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Arbeitswelt nach Corona „Hybrides Arbeiten ist sicherlich die anstrengendste Form“

Die Rückkehr in die Büros stellt Führungskräfte und Mitarbeiter vor ganz neue Herausforderungen. Welche Regeln es für die Zusammenarbeit in der Post-Corona-Ära geben sollte, erklärt Barbara Stöttinger, Arbeitsforscherin an der Wirtschaftsuniversität Wien.

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Barbara Stöttinger ist Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien und leitet die WU Executive Academy, die Business School der Hochschule.

WirtschaftsWoche: Frau Stöttinger, viele Menschen haben seit einem Jahr größtenteils im Homeoffice gearbeitet. Worin sehen Sie die größte Herausforderung, wenn die Büros jetzt wieder öffnen?
Barbara Stöttinger: Darin, dass die Unternehmen es schaffen, das beste aus beiden Welten zu vereinen. Das ist leichter gesagt als getan. Denn sie haben nicht viel Zeit, Pläne zu entwerfen, da sie ja auch das Tagesgeschäft am Laufen halten müssen.

Wie sollten Unternehmen jetzt vorgehen?
Ähnlich wie in anderen innovativen Feldern: Schnell erste Lösungen für die Zusammenarbeit von Büroarbeitern und Telearbeitern etablieren und dann schauen, was funktioniert und was nicht. Vieles wird noch länger unklar bleiben. Deshalb müssen Unternehmen sich davon verabschieden, jetzt schon die finale Lösung für hybrides Arbeiten zu finden.

Entsteht durch diese Form des Arbeitens nicht zwangsläufig eine Zweiklassengesellschaft zwischen den Arbeitnehmern vor Ort und denjenigen, die zu Hause arbeiten?
Hybrides Arbeiten ist sicherlich die anstrengendste Form der Zusammenarbeit. Ich kenne das auch aus der Lehre. Wenn nicht alle Studenten im Hörsaal vor Ort sind, müssen sich die Lehrenden sehr anstrengen, die anderen nicht zu verlieren. Die Anforderungen an alle Beteiligten werden komplexer.

Das müssen Sie erklären.
Sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte unterschätzen, wie viel weniger sichtbar die Angestellten sind, die nicht vor Ort sind. Das kann sich negativ auf die Verteilung von Vorzeigeprojekten, Leistungsbeurteilungen oder gar Beförderungen auswirken. Deshalb müssen Führungskräfte viel konsequenter nach vereinbarten Zielen führen, um die Leistung der Mitarbeiter auch gerecht zu beurteilen.

Was noch?
Die Unternehmen müssen neue Spielregeln etablieren, an die sich dann auch alle Beteiligten halten müssen. Etwa, wenn es um Besprechungen geht. 

Wie könnten solche Regeln aussehen?
Es könnte zum Beispiel festgelegt werden, dass bestimmte Besprechungen nur physisch abgehalten werden. Alle anderen würden weiterhin komplett online stattfinden.

Das bedeutet aber auch: Kollegen, die im gleichen Büro sitzen, wählen sich getrennt von einander in eine Online-Konferenz. 
Genau. So gilt das gleiche Recht für alle. Denn erfahrungsgemäß ist es für Zugeschaltete schwieriger, sich einzubringen, wenn alle anderen im gleichen Raum sitzen.

Für wen wird diese Umstellung am härtesten?
Ich denke für das mittlere Management. Die Führungskräfte hier sind auf der einen Seite mit den Wünschen der Mitarbeiter nach mehr Flexibilität und auf der anderen Seite mit den Erwartungen aus der Chefetage konfrontiert. Um Team- und Abteilungsleiter nicht zu überfordern, sollten Unternehmen deshalb zumindest Eckpunkte für das hybride Arbeiten festsetzen. Wie viel darf im Homeoffice gearbeitet werden? Wie sieht die technische Ausstattung für die Mitarbeiter aus? So entstehen auch zwischen den Abteilungen keine Neiddebatten, weil der eine Chef mehr zulässt als der andere.

Mehr zum Thema: In Zeiten von Homeoffice und Chatdiensten ist es schwierig, Unterbrechungen zu widerstehen. Neue Studien zeigen: Das ist gar nicht so schlimm. Ablenkungen können positive Effekte haben.

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