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Arbeitsmarkt So machen Sie Headhunter auf sich aufmerksam

Headhunter sind die Kuppler und Rosinenpicker auf dem Arbeitsmarkt. Quelle: imago images

Immer mehr Fachkräfte suchen nicht nach Jobs. Aber wie landet man auf dem Radar eines Personalberaters? Experten meinen: Xing und LinkedIn helfen, es geht aber auch ohne.

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Headhunter sind die Kuppler und Rosinenpicker auf dem Arbeitsmarkt. Sie bringen gezielt Unternehmen mit Fachkräften zusammen und geben Laufbahnen dabei nicht selten eine völlig neue Richtung. Denn sie umwerben auch Menschen, die gar nicht wussten, dass sie einen neuen Job suchen. „Ich hätte niemals einen Wechsel in Betracht gezogen, wenn Sie mich nicht angesprochen hätten“ – so etwas bekämen Headhunter häufig zu hören, berichtet Tabea Eckardt von der Agentur BiermannNeff Headhunters. Die Dienstleister erschließen Unternehmen damit einen Talente-Pool, der ansonsten kaum zugänglich gewesen wäre. Das macht Headhunter für Firmen immer beliebter und verleiht ihnen im Gegenzug die Kontrolle über einen immer größeren, exklusiven Stellenmarkt.

2019 wurden in Deutschland rund 75.000 Stellen mithilfe von Personalberatern besetzt, berichtet Wolfram Tröger, Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU). Etwa 2000 Headhunter-Firmen sind ihm zufolge hierzulande aktiv. Viele der von Personalberatern besetzten Jobs sind nie auf dem offenen Arbeitsmarkt aufgetaucht. „Manche Unternehmen entscheiden sich bewusst dafür, auf eine öffentliche Stellenausschreibung zu verzichten und einen Headhunter zu beauftragen“, erklärt Eckardt. Ein Grund könne Diskretion sein. Schließlich soll ein Abteilungsleiter nicht unbedingt erfahren, dass bereits seine Nachfolgerin gesucht wird.

Headhunter nehmen Firmen außerdem die Suche nach den besten Kandidaten ab und präsentieren sie dem Auftraggeber quasi auf dem Silbertablett. Das unterscheidet Personalberater laut Tröger grundsätzlich von Personalvermittlern. „Personalberater suchen nach den Besten und Geeignetsten für die vakante Position“, erklärt er. „Personalvermittler kümmern sich hingegen meist ausschließlich um die Recherche von Kandidatenprofilen aus firmeneigenen und öffentlich zugänglichen Datenbanken und stellen in kurzer Zeit sehr viele Lebensläufe von potenziellen Kandidaten zusammen. Ob diese überhaupt persönlich oder fachlich für die vakante Position geeignet sind, wird in der Regel nicht geprüft.“

So suchen Headhunter Talente

Für Jobsuchende kann der Kontakt zu einem Headhunter Gold wert sein. Im besten Fall wurde die Beziehung lange vor der aktiven Jobsuche aufgebaut und gepflegt. Gute Berater planen nämlich langfristig und bleiben am Ball. Ein Headhunter kann sich über Jahre hinweg regelmäßig mit Angeboten melden, stets eine Absage erhalten – und irgendwann wie gerufen kommen. Stellt sich nur die Frage: Wie schafft man es auf das Radar eines Headhunters?

Die Digitalisierung erleichtert auch hier beiden Seiten die Kontaktaufnahme. Bevor es berufliche Netzwerk-Plattformen wie Xing und LinkedIn gab, mussten Headhunter zunächst herausfinden, bei welchen Firmen es verborgene Talente geben könnte und viel herumtelefonieren, erklärt Eckardt. „Heute sind viele Informationen online abrufbar, zu denen man sonst schwer Zugang hätte.” Ein aktuelles, aussagekräftiges Online-Profil ist deshalb ein guter Weg, das Interesse eines Headhunters zu erregen. Der digitale Lebenslauf muss aber nicht nur für Menschen, sondern auch für Maschinen geschrieben sein. Denn die Gatekeeper der Gatekeeper sind immer häufiger Programme mit Künstlicher Intelligenz.

Headhunter setzen bei der Suche nach neuen Kontakten verstärkt auf die Hilfe von Algorithmen, um in Online-Netzwerken eine Vorauswahl zu treffen. „Solche Dienste werden heutzutage von allen fortschrittlichen Headhuntern genutzt”, meint Marius Luther, Gründer und Geschäftsführer von HeyJobs. Das Berliner Unternehmen sucht für Firmen mithilfe von KI nach passenden Mitarbeitern. Ein Fokus liegt dabei auf Kandidaten, die zwar wechselwillig, aber nicht auf Stellenbörsen unterwegs sind. „Die Ansprache von sogenannten passiven Kandidaten, die eben nicht aktiv nach Jobs suchen, ist unglaublich wichtig”, sagt Luther.

Lebenslauf für KI optimieren

Um sie zu finden, durchstöbert der Suchalgorithmus soziale Netzwerke nach Nutzern, die dem jeweiligen Jobprofil entsprechen. Für Kandidaten ohne Hochschulabschluss liegt der Fokus dabei auf Plattformen wie Facebook und Instagram, wo das Jobangebot dann als Anzeige im persönlichen Feed zu sehen ist. Akademiker werden laut dem HeyJobs-Chef hingegen in erster Linie über LinkedIn und Xing gesucht. Wer dort von Headhuntern gefunden werden möchte, muss deshalb zunächst in den Einstellungen angeben, dass man für Recruiter sichtbar sein möchte.



Entscheidend ist laut Luther zudem die Wortwahl. „Recruiter und automatisierte Bots nutzen beim Durchforsten der Profile Kriterien wie Art der Position (Führungskraft, Abteilungsleiter oder Teammitglied), Jahre der Berufserfahrung oder die Branche, um sich relevante Kandidaten anzeigen zu lassen”, erklärt er. Für jeden Job würden bestimmte Schlagwörter festgelegt. „Auch wenn es heutzutage immer mehr kreative Job-Titel gibt, sollten die wichtigen Schlagwörter hinzugenommen werden, wenn man gefunden werden möchte”, rät der Experte. „Wenn Sie zum Beispiel 'Chief Happiness Officer' sind, dann fügen Sie trotzdem 'Personal' hinzu.”

Tröger rät beim Headhunter-freundlichen Online-Auftritt: „Auf keinen Fall hochstapeln, keine Euphemismen bei Stellenbeschreibungen verwenden.” Um einen Personalberater neugierig zu machen, sei zudem ein roter Faden im Lebenslauf hilfreich. „In der Darstellung der Karriere sollte man sich auf die zeitlich und inhaltlich relevanten Stationen konzentrieren”, empfiehlt er. Wer in Medien und Fachblättern auftauche, habe ebenfalls eine Chance, als Experte auf dem Radar von Headhuntern zu landen. „Man muss nicht gleich Herausgeber eines Buches werden”, meint der Personalberater. Bereits ein kleiner Beitrag in einer Fachpublikation – ob allein oder als Co-Autor – könne einen Headhunter hellhörig werden lassen. Kluge und regelmäßige Wortmeldungen in Fachforen und Social-Media-Gruppen seien ebenfalls ein guter Weg, um auf sich aufmerksam zu machen.

Headhunter suchen offline

Es geht aber auch ohne ausgeprägte Online-Präsenz. „Sicherlich werden Personen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit gefunden, wenn sie auf Netzwerk-Plattformen präsent sind. Allerdings spielen auch Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk eine große Rolle“, unterstreicht Klaus Robert Biermann, Co-Geschäftsführer von BiermannNeff Headhunters.  Er spricht Kunden und Kandidaten direkt an, ob sie Fachkräfte mit Potenzial empfehlen können. Dabei kann es konkret um Bewerber für eine bestimmte Stelle gehen. Berater fragen aber auch gern ganz allgemein nach Menschen, die im Job einen positiven Eindruck hinterlassen haben. Professionalität in allen Lebenslagen zahlt sich aus, um einem Headhunter empfohlen zu werden. Nicht nur ehemalige Chefs oder Kollegen taugen hier zum Vermittler. Bereits eine interessante Unterhaltung auf einer Messe kann dafür sorgen, dass der Gesprächspartner die flüchtige Bekanntschaft beim Headhunter erwähnt. Biermann beruhigt weniger digital-affine Kandidaten: „Wer einfach einen guten Job macht, wird auch so von Headhuntern gefunden.“

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Wer das Interesse eines Headhunters erregen möchte, kann unter Umständen sogar selbst den ersten Schritt tun. Früher war es unüblich, sich direkt bei einem Personalberater zu bewerben. „Mittlerweile haben sich Headhunter aber immer mehr ihre eigenen Datenbanken und Netzwerke aufgebaut und sind daher auch offen für Initiativbewerbungen“, sagt Biermann. Dabei gehe es allerdings meist nicht sofort um konkrete Stellen: „Oft dient das erste Gespräch eher zur Standortbestimmung.“ Auch hier lohnt es sich also, früh aktiv zu werden. Es muss aber nicht zu spät sein, wenn die Kündigung bereits da ist. Kandidaten in einer Festanstellung seien für Headhunter nicht generell attraktiver, beruhigt Biermann.

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