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Arbeitszeitmodelle Verkaufen Sie Ihren Urlaub!

Am Ende des Jahres ist noch Urlaub übrig? Arbeitnehmer in den USA können nicht genutzte freie Tage ihrer Firma verkaufen. Andersrum können sie auch zusätzlichen Urlaub gegen Gehalt tauschen. In Deutschland ist dieses Modell gänzlich unbekannt.

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In den USA können Arbeitnehmer Urlaubstage kaufen und verkaufen. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland lässt durchschnittlich drei Urlaubstage im Jahr ungenutzt. Das belegt eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2011. Besonders jüngere Beschäftigte verzichten demnach auch auf Urlaub - um ihrer Karriere Schub zu geben. Viele Unternehmen erlauben ihren Beschäftigten, den Resturlaub noch im neuen Jahr zu nehmen. Da aber auch in Vorjahren durchschnittlich bis zu 3,5 Resturlaubstage anfielen, geht Studienleiter Daniel Schnitzlein davon aus, dass die Beschäftigten zumindest einen Teil davon dem Arbeitgeber schenken.

Tauschhandel Freizeit gegen Geld

In den USA können Arbeitnehmer in einem solchen Fall den überschüssigen Urlaub ihrem Arbeitgeber verkaufen: Pro Urlaubstag, den sie nicht in Anspruch nehmen, gibt es am Monatsende Geld dazu. Wer also zweihundert Dollar pro Tag verdient und auf drei Tage Urlaub verzichtet, hat nachher 600 Dollar mehr auf dem Konto. Bei neun Prozent der US-Unternehmen ist dieses Verkaufen von Urlaubstagen ein akzeptiertes Arbeitszeitmodell. Andere Kollegen können diese Arbeitstage dann wiederum kaufen, indem sie auf das Gehalt verzichten, das sie in der Freizeit verdient hätten. So sollen die Arbeits- und Urlaubszeiten der Mitarbeiter flexibler werden.

Welche Arbeitszeitmodelle deutsche Unternehmen Familien anbieten

Bei der US-Bank USAA kauften vergangenes Jahr 41 Prozent des 25.000 Mitarbeiter Urlaubszeit hinzu, während elf Prozent ihre Freizeit gegen mehr Lohn eintauschten. Jeff Weiss, Vizepräsident des Unternehmens, steht dem Handel mit Urlaubstagen allerdings skeptisch gegenüber: "Wenn sich Angestellte freinehmen und erholen, arbeiten sie danach besser und sind freundlicher." Einige Arbeitgeber in den USA bieten ihren Angestellten allerdings auch einen regelrechten Tauschhandel an: Die Mitarbeiter verzichten auf Urlaubstage und bekommen dafür beispielsweise eine Arbeitsunfähigkeits- oder eine sonstige Versicherung bezahlt, wie die International Foundation of Employee Benefit Plans berichtet.

Rigide Arbeitszeiten in den USA

Ältere Mitarbeiter dürfen mehr Urlaub bekommen
Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz hat geurteilt, dass ältere Mitarbeiter durchaus mehr Jahresurlaub bekommen dürfen, als ihre jüngeren Kollegen. Im konkreten Fall ging es um einen 58-Jährigen, der zwei Tage mehr Urlaub als seine Kollegen unter dieser Altersgrenze bekam. Einer der jungen Kollegen fühlte sich benachteiligt und klagte - ohne Erfolg. Der Mehrurlaub solle sicherstellen, dass ältere Arbeitnehmer erwerbsfähig bleiben, heißt es in der Urteilsbegründung. Die Verlängerung des Jahresurlaubs sei ein bewährtes Mittel zum Schutz der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer, erläuterte das Gericht. Quelle: dpa
Einen ganzen Sommer auf Mallorca, was wäre das schön. Eine Umfrage des Job-Portals Monster und dem Meinungsforschungsinstitut YouGov zeigt: Die Mehrheit der Deutschen hält durchschnittlich 30 bezahlte Urlaubstage im Jahr für zu wenig. Besonders junge Arbeitnehmer befinden die Zahl der freien Tage für zu niedrig. 75 Prozent der 18- bis 34-Jährigen fordert mehr Urlaub. Dabei ist Deutschland bei der Zahl der Urlaubstage schon ganz vorne dabei im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Ein Überblick: Quelle: dpa
Auch in Dänemark gibt es im Schnitt 30 Tage Urlaub. Quelle der Zahlen: Statista.com Quelle: dpa
Ein Reisender geht an einem Plakat des Komitees "Ferieninitiative-nein" vorbei Quelle: dpa
In Italien gibt es im Durchschnitt 28 Tage bezahlten Urlaub. Quelle: dpa
A woman identified as "Frau Antje" is dressed in traditional Dutch costume selling tulips, the traditional flower of Holland, in front of the Nieuwe Kerk, New Church, in the center of Amsterdam Quelle: AP
Prähistorische Grabstätte - der rund 5000 Jahre alte Poulnabrone Dolmen in Irland Quelle: gms

"In Deutschland ist das eher noch ein Randthema", sagt Werner Eichhorst, Stellvertretender Direktor Arbeitsmarktpolitik am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Das private Forschungsinstitut betreibt nationale als auch internationale Arbeitsmarktforschung. Sein Kollege Mark Fallak bezeichnet das Modell zwar als "generell sinnvoll", aber auch ihm sei nicht bekannt, dass es in Deutschland einen derartigen Tauschhandel gäbe.

Das Problem in Deutschland ist, dass "er Urlaub in Deutschland durch Gesetz und Tarifverträge festgelegt und insofern auch als freie Zeit geschützt ist", sagt Christina Klenner von der Hans-Böckler-Stiftung. So steht im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG), Paragraph eins: "Jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub." Nach Paragraph drei, Absatz 1, stehen jedem Arbeitnehmer pro Jahr mindestens 24 Werktage Urlaub zu (bei einer Fünf-Tage-Woche nur 20 Tage), in der Regel geben die Unternehmen ihren Mitarbeitern jedoch sechs Wochen frei, also 30 Tage.

Das sieht in den USA schon ganz anders aus. Statt insgesamt 43 Urlaubs- und Feiertage wie die Deutschen, haben die Amerikaner im Jahr nur 25 freie Tage, davon sind 20 reine Urlaubstage. Oft wird eben auch erwartet, dass Angestellte nicht den ganzen Urlaub nehmen. Dafür können sie Krankentage ansparen, so genannte Sick leaves. Im Regelfall dürfen Arbeitnehmer nämlich nur eine gewisse Anzahl Tage krankheitsbedingt zu Hause bleiben. Wer nicht krank wird, kann die angesparten Tage bei vielen Firmen als Urlaubstage nutzen. In einem Land mit derart rigiden und langen Arbeitszeiten wie den USA seien solche Tauschereien durchaus ein Modell, was man diskutieren könne, meint Klenner von der Hans-Böckler-Stiftung.

Schlimmer geht immer – Wo noch mehr gearbeitet wird!

Ein weiteres Arbeitszeitmodell, was die Amerikaner praktizieren, ist die Paid Time Off oder Personal Time Off (PTO), bei der ein Angestellter anstatt zehn Urlaubs-, fünf Krank- und fünf Familientage bekommt, 20 Tage bezahlten Urlaub bekommt, die er nehmen kann, wofür und wann er will. In den USA bieten 52 Prozent der Arbeitgeber diese bezahlten Auszeitenstatt der sonst üblichen Trennung in vacation days, sick days und personal days an. In Deutschland undenkbar.

Flexibilität durch Arbeitszeitkonten

So machen die Deutschen am liebsten Urlaub
UrlaubskasseIhre Erholung ist den Deutschen einiges wert. So gab die Hälfte der Befragten in einer aktuellen Studie an, 2012 für ihren Urlaub bis zu 2000 Euro ausgegeben zu haben. Gut acht Prozent ließen es richtig krachen und gaben 5000 Euro und mehr aus. Quelle: Repräsentative Befragung des Onlineshopping-Portals mit Bonusprogramm "Webmiles" unter 1141 Nutzern Quelle: Fotolia
UrlaubsartDie beliebteste Reiseart ist nach wie vor der Individualurlaub. Den wählten 60 Prozent der Befragten. Pauschalreisen nutzen ein gutes Drittel. Wellnessurlaub liegt mit knapp 18 Prozent der Nennungen auf Platz drei – übrigens auch bei den Männern. Quelle: dpa
UrlaubsplanungGute Planung ist die halbe Erholung: 90 Prozent der Befragten wollen dieses Jahr Urlaub machen. Über 60 Prozent buchen den ein- bis zweiwöchigen Trip schon drei bis sechs Monate vorher. Männer nehmen sich übrigens häufiger als Frauen eine Auszeit von über drei Wochen. Quelle: dpa
UnterkünfteZelt, Wohnwagen und Wohnmobil waren nur für knapp 4 Prozent der Befragten die bevorzugte Unterkunft, knapp ein Drittel bucht am liebsten kleine bis mittlere Hotels, fast ein Fünftel mag große Hotelanlagen. Ferienwohnung stehen mit fast 24 Prozent noch höher im Kurs. Quelle: Fotolia
InformationssucheDie schönsten Strände, die coolsten Bars, die leckersten Restaurants: Vor der Reise nutzen 89 Prozent der Befragten das Internet, um sich über den nächsten Urlaub zu informieren. Frauen nutzen am liebsten Bewertungsportale wie z.B. Holiday Check oder Tripadvisor, bei Männern fällt die Wahl weniger klar aus, sie nutzen Suchmaschinen und Websites von Reiseanbietern in etwa demselben Umfang. Quelle: dpa
Reiseplanung über das Internet Über 80 Prozent haben bereits eine Reise oder einen Reisebestandteil wie Mietwagen oder Hotel übers Internet gebucht. Dabei stellen sich Damen ihre An-, Abreise und Hotels lieber individuell zusammen, Männer bevorzugen Pauschalreisen. Quelle: obs
BezahlungDie Kreditkarte ist mit über 55 % das beliebteste Zahlungsmittel bei Online-Buchungen. 30 Prozent nutzen aber auch noch die gute alte Überweisung. Quelle: dpa

"In Deutschland setzt man eher auf Arbeitszeitkonten", weiß Arbeitsmarktforscher Eichhorst. Und Klenner von der Hans-Böckler-Stiftung ergänzt: Viel Flexibilität ist in Deutschland auch durch verblockte Teilzeitmodelle möglich." Inzwischen hat jeder zweite Beschäftigte ein sogenanntes Arbeitszeitkonto, wie eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) belegt. Vor 20 Jahren habe das erst für 25 Prozent der westdeutschen Arbeiter und Angestellten gegolten und sogar nur für vier Prozent der Ostdeutschen Beschäftigten. Heute seien die Ost-West-Unterschiede verschwunden.

Nach Einschätzung der IAB-Arbeitsmarktforscherin Ines Zapf profitieren von Arbeitszeitkonten sowohl die Beschäftigten als auch die Betriebe. Die Beschäftigten gewännen durch Arbeitszeitkonten an Flexibilität und könnten so leichter Familie und Beruf vereinbaren. Betriebe wiederum würden mit diesem Instrument in die Lage versetzt, Auftragsspitzen ohne bezahlte Überstunden abzufeiern - eine Praxis, die in vielen deutschen Betrieben die Folgen der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise abgefedert hatte.

Was erfolgreiche Unternehmen für ihre Mitarbeiter tun

Bei einem Arbeitszeitkonto wird mittels Stechuhr beziehungsweise deren elektronischem Äquivalent die genaue Arbeitszeit inklusive Urlaub, Krankheit und Überstunden erfasst. Wer mehr gearbeitet hat, als im Vertrag vereinbart, kann die angehäufte Zeit abfeiern. Prinzipiell sollten die Konten ausgeglichen sein. Viele Betriebe legen jedoch Obergrenzen für Zeitguthaben und -defizite fest.

In Arbeit
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Die Zahl der bezahlten Überstunden ist dagegen nach Erkenntnissen der Arbeitsmarktforscher in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Während im Jahr 1991 noch jeder Beschäftigte im Durchschnitt 1,2 bezahlte Überstunden pro Woche geleistet habe, sei dieser Wert mittlerweile auf weniger als eine Stunde pro Woche gesunken. In der Wirtschaftskrise sei der Wert im Jahr 2009 sogar auf 0,7 Überstunden pro Woche und Beschäftigter abgerutscht. Wie viele Mitarbeiter unbezahlte Überstunden machen, können die Forscher vom IAB dagegen nicht ermitteln.

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