Arbeitsleben Jeder Fünfte klagt über "Kultur der Angst"

Burnout und andere arbeitsbedingte psychische Probleme sind derzeit das große Thema der Personalberatungen. Ein Grund dafür: Den Arbeitnehmern steckt eine diffuse Angst tief in den Knochen, wie eine Umfrage zeigt.

Zehn kurze Wege zum Burn-Out
6. Das VeränderungsmodellDas besagt diese Theorie: Auftauen, verändern, wieder einfrieren - das ist das Motto dieser Theorie. Kurt Lewin vergleicht sein Modell mit einem Eiswürfel, den man in einen Eiskegel verwandelt. Nach seiner Argumentation motiviert man durch den dreistufigen Prozess die Menschen dazu, dass sie den Wandel wollen. So wenden Sie diese Theorie an: Seien Sie sich darüber im Klaren, welche Veränderungen Sie vornehmen wollen und warum sie nötig sind. Danach steht die Gewinnung von Unterstützung im Mittelpunkt. Dabei heißt es geschickt sein: Diejenigen, die für das Geld zuständig sind, wollen finanzielle Gewinne sehen. Die Personalabteilung dagegen fordert positive Auswirkungen auf die Mitarbeiter. Aber unterschätzen Sie nicht die Macht der Kollegen: Sie müssen die Vorteile der Veränderung verstehen - das ist entscheidend für den Erfolg. Quelle: dpa
Umfangreiche Aufgaben ganz klein machen Quelle: Fotolia
Ausbeuterischer Arbeitgeber Quelle: Fotolia
Konkurrenzkultur Quelle: Fotolia
Soziale Vereinsamung Quelle: Fotolia
Zu wenig Freizeitaktivität Quelle: dpa
Grenzenlose Arbeit Quelle: dpa

Die Zahl der Beschäftigten mit psychischen Problemen steigt in Deutschland kontinuierlich an - zumindest wenn man den Reports der Krankenkassen Glauben schenkt. Eine Umfrage der Personalberatung Rochus Mummert will jetzt einen Grund dafür gefunden haben. 20 Prozent der Beschäftigten in hiesigen Unternehmen fühlt sich einer „Kultur der Angst“ ausgesetzt. Eine Atmosphäre der allgemeinen Unsicherheit sei sogar in 40 Prozent der Firmen anzutreffen. Das sind Ergebnisse der Studie „Einfluss des HR-Managements auf den Unternehmenserfolg“. Dazu wurden Führungskräfte aus Personalabteilungen sowie 1.000 Arbeitnehmer bevölkerungsrepräsentativ befragt.

Defizite der Unternehmenskultur zeigten sich, so verkündet die Personalberatung, insbesondere im Umgang mit Fehlern: Fast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland gibt an, Angst davor zu haben, etwas falsch zu machen. Gleichzeitig fürchten 36 Prozent den Verlust ihres Arbeitsplatzes – trotz der konjunkturell robusten Lage. Und jeder Dritte scheut Konflikte mit den Vorgesetzten.

„Die Ergebnisse der beiden Befragungen haben uns in dieser Deutlichkeit überrascht und sollten den Unternehmen zu denken geben“, sagt Hans Schlipat, Studienleiter und Managing Partner der Rochus-Mummert-Gruppe. „In der Führungs- und Leistungskultur vieler Firmen zeigen sich große Schwächen, die nachhaltige Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg haben.“

So beobachten beispielsweise sechs von zehn befragten Arbeitnehmern Stresssymptome wie Reizbarkeit und Nervosität in ihrem beruflichen Umfeld. 35 Prozent berichten von „innerer Kündigung“, also der emotionalen Lösung der Angestellten von ihrer Firma. Auffällig auch: Die mangelhafte Fehlerkultur führe dazu, dass fast 30 Prozent „Angst vor der Angst“ haben. Jedem Sechsten droht daher, für Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch im Beruf anfällig zu sein. „In einem solchen Umfeld kann kein Unternehmen Bestleistungen von seinen Mitarbeitern erwarten“, sagt Schlipat.

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