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Arbeitsmarkt "Es gibt keinen Fachkräftemangel"

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Deutschland verliert seine Arbeitskräfte ans Ausland

Die beliebtesten Arbeitgeber der Informatiker
Platz 20: Cisco4,7 Prozent Quelle: REUTERS
Platz 19: Oracle4,9 Prozent der Befragten Informatiker wünschen sich Oracle als Arbeitgeber. Quelle: REUTERS
Platz 18: DELL5,4 Prozent der Befragten Informatiker wünschen sich Dell als Arbeitgeber. Quelle: REUTERS
Platz 17: BND5,7 Prozent der Befragten Informatiker wünschen sich den Bundesnachrichtendienst als Arbeitgeber. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 16: Fraunhofer-Gesellschaft5,7 Prozent der Befragten Informatiker wünschen sich die Fraunhofer Gesellschaft als Arbeitgeber. Quelle: Presse
Platz 15: Volkswagen5,9 Prozent der Befragten Informatiker wünschen sich VW als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 14: Porsche6,1 Prozent der Befragten Informatiker wünschen sich Porsche als Arbeitgeber. Quelle: dpa

Die ländlichen Regionen verlieren ihre Arbeitskräfte also an die deutschen Großstädte, wie München, Frankfurt, Berlin und Hamburg.

Und nicht nur das. Deutschland verliert sie auch ans Ausland. In Kanada zum Beispiel sind 50 Prozent der hochqualifizierten Arbeitskräfte Ausländer. Da sind auch Deutsche dabei. Und die sind überdurchschnittlich gut qualifiziert, also teuer von Deutschland ausgebildet. Im Durchschnitt haben 15 Prozent aller Deutschen einen akademischen Abschluss. Von den deutschen Auswanderern verfügen aber 86 Prozent über einen akademischen Abschluss. Wir verlieren also die Crème de la Crème.

Die hier keinen gleichwertigen Job gefunden haben?

Nicht unbedingt. Im Ausland werden zwar häufig höhere Löhne gezahlt. Aber im Kern geht es meistens darum, dass sie sich von den deutschen Unternehmen nicht wertgeschätzt fühlen. Nur ein Beispiel: Viele Unternehmen lassen mehrere Wochen, vielleicht auch Monate verstreichen bis sie sich auf eine Bewerbung melden. Das ist unhöflich. Und genau dort liegt das Kernproblem.

Und zwar?

Eigentlich geht es bei gutem Personalmarketing immer um Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Freundlichkeit. Ist man als Unternehmen erstmal sichtbar geworden, rückt das Zwischenmenschliche in den Vordergrund. Sowohl Mitarbeiter als auch Bewerber wollen sich gut aufgehoben und ernst genommen fühlen. Das spricht sich rum.

Das scheint in Kanada ja schon ganz gut zu funktionieren. Was können wir von den Nordamerikanern noch lernen?

Die Willkommenskultur ist dort eine völlig andere. Die Einwanderer werden am Flughafen abgeholt. Willkommen ist auch, wer die englische Sprache noch lernen muss. Kanada investiert in die Einwanderer, deren Kinder zum Beispiel gut ausgebildet werden. In Deutschland müssen auch hochqualifizierte Ausländer regelrecht darum kämpfen, hier bleiben zu dürfen. 7000 Blue Cards seit 2012, von denen nur rund 3000 an neu zugewanderte Fachkräfte gingen, werden bei 42 Millionen Arbeitnehmern insgesamt in Deutschland als Erfolg gefeiert. Das ist lächerlich. Bei den Ausländerbehörden sprechen viele Angestellte nicht einmal Englisch, Informationsblätter werden auf Deutsch herausgegeben. Der Weg zur Arbeitserlaubnis kann Monate dauern.

Die beliebtesten Arbeitgeber der Ingenieure
Platz 20: Bosch Rexroth4,2 Prozent der Befragten Ingenieure wünschen sich Bosch Rexroth als Arbeitgeber. Quelle: Presse
Platz 19: Intel4,6 Prozent der Befragten Ingenieure wünschen sich Intel als Arbeitgeber. Quelle: REUTERS
Platz 18: E.On4,7 Prozent der Befragten Ingenieure wünschen sich E.On als Arbeitgeber. Quelle: dapd
Platz 17: BASF4,8 Prozent der Befragten Ingenieure wünschen sich BASF als Arbeitgeber. Quelle: dapd
Platz 16: RWE4,8 Prozent der Befragten Ingenieure wünschen sich RWE als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 15: MAN5,0 Prozent der Befragten Ingenieure wünschen sich MAN als Arbeitgeber. Quelle: AP
Platz 14: ThyssenKrupp5,1 Prozent der Befragten Ingenieure wünschen sich ThyssenKrupp als Arbeitgeber. Quelle: dpa

Hört sich nach Vorurteilen gegenüber deutschen Ämtern an.

Ich habe es schon dreimal am eigenen Leib erfahren. Für mein Unternehmen Younect, das IT-basierte Recruitinglösungen anbietet, habe ich bereits einen Rumänen, einen Serben und einen Nepalesen eingestellt. Jedes Mal gab es Probleme.

Zum Beispiel?

Im Oktober 2012 hatte ich einen rumänischen IT-Experten gefunden, der genau auf eine offene Stelle im Unternehmen passte, weil er spezielle Programmiersprachen beherrschte. Ich beantragte bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung die Arbeitserlaubnis für den Softwareentwickler. Eigentlich hätte es kein Problem sein dürfen, denn Akademiker aus Rumänien konnten damals schon formlos in feste Arbeitsverhältnisse eingestellt werden.

Aber?

Die Arbeitsagentur Berlin funkte dazwischen. Ich könne ihn nur einstellen, wenn es keinen geeigneten deutschen Bewerber gebe. Ich erklärte, dass es sich um sehr spezielle Qualifikationen handle. Dabei stellte sich heraus, dass der Mitarbeiter der Arbeitsagentur in seiner Datenbank überhaupt nicht nach diesen Fähigkeiten suchen konnte, sondern nur nach Softwareentwicklern allgemein.

Das tat er dann auch?

Genau, aber erst, als er aus seinem zweiwöchigen Urlaub zurückkam. Die von ihm vorgeschlagenen Kandidaten kannten die notwendigen Programme nicht einmal. Ich konnte schließlich doch den Rumänen einstellen. Allerdings mit zwei Monaten Verzögerung.

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