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Arbeit in der Coronakrise Deutsche halten Zeit zur Rückkehr ins Büro für gekommen

In einer Umfrage von Stepstone gaben um die 80 Prozent an, eine Rückkehr zum Arbeitsplatz im Mai zu begrüßen. Quelle: dpa

Die Bundesregierung will den Shutdown schrittweise aufheben. Geht es nach Mitarbeitern und Führungskräften, sollte die Wirtschaft im Mai wieder hochfahren. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Stepstone.

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Geschlossene Geschäfte, leergefegte Straßen und ein großes Fragezeichen für die Zukunft – der Corona-Shutdown legt Deutschland seit über einem Monat lahm. Bei Arbeitnehmern und -gebern herrscht große Unsicherheit. Immerhin: Seit dieser Woche ist zumindest ein teilweises Ende der strengen Sicherheitsmaßnahmen in Sicht. Ab Montag dürfen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern wieder öffnen. Schrittweise soll das öffentliche Leben in Deutschland ab Anfang Mai neustarten. Wenn es nach Unternehmen und Mitarbeitern geht, ist dann auch die Zeit gekommen, die Wirtschaft wieder hochzufahren. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Jobvermittlungs-Portals Stepstone.

Von den rund 11.400 Befragten, darunter etwa 2000 Führungskräfte, gaben über 80 Prozent der Mitarbeiter an, dass sie gerne im Mai an ihren Arbeitsplatz zurückkehren würden. Für Tobias Zimmermann, Research Manager bei Stepstone, ist das eine kleine Überraschung: Mitarbeiter und Führungskräfte sind sich mal einig. „Wir sehen hier ein Maß an Übereinstimmung wie selten: Die Menschen möchten gerne an den Arbeitsplatz zurückzukehren, gleichzeitig begrüßen es die Unternehmen, wenn die Wirtschaft wieder hochfahren würde.“

Zimmermann sieht die Gründe dafür einerseits im Rückgang der Produktivität der Unternehmen. In der Umfrage gaben sie an, im Schnitt nur noch 60 Prozent ihrer Produktivität im Vergleich zu der Zeit vor der Coronakrise zu erreichen. Dazu ist die aktuelle Situation oftmals nicht mehr lange tragbar. 13 Prozent der Unternehmens-Chefs gaben in der Umfrage an, dass ihr Geschäftsbetrieb bereits Ende Mai gefährdet sei, bei 15 Prozent Ende Juni, sollte sich die Lage nicht ändern.

Doch auch der soziale Aspekt spiele eine wichtige Rolle. „Natürlich freuen sich viele Menschen nach dieser Zeit, wenn sie ihre Kollegen wiedersehen können“, so Zimmermann. Die Umfrage zeigt auch die Schattenseite des Homeoffice. 38 Prozent der Fachkräfte sehen wegen der Coronakrise die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes langfristig gefährdet, 35 Prozent fürchten finanzielle Probleme. Beinahe ein Viertel der Fachkräfte glauben, dass die Situation ihnen langfristig psychische Probleme bereitet. „Durch den mangelnden sozialen Kontakt zu den Kollegen, Herausforderungen wie der Kinderbetreuung und Singles, die allein leben, ist das für mich sehr nachvollziehbar“, sagt Zimmermann.

Arbeiten nach Maß

Trotz der wirtschaftlichen Risiken geht der Experte davon aus, dass sowohl bei Fachkräften als auch Führungspersonal ein gesundes Maß an Realismus herrscht. So wünschen sich etwa über 60 Prozent der Arbeitnehmer, dass es weiterhin die Möglichkeit des Homeoffice gibt, um die Gesundheit zu schützen. „Daran sehen wir: den Leuten ist klar, dass es nicht möglich sein wird, alle auf einen Schlag wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren zu lassen“, erläutert Zimmermann.

Ähnlich sieht das bei den Unternehmen aus. Über die Hälfte der teilnehmenden Chefs gab zwar an, dass es Pläne für die Rückkehr gebe oder diese zumindest in Arbeit seien. Allerdings glauben 51 Prozent, die Gesundheit der Mitarbeiter nur in Teilen garantieren zu können. Neben ausreichend Desinfektionsmittel und Einhalten von Hygienemaßnahmen spielen da vor allem die geltenden Abstandsregeln eine wichtige Rolle.

Flexibilisierung und Digitalisierung: Corona zeigt, wie es geht

Eine mögliche Lösung für Platzmangel im Büro: die Flexibilisierung des Arbeitsplatzes. Stepstone hat in vergangenen Umfragen schon oft gesehen, dass dieser Punkt Angestellten wichtig ist. Für Tobias Zimmermann hat die Coronakrise daher einen positiven Nebeneffekt: „Wir sehen vielfach, dass die Zusammenarbeit gut funktioniert trotz der sehr schnellen Umstellung auf das Homeoffice. Das ist ein Aspekt, den Arbeitgeber durchaus mitnehmen können.“ Auch die Digitalisierung hat es in den vergangenen Monaten wieder auf die Agenda geschafft.

Über 60 Prozent der Fachkräfte meinen, dass Unternehmen durch die aktuellen Erfahrungen mehr in die technische Infrastruktur investieren sollten. In den Führungsebenen unterstützen das 67 Prozent.
Nach Ansicht der Fach- und Führungskräfte beschäftigen die Folgen der Coronakrise die Arbeitswelt noch länger. Knapp die Hälfte der Arbeitnehmer rechnet damit, die Auswirkungen am Arbeitsplatz noch vier bis zwölf Monate zu spüren. 30 Prozent der Chefs erwarten, dass ihr Unternehmen drei bis sechs Monate braucht, um wieder den normalen monatlichen Umsatz zu erreichen. Knapp 20 Prozent planen dafür sogar bis zu ein Jahr ein.

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Die Coronakrise hat dafür gesorgt, dass aktuell viele Menschen im Homeoffice arbeiten müssen. Was Büros ändern müssen, bevor ihre Mitarbeiter zurückkehren können, lesen Sie hier.

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