeigte sich, dass dieses Muster auch für leblose Waren gilt. 55 Teilnehmer bevorzugten eine Luxusuhr, die in einer fiktiven Leserumfrage den Rangplatz 4 durch Aufstieg erhielt, gegenüber einer anderen, die diesen Platz durch Abstieg einnahm. Für die Aufsteigeruhr waren die Teilnehmer eher bereit viel Geld zu bezahlen als für die Absteigeruhr.

Das wachsende Ansehen von Aufsteigern lässt auch ihre Glaubwürdigkeit steigen, wie das vierte Experiment zeigte: In einem Wissensspiel, in dem die 121 Teilnehmer das Geburtsdatum Mozarts angeben sollten, zeigte sich, dass die Probanden eher auf den Rat eines fiktiven Teampartners hörten, wenn dieser auf einer Rangliste den Status „Silver League“ durch Aufstieg statt durch Abstieg erreicht hatte.

In abgeschwächter Weise übertrugen die 248 Teilnehmer im fünften Experiment den Ansehensverlust durch Abstieg auch auf sich selbst. Wenn sie Platz 6 innerhalb eines 11-köpfigen Teams durch Abstieg statt durch Aufstieg erreicht hatten, schätzten sie die Auswirkungen nicht ganz so gravierend ein wie bei anderen Probanden, denen dasselbe widerfahren war.

In Arbeit
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Für eine extrem dynamische und antitraditionelle Gesellschaft wie die amerikanische überraschen diese Ergebnisse nicht. Es wäre interessant zu vergleichen, wie es um das Ansehen des Auf- oder Absteigers in statischeren Gesellschaften, zum Beispiel im Nahen Osten, oder konsensorientierten Ländern wie Japan bestellt ist. Universal übertragbar dürften die Experimente von Pettit wohl nicht sein.

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