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Arbeitsmarkt in der Coronakrise Unternehmen suchen wieder mehr Personal

Suchen Unternehmen aktuell wieder mehr Personal? Eine Analyse von Stepstone liefert Anzeichen dafür. Quelle: dpa

Zu Beginn der Corona-Pandemie haben viele Unternehmen bei Neueinstellungen eine Vollbremsung hingelegt. Mit den Lockerungen könnte es nun bei den Jobangeboten wieder bergauf gehen.

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Nach der Schockstarre im Zuge der Coronakrise scheint sich der Arbeitsmarkt derzeit wieder zu erholen. Das geht aus einer Analyse des Online-Jobportals Stepstone hervor. Dazu sahen sich die Experten die Anzahl der Stellenausschreibungen an - und stellten fest: Die Unternehmen suchen wieder mehr Personal in Deutschland. Mit den beginnenden Lockerungsmaßnahmen steigen die Ausschreibungen auf Stepstone aktuell um etwa die Hälfte im Vergleich zu Mitte April.

In der Kalenderwoche 16, Mitte April dieses Jahres, lag die Zahl der angebotenen Stellen auf dem Portal noch deutlich niedriger. Damals annoncierten Firmen 55 Prozent weniger Stellen aus als vor der Krise in Kalenderwoche 2.

Für Forschungsleiterin Anastasia Hermann von Stepstone ist das kein Zufall: „Die steigenden Stellenausschreibungen hängen stark damit zusammen, dass Unternehmen verstanden haben, wie sich die Lage weiterentwickelt.“ Außerdem sei der Bedarf an Fachkräften bei vielen Unternehmen auch während der Coronakrise weiterhin vorhanden gewesen. „Sie nehmen gestoppte Programme nun wieder auf“, so Hermann.

Enzo Weber, Forschungsleiter in den Bereichen „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), denkt jedoch nicht, dass sich der Stellenmarkt bereits erholt hat. „Deutschland hängt noch tief in der Krise drin. Die Stellenausschreibungen steigen zwar wieder, sind im Vergleich zum Vor-Krisenniveau immer noch katastrophal.“ So werden auch die Arbeitslosenzahlen in den kommenden Monaten noch steigen, befürchtet der Experte. Im Mai stieg sie schon um 169.000 gegenüber dem April auf gut 2,8 Millionen Menschen.

Aufwind bei Ingenieuren

Die Personalsuche läuft von Branche zu Branche sehr unterschiedlich an. Vor allem für technische Berufe sowie in den Bereichen IT und Naturwissenschaften suchen Unternehmen verstärkt nach neuen Mitarbeitern. „Personen mit sehr guten technischen Kenntnissen sind Mangelware. Das ändert sich auch durch die Coronakrise nicht grundsätzlich. Insofern hängen Berufe aus diesen Branchen zwar in der Rezession, befinden sich aber immer noch in einer halbwegs normalen Situation“, sagt Weber.

Ganz anders sieht die Lage bei Stellenausschreibungen in der Gastronomie, dem Handel und dem Eventmarketing aus. Diese Branchen blieben noch weiter hinter ihrem üblichen Geschäft zurück. Daher werde dort auch kein weiteres Personal benötigt, so Weber. Diese Einschätzung deckt sich auch mit den Zahlen der Stepstone-Analyse.

Unterstützung für neue Jobs

Vor allem Unternehmen, die Konzerte, Kongresse und ähnliche Veranstaltungen organisieren, stehen vor einer ungewissen Zukunft. „Solange keine großen Events stattfinden dürfen, wird es dort auch keine Rekrutierungen geben. Wie lange Unternehmen aus diesen Branchen durchhalten können, wird auch stark von der weiteren politischen Unterstützung abhängen“, sagt Anastasia Hermann.

Bislang unterstützen die bisherigen Maßnahmen der Politik nur bestehende Jobs, kritisiert Enzo Weber. „Wir sollten neue Jobs finanziell fördern, etwa durch den Verzicht auf Sozialbeiträge für dieses Jahr“, fordert Weber. Denn dabei gehe es auch um die Chancen für Neueinsteiger auf dem Arbeitsmarkt. So hat die Vergangenheit schon gezeigt, dass Menschen, die in Krisen auf dem Arbeitsmarkt kommen, auch langfristig Nachteile haben.

Etwas mehr Hoffnung zeigt Anastasia Herman von Stepstone: „In der Vergangenheit haben solche Krisen dazu geführt, dass sich Branchen von innen heraus neu entwickelt haben. Ich habe die Hoffnung, dass sich manche Formate kleiner, regionaler und digitaler entwickeln.“ Ein mögliches Anzeichen für mehr Innovationsbereitschaft könnte eine aktuelle Umfrage von Stepstone unter Führungskräften liefern.

Dort gaben 68 Prozent der Befragten an, dass ihnen nach der Coronakrise Investitionen in die Mitarbeiterweiterbildung extrem wichtig seien. Für Hermann ein Indiz, dass die Führungsetagen verstanden haben, dass sie Arbeitsprozesse umstellen und neue Formen der Zusammenarbeit einführen müssen.

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Viele Studenten überlegen derzeit, noch ein paar Semester dranzuhängen – statt sich auf dem schwierigen Arbeitsmarkt zu versuchen. Schließlich entscheidet der Master über Einstiegsgehalt und Beförderungen. Warum auch der Bachelor Vorteile bringt, selbst in der Coronakrise, lesen Sie hier.

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