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Arbeitszeitmodelle Wie wir unsere Zeit wiederfinden

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Die Familienarbeitszeit als wichtiges Signal

Die Familienarbeitszeit stellt eine einkommensabhängige Lohnersatzleistung dar, wenn beide Partner Arbeitszeit reduzieren. Nach diesem Modell sollen Eltern für maximal drei Jahre ihre Arbeitszeit auf 80 Prozent reduzieren können und für einen Teil des entgangenen Gehalts eine Lohnersatzleistung bekommen, die sich am Nettoeinkommen der Eltern ausrichtet. Der Vorschlag sieht dabei vor, dass Eltern mit kleineren Einkommen prozentual mehr entschädigt werden als Eltern mit höheren Einkommen. Wenn der Partner – oder meistens die Partnerin –  vorher Teilzeit gearbeitet hat und ihre Arbeitszeit auf 32 Stunden erhöht, wirkt die staatliche Leistung als Bonus für die Arbeitszeiterhöhung. Das Modell macht das Elterngeld nicht überflüssig, sondern soll in Anschluss daran gezahlt werden.

Welche Arbeitszeitmodelle deutsche Unternehmen Familien anbieten

Das gewerkschaftsnahe Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat Wirkungen und Kosten des Modells vorgerechnet. Das DIW zieht eine positive Bilanz des Modells: "Die Kosten der Lohnersatzleistung wären mit bis zu 140 Millionen Euro pro Jahr zu Beginn relativ moderat", schreiben die Forscher. "Wenn sich die sozialen Normen langfristig ändern und mehr Familien das Modell nutzen, würden die Kosten zwar steigen, dann wäre aber auch viel für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erreicht".

Beruf



Erste Modelle sind ein gutes Signal

Darüber hinaus betonen sie: "Zudem würde sich das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland erhöhen, die Einkommen und Renten vieler Mütter würden steigen." Die Geschlechterperspektive ist in der Tat besonders interessant. In Analogie zur sogenannten "Gender Pay Gap", welche die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern in der Volkswirtschaft wiedergibt, kann man von einer "Gender Time Gap" sprechen. Frauen leisten im Verhältnis immer noch mehr Anteile an Hausarbeit und Kinder- und Pflegebetreuung als Männer. Bessere Arbeitszeitpolitik könnte somit auch einen Effekt für mehr Geschlechtergerechtigkeit erzeugen, weil sich die Männer bei günstigeren Arbeitszeiten dann nicht mehr herausreden könnten. Die Familienarbeitszeit schlägt auch hier in die richtige Kerbe.

Die Familienarbeitszeit ist allerdings nur ein mögliches Konzept für eine neue Arbeitszeitpolitik, auch wenn es bisher das Umfassendste ist, weil es zusätzlich die Geschlechtergerechtigkeit fördert.

Das Modell der Familienarbeitszeit ist ein Anfang für die Debatte um Arbeitszeit. Aber es ist höchste Zeit, sie ambitionierter zu führen. Denn die Bürger wollen hier Lösungen. Denn es wird keine Momo kommen, die die Zeit zurückbringt.

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