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Arbeitszeit Deutsche wollen mehr arbeiten

3,7 Millionen Deutsche würden gerne mehr arbeiten, meldet das Statistische Bundesamt. Darunter sind längst nicht nur Teilzeitbeschäftigte.

Willkommene Überstunden - Während viele Arbeitnehmer über die erdrückende Arbeitslast klagen, wünschen sich andere die Mehrarbeit. Quelle: dpa

„Gestern war ich schon wieder bis 22 Uhr im Büro. Das wird mir langsam zu viel“ oder „Eigentlich würde ich heute gerne mal früher gehen“, sind Sätze, die jeder schon mal von Kollegen gehört oder selbst in den Mund genommen hat. Aber wer hat seinen Chef schon mal gefragt, ob er heute länger bleiben kann? Dennoch wollen laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes 3,7 Millionen Deutsche mehr arbeiten als bisher. Sie würden gerne mit entsprechend höherem Verdienst ihre Wochenarbeitszeit aufstocken und könnten innerhalb der nächsten zwei Wochen damit beginnen, mehr Stunden als bisher zu arbeiten. Damit gelten sie als unterbeschäftigt.

Im Schnitt möchten die Betroffenen gerne 11,5 Stunden pro Woche draufpacken – Teilzeitbeschäftigte 15,5 Stunden, Vollzeitbeschäftigte 6,9 Stunden.

Deutsche leiden am meisten unter Arbeitslast
Fast jeder fünfte Deutsche (19 Prozent) empfindet seine Arbeitsbelastung als zu hoch, weitere 47 Prozent als „hoch“. Das ergab eine Studie der HR Partners Von Rundstedt in Düsseldorf. Quelle: dpa
Demnach sind in puncto Arbeitslast besonders Brasilianer und Spanier am wenigstens belastet. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Brasilianer empfinden die Arbeitsbelastung als normal oder niedrig, bei den Spaniern sind es immerhin 60 Prozent. Quelle: dpa
Am meisten unter der Arbeitsbelastung leiden nach den Deutschen laut der Studie die Schweizer (63 Prozent gaben an, einer zu hohen oder hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt zu sein) und die Franzosen (61 Prozent). Quelle: dpa
Im Mittelfeld der 16-Länder-Umfrage liegen Staaten wie China und Italien: Dort empfindet jeweils fast jeder Zweite (49 Prozent) die Arbeitsbelastung als hoch oder zu hoch, in Italien und Finnland sind es jeweils 48 Prozent. Quelle: dpa
Die meiste Arbeit nach Hause nehmen sich die Marokkaner und Chinesen mit. 57 Prozent (beziehungsweise 45 Prozent) der Befragten gaben an, oft Arbeit zu Hause zu erledigten, um Deadlines einzuhalten. In Deutschland sind liegt die Quote bei immerhin noch 28 Prozent. Quelle: dpa
Für die meisten Russen allerdings bleibt Arbeit Arbeit und Freizeit Freizeit. Nur 16 Prozent erledigen Arbeit zu Hause, um Fristen einzuhalten. In den meisten anderen Ländern trifft das auf etwa jeden Vierten zu (etwa Frankreich: 25 Prozent, USA: 27 Prozent, Schweiz sogar: 35 Prozent). Quelle: dpa
In den Interviews haben die Forscher auch die Zustimmung zu Statements im Bezug auf die Loyalität des Arbeitsnehmers zu seinem Unternehmen abgefragt. Der Aussage „Ich sage nie etwas Schlechtes über meine Firma zu anderen“, stimmen 68 Prozent der Deutschen zu und liegen damit im oberen Bereich. Quelle: obs

Das liebe Geld

Den Hauptgrund dafür sieht die Autorin der Studie Martina Rengers im höheren Verdienst. Die Menschen brauchen mehr Geld und sind bereit dafür auch länger zu arbeiten. Immerhin sind etwa 40 Prozent der Unterbeschäftigten in Teilzeit nur geringfügig beschäftigt, so dass ihnen das bisherige Gehalt anscheinend nicht ausreicht. Bei den Unterbeschäftigten in Vollzeit seien viele junge Väter vertreten, die ebenfalls etwas mehr Geld für ihre neugegründete Familie brauchen könnten. Der Wunsch nach Mehrarbeit wird also vielfach aus der Not heraus geboren.

In Arbeit
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Es gibt in Deutschland aber auch die andere Seite. Knapp eine Million Menschen möchten weniger arbeiten und sind bereit für mehr Freizeit eine niedrigere Bezahlung in Kauf zu nehmen. Sie sind überbeschäftigt. Durchschnittlich würden sie gerne 11,7 Stunden pro Woche weniger arbeiten.

Studienautorin Rengers hat die Arbeitszeitwünsche der Über- und Unterbeschäftigten miteinander verrechnet. Daraus ergibt sich ein ungenutztes Arbeitspotential von 31,6 Millionen Stunden pro Woche. In der Studie heißt es: „Diese ungenutzte Potential entspräche – rein rechnerisch – rund 790.000 Vollzeitstellen.“ Eine genauere Aufschlüsselung der Ergebnisse nach Bildungsabschluss oder Beruf liegt bislang nicht vor.

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