Arbeitsmarkt An 4,4 Millionen geht der Boom vorbei

Steigende Umsätze und gute Laune bei den Unternehmen. Wenn nur der Fachkräftemangel nicht wäre. Weniger gute Stimmung dagegen bei den 4,4 Millionen Hartz-IV-Beziehern. Die brauchen immer länger, um einen Job zu finden.

Hartz-IV-Bezieher sind rund 21 Monate ohne Job. Quelle: dpa

Im April war noch alles gut: Regelmäßig befragt die internationale Personalberatung Michael Page Jobsucher, wie sie ihre Arbeitsmarktchancen einschätzen. "Sehr gut", sagten die. Besonders junge Deutsche waren sehr optimistisch: 53 Prozent sagten, dass sie weniger als drei Monate brauchen würden, um einen neuen Job zu finden. Bei den Bewerbern zwischen 30 und 59 Jahren sagten das noch 40 Prozent. Und auch bei den über-49-Jährigen gingen 38 Prozent davon aus, dass sie nicht länger als drei Monate auf Jobsuche sein werden.

Wer einen Job hat, macht den auch in der Regel gerne, wie eine aktuelle Umfrage der CreditPlus Bank zeigt. Demnach macht drei Viertel von ihnen ihr Beruf Spaß macht. Und jeder Vierte ist motiviert, Herausforderungen zu meistern und Ergebnisse zu produzieren, auf die er oder sie stolz sein kann.

Hartz IV-Bezieher sind im Schnitt 21 Monate ohne Job

Daneben gibt es aber eine ganze Menge Menschen, die wenig Grund zum Jubeln haben - etwas mehr als 4,4 Millionen sogar. So viele werden in diesem Jahr nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes auf Arbeitslosengeld II angewiesen sein. Und die tun sich immer schwerer damit, wieder einen Job zu finden. In der Gruppe der Arbeitsfähigen, die im vergangenen Jahr auf entsprechende staatliche Leistungen angewiesen waren, habe die Dauer der Arbeitslosigkeit im Schnitt bei 629 Tagen gelegen, meldet die „Passauer Neuen Presse“. Das sind 21 Monate.

Zehn Jahre Hartz IV: Arbeitslosigkeit damals und heute

Die Zeitung zitiert aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage von Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann. „Die Perspektivlosigkeit für Hartz-IV-Beziehende hat in den letzten Jahren zugenommen“, sagte die dem Blatt. 2011 war ein Hartz IV-Empfänger nämlich im Schnitt 74 Tage (oder 13,3 Prozent) weniger arbeitslos, also nur 18 Monate. Das Problem ist: Wer länger als ein Jahr aus dem Arbeitsmarkt draußen ist - aus welchen Gründen auch immer - tut sich mit dem Wiedereinstieg sehr schwer.

Seit 2010 seien jedoch die Leistungen zur Eingliederung in Arbeit drastisch gekürzt worden, so Zimmermann. Die Bundesregierung überlasse damit Millionen Menschen ihrem Schicksal. Für die sind die aktuellen Jubelzahlen - weil es so gut läuft, planen 85 Prozent der deutschen Unternehmen in diesem Jahr Gehaltserhöhungen für ihre Beschäftigten - natürlich ein Schlag ins Gesicht.

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