Arbeitszufriedenheit Jeder fünfte gibt seinem Job die Note 5

Der Deutsche Gewerkschaftbund hat über 3.400 Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen befragt, wie sie ihr Arbeitsverhältnis bewerten. Die Ergebnisse sollten den Unternehmen zu denken geben - und zwar bundesweit.

Ein Mann tippt in einem Büro auf einer Tastatur Quelle: dpa

Mit rund 17,6 Millionen Einwohnern ist Nordrhein-Westfalen das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland. Gut 8,93 Millionen davon sind Erwerbstätige, wie aus den Zahlen von Statista hervor geht. 3400 davon hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Nordrhein-Westfalen jetzt für den Index Gute Arbeit NRW befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Arbeitsplatz und -umfeld sind. Die Resultate sollten sich auch Arbeitgeber in Sachsen-Anhalt oder in Berlin zu Herzen nehmen, denn die Ergebnisse der Befragung in Nordrhein-Westfalen weichen nicht sehr stark vom Bundesdurchschnitt ab. Nur bei einzelnen Punkten klagen die Nordrhein-Westfalen lauter als der Rest der Republik.

"Es gibt etwa gleich viel Licht und Schatten in der NRW-Arbeitswelt", fasst Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB NRW, die Befragung zusammen. "45 Prozent der Befragten bewerten ihr Arbeitsverhältnis als gut oder im oberen Mittelfeld. Das klingt zunächst erfreulich, heißt aber im Umkehrschluss: 55 Prozent vergeben eine negative Bewertung. Sehr beunruhigen muss uns, dass jeder fünfte Beschäftigte seinen Arbeitsplatz als dezidiert schlecht bezeichnet."

Das sind die Ergebnisse der DGB-Studie "Index Gute Arbeit NRW 2015"

Besonders beklagten die Beschäftigten ein zu geringes Einkommen und fehlende Sicherheit bei der Rente, erläuterte Antonia Kühn, Abteilungsleiterin beim DGB NRW. Weit über die Hälfte der Befragten schätzten diese als zu niedrig ein. "Schlechte Noten bekommt auch die Arbeitsintensität. 71 Prozent empfinden sie als deutlich zu hoch." Wesentlich bessere Bewertungen bekämen dagegen die Kriterien Sinngehalt der Arbeit und Beschäftigungssicherheit. Der Index Gute Arbeit lässt auch einen Blick auf unterschiedliche Beschäftigtengruppen zu. "Unsere Befragung zeigt, dass die Arbeitsbedingungen von Frauen nach wie vor schlechter sind als die der Männer", sagte Kühn. So gäben nur 53 Prozent der Frauen an, von ihrem Einkommen gut leben zu können. Bei Männern seien es mit 63 Prozent immerhin 10 Prozent mehr. "Zudem beurteilen befristet Beschäftigte ihren Arbeitsplatz schlechter als Festangestellte."

So stellen Sie fest, ob die Arbeitsqualität stimmt

Einmal im Jahr befragt der DGB - bundesweit - Beschäftigte danach, wie sie ihre Arbeitsbedingungen bewerten: ob sie beispielsweise körperlich hart arbeiten müssen, ob das Betriebsklima gut ist, ob sie den Eindruck haben, dass sie sich in dem Betrieb weiterentwickeln können und ob sie ihrer Meinung nach angemessen entlohnt werden.

Die Kombination von Belastungen und Beanspruchungen wird für jede der 42 Einzelfragen anhand eines definierten Wertzuweisungssystems auf eine Punkteskala von 0 bis 100 übertragen, wobei 0 Punkte die negativste Ausprägung (sehr starke Beanspruchung, Fehlen der Ressource, starke Belastung) und 100 Punkte die positivste Bewertung (Vorhandensein der Ressourcen bzw. Absenz der Belastung) bildet. "Gute Arbeit" beginnt ab einem Punktwert von 80, unterhalb von 50 Punkten beginnt "schlechte Arbeit".

Der Index Gute Arbeit zeige, dass es noch viel Luft nach oben für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen gebe, erklärte Meyer-Lauber. "Viele Betriebe bieten ihren Arbeitnehmern eine vernünftige Qualität am Arbeitsplatz mit angemessenem Gehalt, geregelten Arbeitszeiten und unbefristeten Verträgen. Das sind meist die Unternehmen, die über einen hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad, starke Betriebsräte und gute Tarifverträge verfügen." Noch mehr Unternehmen wiesen allerdings keine guten Arbeitsbedingungen auf.

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