Arbeitszeitmonitor 2018 Chefs häufen zwei Jahre an Überstunden an

Überstunden: Führungskräfte leisten zwei Jahre Mehrarbeit Quelle: Getty Images

Wer arbeitet schon gern umsonst? Die Deutschen tun es trotzdem – und Chefs am meisten. Sie sammeln im Laufe ihres Berufslebens durchschnittlich mehr als 15.000 Überstunden an. Und die sind oft unbezahlt.

Die Präsentation, die dringend bis zum nächsten Tag fertig sein muss, im Anschluss doch noch schnell das nächste Projekt anstoßen und dann waren da diese wirklich dringenden E-Mails am Wochenende: Da kommt einiges zusammen. Genauer gesagt: 15.430 Stunden. So viele Überstunden leisten Führungskräfte im Laufe ihrer Karriere. Umgerechnet sind das fast zwei Jahre. Zu diesem Ergebnis kommt der „Arbeitszeitmonitor 2018“ der Hamburger Vergütungsanalysten von Compensation Partner, für den diese 226.452 Daten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auswerteten.

Etwas besser sieht das Ganze auf Ebene der Fachkräfte aus. Während ihres Berufslebens kommen sie im Schnitt auf 6562 Überstunden. Das ist zwar immer noch viel, aber immerhin weniger als die Hälfte im Vergleich zu den Chefs. Der Überblick zeigt: Für 37 Prozent der Beschäftigten sind bis zu fünf Überstunden in der Woche normal. 13 Prozent der Beschäftigten in Deutschland leisten zwischen sechs und zehn Überstunden pro Woche. 0,03 Prozent der Beschäftigten schultern gar mehr als 30 Überstunden.

Wenig überraschend ergibt sich im Gesamtblick ein Zusammenhang zwischen der Höhe des Gehalts und der geleisteten Mehrarbeit. 9,5 Überstunden pro Woche fallen bei denen an, die ein Bruttojahreseinkommen von 120.000 Euro und mehr beziehen. Liegt das Jahreseinkommen zwischen 51.000 und 60.000 Euro, kommen im Schnitt 3,5 Überstunden pro Woche zusammen. „Führungskräfte tragen viel Verantwortung für Personal und Budgets, wodurch sie nicht selten länger und auch an Wochenenden arbeiten“, erklärt Tim Böger, Geschäftsführer von Compensation Partner.

So viele Überstunden machen die Deutschen

Der Blick auf die verschiedenen Berufsgruppen offenbart, dass Unternehmensberater Spitzenreiter in Sachen Mehrarbeit sind. Auch in den Untersuchungen der vorangegangenen Jahre lagen sie stets vorne. Aktuell erbringen Beschäftigte in diesem Bereich demnach 5,11 Überstunden die Woche - und dabei erhalten fast Dreiviertel der Unternehmensberater keinen Ausgleich. Der hohen Arbeitsbelastung stünden gute Karrierechancen und ein überdurchschnittliches Einkommen entgegen, „das Überstunden kompensieren soll“, erläutert Böger.
Im Ranking folgen nahezu gleichauf die Konsum- und Gebrauchsgüterbranche mit durchschnittlich 4,33 und Logistik und Transport mit 4,23 Überstunden. Auf dem vierten Platz steht die Hotel- und Gaststättenbranche mit 4,07 wöchentlichen Überstunden.

Die Studie zeigt auch, dass die Überstunden häufig nicht vergütet oder mit einem Freizeitausgleich entschädigt werden. Während mehr als jeder zweite Berufstätige in Deutschland (54 Prozent) mehr arbeitet, als vertraglich vereinbart wurde, erhalten viele keinen Ausgleich dafür. Die Angaben zum Überstundenausgleich schwanken dabei stark, je nach Branche und Anzahl der Überstunden. Während beispielsweise 74 Prozent der Beschäftigten in der Beraterbranche angeben, keinen Ausgleich zu erhalten, sind es im Bereich Messebetreiber lediglich 49 Prozent. Bei bis zu fünf Überstunden pro Woche geben noch 55 Prozent an, einen Ausgleich zu erhalten. Bei über 30 Überstunden erhalten jedoch 63 Prozent keinen Überstundenausgleich mehr.

Zur Methodik: Die Untersuchung basiert auf 226.452 Vergütungsdaten aus den vergangenen 12 Monaten (Stand: Juni 2018), davon 90.120 Frauen und 136.332 Männer.
Mehr Details? Die gesamte Analyse können Sie bei Compensation Partner als PDF (ca. 922 KB) herunterladen.

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