Arbeitszufriedenheit Beruf als Berufung

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Berufliche Ambitionen

Arbeitnehmer sollten Spaß an ihrer Arbeit haben und lieben, was sie tun. Dann fällt der morgendliche Weg zur Arbeit auch viel leichter. Quelle: dpa

Denn wahre Verve kann nur die dritte Gruppe entwickeln: jene, die in ihrem Beruf gleichzeitig eine Berufung sieht. Die nicht primär für Geld oder eine Führungsposition schuftet – sondern weil sie die Arbeit im besten Sinne des Wortes erfüllt. Das klingt vielleicht nach esoterischem Gesäusel, aber es lässt sich nun mal nicht leugnen: Wer den Eindruck hat, einer Berufung nachzugehen, ist nicht nur glücklicher und zufriedener – sondern auch erfolgreicher.

Vielleicht wollen Sie das aber gar nicht, Erfolg haben. In Ordnung. Vielleicht haben Sie einfach andere Ziele und Pläne. Auch gut. Aber wir kommen damit zum zweiten Element der Leidenschaft: den Zielen.

Lern- und Leistungsziele

Mal eine Frage: Welche beruflichen Ambitionen haben Sie? Wollen Sie eine Sache beherrschen, weil Sie daran Spaß haben? Oder wollen Sie immer bloß besser sein als andere, womöglich weniger Fehler machen, bloß nicht unangenehm auffallen?

Nach Erkenntnis der US-Psychologen Andrew Elliot und Marcy Church gibt es zwei Arten von Zielen – sogenannte Lernziele und Leistungsziele. Wer zur ersten Kategorie gehört, will seine Fähigkeiten perfektionieren. Er geht in einer Sache völlig auf und freut sich darauf, immer besser zu werden. Er strebt nach Exzellenz.

Wer dagegen ausschließlich leistungsorientiert denkt, sieht sich in einem permanenten Wettkampf, er will besser sein als andere oder schlicht weniger Fehler machen. Sprich: Er vergleicht sich ständig mit Kollegen oder Vorgesetzten. Das hat dann mit Leidenschaft aber gar nichts mehr zu tun.

Zahlreiche Untersuchungen haben in den vergangenen Jahren gezeigt: Beschäftigte mit Lernzielen sind nicht nur zufriedener mit sich und ihrer Arbeit. Sie zeigen auch mehr Engagement. Oder anders formuliert: Sie sind leidenschaftlicher.

Übung macht den Meister

Hier gilt das alte Sprichwort: Erst Übung macht den Meister. Eine Binsenweisheit, klar. Aber sie deckt sich mit Erkenntnissen des amerikanischen Psychologen Anders Ericsson. Er gilt als einer der weltweit führenden Experten für die Erforschung von Exzellenz. Bei seinen Untersuchungen stellte er fest: Selbst die begabtesten Talente mussten lange üben, um internationale Wettbewerbe zu gewinnen – zehn Jahre, beziehungsweise mindestens 10 000 Stunden. Erst dann besaßen sie genug Expertise, um zur Weltspitze gehören zu können.

Allerdings reicht es nicht, stupide derselben Tätigkeit nachzugehen. Nur weil Sie morgens unter der Dusche jahrelang dasselbe Lied trällern, werden Sie noch lange kein Opernsänger. Wichtig ist vor allem: Sie müssen sich konstant steigern und permanent Feedback von anderen einholen – damit Sie Ihren Leistungsstand überprüfen.

Effekt der Überrechtfertigung

Klingt mühsam? Das ist es auch! Und natürlich garantiert Ihnen niemand, dass sich die 10 000 Stunden jemals lohnen. Manche schaffen es schneller, manche nie. Käme es nicht wenigstens auf einen Versuch an?

Die Voraussetzungen: Ausdauer, Willensstärke, Hartnäckigkeit. Solche Tugenden bringen Sie ein, wenn Sie einer Aufgabe nachgehen, die Sie wirklich mögen; einer Sache, für die Sie Leidenschaft empfinden. Sportler trainieren, Angestellte klotzen Überstunden. Weil sie für etwas brennen. Weil sie einen Sinn darin sehen.

Aber warum sind so viele Menschen leidenschaftslos? Eine Ursache dafür ist – das Geld. Es ermöglicht uns zwar, unser Leben zu finanzieren – doch es nimmt uns auch den Spaß an der Arbeit.

Psychologen nennen das den Effekt der Überrechtfertigung: Wenn wir für eine Tätigkeit Geld bekommen, lenken wir unsere Aufmerksamkeit zu sehr auf diese äußere Belohnung. Wir überbewerten die extrinsische Motivation und unterschätzen die intrinsische, also von innen kommende Motivation.

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