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Arbeitsplätze Was Ihr Schreibtisch über Sie verrät

Fotos der Kinder, Glücksbringer und Pflanzen oder Tablet, Tasse und sonst nichts? Jeder Schreibtisch hat großen Symbolcharakter. Wie er sich im Laufe der Jahrhunderte verändert hat – und was er über den Besitzer verrät.

 Schreibtisch im Oval Office war ein Geschenk von Queen Victoria Quelle: REUTERS

Die Weltpolitik mag sich schnell ändern, aber der Ort, von dem sie mitunter gesteuert wird, ist schon seit Jahrzehnten derselbe: Der berühmteste Schreibtisch aller Zeiten, auch Resolute Desk genannt, steht im Oval Office. Seit 1880 saß jeder US-Präsident an diesem klobigen Tisch, der einst aus den Planken des britischen Polarforschungsschiffes HMS Resolute gezimmert wurde.

Was hat diese Arbeitsplatte seitdem nicht alles erlebt: Hier wurden Kriegserklärungen unterzeichnet, Freihandelsabkommen und Friedensverträge. Kaum ein Schreibtisch hat sich derart kollektiv ins Gedächtnis eingebrannt, kaum ein präsidialer Gegenstand verriet jemals so viel über seinen Besitzer. Franklin D. Roosevelt verdeckte die Verbindung zwischen den Tischbeinen mit einer Platte, damit Besucher nicht sofort seinen Rollstuhl sahen. John F. Kennedy ließ seinen Sohn John junior für die Fotografen medienwirksam unter dem Tisch hervorkrabbeln. Und Bill Clinton ... ach, lassen wir das.

Imposante Schreibtische sind kein Machtbeweis mehr

Früher galt eine einfache Regel: Je mächtiger die Person, desto größer und imposanter ihr Schreibtisch. Napoleon Bonaparte zum Beispiel plante seine Schlachten an einem drei Meter langen Tisch im Boulle-Stil, der standesgemäß mit Gold verziert war. Heute tendieren die meisten Amtsinhaber zu schnörkellosen Schreibtischen. Die Ausnahme bilden russische Präsidenten, afrikanische Diktatoren und deutsche Modeschöpfer wie Harald Glööckler, die sich mit reaktionären Insignien der Macht schmücken.

Harald Glööckler Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Napoleons Besucher durften sich angeblich nur bis zu einem speziellen Sessel nähern, der eineinhalb Meter vor der Tischplatte stand. Lange Zeit war der Schreibtisch gleichzeitig auch Hoheitsbereich: Noch heute wagt sich kaum jemand ungefragt hinter den Tisch seines Vorgesetzten – selbst bei guten Kollegen fühlt man sich wie ein Eindringling in die Privatsphäre. Denn noch wichtiger als Form und Größe ist traditionell die Anordnung auf der Platte.

Was sich darauf stapelt, spiegelt in der Regel die privaten Gedanken und Vorlieben des Besitzers. Und die sind nicht zwangsläufig für alle Augen gedacht. Bei dem einen tummeln sich Stift, Rechner und Telefon, bei dem anderen auch Familienfotos, Karten für Theaterstücke und Bewerbungen.

Ein Chaotischer Arbeitsplatz kann zum Karrierekiller werden

Der britische Bürodienstleister Regus wollte vor einigen Jahren von mehr als 24.000 Führungskräften in mehr als 80 Ländern wissen, was auf ihrem Schreibtisch steht. Weltweit dominieren demnach religiöse Ornamente und Glücksbringer. Ob man sie nach Feierabend oder zum Wochenende in die Schubladen räumt, hängt entweder von der Firmenphilosophie ab, vom eigenen Ordnungssinn – oder der natürlichen Schamgrenze.

Geordnetes Schreibtisch-Chaos und was es bringt
Schreibtisch mit einer Buddha-Figur Quelle: Fotolia
Eine Frau telefoniert im Büro Quelle: Fotolia
Eine Frau an einem chaotischen Schreibtisch Quelle: Fotolia
Eine liegende Kaffeetasse auf einer Tastatur Quelle: Fotolia
Schreibtisch in einem indischen Designstudio Quelle: Uta Brandes & Michael Erlhoff: My desk is my Castle
TaiwanAuch hier sorgt Chaos offenbar für Überblick. Der geordnete Chaostisch mit zahlreichen Klebezetteln gehört einer Bankangestellten in Taipeh. Quelle: Uta Brandes & Michael Erlhoff: My desk is my Castle
DeutschlandKaum noch Platz zum Arbeiten hat der Mann, der tagtäglich an diesem Schreibtisch seinen Dienst tut. Die Aktenstapel lassen es schon vermuten: Er arbeitet in der Verwaltung. Quelle: Uta Brandes & Michael Erlhoff: My desk is my Castle

In der Betriebspsychologie heißt es oft: Wer zu viel auf seinem Schreibtisch stapelt, hat auch sonst Probleme, die er nicht lösen kann. Laut einer repräsentativen Untersuchung der Büroartikelfirma Staples kann ein chaotischer Arbeitsplatz tatsächlich ein Karrierekiller sein.

Immerhin vier Fünftel aller befragten Geschäftsführer größerer Unternehmen in Deutschland sagten, dass sie einen direkten Zusammenhang zwischen Ordnung auf dem Schreibtisch und der Produktivität vermuten. Dahinter steckt ein Klischee: Wer seinen Arbeitsplatz vollmüllt, hat auch Unordnung im Kopf. Wenn sich auf dem Tisch Akten türmen und der Bildschirm von Merkzetteln zuwuchert, signalisiert das vor allem: Hier haust jemand, der weder strukturiert noch ehrgeizig ist.

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