Arbeitsplatz Ein Plädoyer fürs Home-Office

Sind Angestellte genauso fleißig, wenn sie von Zuhause arbeiten? Und ob. Eine Studie resümiert: Im Home-Office sind sie sogar noch produktiver.

Was auf Deutschlands Schreibtischen steht
So manches Büro erinnert mehr an ein zweites Wohnzimmer, als an einen Arbeitsplatz. Kein Wunder, verbringt doch der durchschnittliche Arbeitnehmer rund 1700 Stunden im Jahr an seinem Schreibtisch. Der Bürodienstleister Regus hat 20.000 Führungskräfte und Selbstständige aus über 80 Ländern befragt, was denn bei Ihnen auf den Schreibtischen liegt. Das Ergebnis: Neben der alltäglichen Visitenkarte findet auch die ein oder andere Kuriosität einen Platz im Büro. Quelle: Uta Brandes & Michael Erlhoff: My desk is my Castle
VisitenkartenKeine große Überraschung: In Deutschland haben die meisten Arbeitnehmer ihre eingesammelten Visitenkarten auf dem Schreibtisch liegen. Das gleiche Bild bei unseren holländischen Nachbarn. Doch auch in der Türkei und Japan werden die Kontaktkärtchen am häufigsten im Büro aufbewahrt. Quelle: Fotolia
Eine Bueste des Kaisers Hadrian (l.) aus der Villa Adriana in Tivoli und eine Skulptur zweier Hunde aus Latium Quelle: dapd
FamilienfotosAn amerikanischen Arbeitsplätzen zeigt sich vor allem der Familiensinn: Ob Kinder, Ehepartner oder die Eltern - in den USA lächeln besonders häufig die lieben Angehörigen von den Wänden herab. Auch in China, Algerien und Italien sind Familienfotos die beliebtesten Gute-Laune-Macher am Arbeitsplatz. Quelle: Fotolia
Ein Lottospieler fuellt am 13. Dez. 2004 einen Lottoschein aus. Quelle: AP
Selbstgemalte Bilder der KinderEin selbstgemaltes Bild des Sprösslings als Hingucker im Büro? Besonders beliebt sind die Werke der Bambini in Italien und der Schweiz. Dort belegen sie laut Umfrage jeweils den dritten Platz. Quelle: Fotolia
Swetlana Dick hält am Dienstag (13.12.2005) in ihrem Büro in Osnabrück ein Wörterbuch (Deutsch-Russisch) in der Hand Quelle: dpa/dpaweb

Wer seinen Mitarbeitern die Arbeit im Home-Office gestattet, braucht Souveränität. Der Chef muss darauf vertrauen, dass seine Angestellten dort tatsächlich arbeiten und nicht auf dem Sofa herumfläzen. Dieses Vertrauen fehlt vielen Führungskräften. Motto: Wer nicht im Büro ist, der arbeitet auch nicht.

Doch wahr ist auch: Die Angestellten zahlen dieses Vertrauen zurück. Sie sind im Home-Office sogar produktiver. Davon ist zumindest Nicholas Bloom überzeugt, Ökonomieprofessor an der Stanford-Universität. Für seine Studie kooperierte er mit dem chinesischen Reiseportal CTrip. Das Unternehmen gibt es seit 1999, es hat mittlerweile mehr als 16.000 Mitarbeiter und ist seit 2003 an der New Yorker Börse gelistet. Die Führungsebene des Konzerns interessierte eine Frage: Wäre es möglich, die Call-Center-Agenten in Schanghai im Home-Office arbeiten zu lassen – ohne Produktivitätseinbuße? Dabei gleichzeitig die Kosten für die Büromiete zu sparen? Und auch noch die Fluktuation zu senken?

Tipps für den Umgang mit Heimarbeitern

Um diese Fragen zu beantworten, teilte Bloom 249 Angestellte via Zufallsprinzip in zwei Gruppen. Die eine Hälfte sollte neun Monate lang im Home-Office arbeiten, und zwar an vier Arbeitstagen. Den fünften Tag sollten sie ganz normal im Büro verbringen. Die andere Hälfte ging jeden Tag ins Büro und diente als Kontrollgruppe. Das Ergebnis ist ein Plädoyer für das Home-Office.

Zum einen stieg die Leistung der Home-Office-Gruppe in den neun Monaten dramatisch – und zwar um 13 Prozent. Der Grund: Sie machten weniger Pausen, meldeten sich seltener krank und nahmen pro Minute mehr Telefonate an. Zum anderen machte ihnen die Arbeit auch mehr Spaß. Deshalb sank auch die Fluktuation, und zwar um 50 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe. Einziger Nachteil: Die Mitglieder der Home-Office-Gruppe wurden seltener befördert. Vermutlich deshalb, weil sie für ihre Führungskräfte weniger sichtbar waren.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Die Chefetage von CTrip ist von den Ergebnissen positiv überrascht – so sehr, dass sie die Option für das Home-Office nun firmenweit anbietet.

Interessant: Immerhin zwei Drittel der Kontrollgruppe zog es vor, weiter jeden Tag ins Büro zu kommen. Offenbar fürchteten sie, zuhause isoliert und bei Beförderungen übergangen zu werden. Auch aus der Versuchsgruppe entschieden sich einige, wieder täglich im Büro zu arbeiten. Vor allem jene, die im Home-Office unproduktiver waren.

Fazit: Führungskräfte sollten also keinesfalls jeden Angestellten ins Home-Office schicken – aber jedem Angestellten erlauben, auf Wunsch ins Home-Office zu gehen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%