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Ausruhen ist wichtig Viele Arbeitnehmer machen zu wenig Pause

Höchstleistung bringt nur, wer auch Zeit zum Ausruhen hat. Die Pause ist wichtig für die Kreativität und gesetzlich klar geregelt.

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Am Arbeitsplatz Pause machen? Nicht wirklich sinnvoll, Experten raten für die Auszeit zum Tapetenwechsel. Quelle: dpa

Es ist ein Paradoxon der heutigen Arbeitswelt: Ratgeberbücher wie "Die Mañana-Kompetenz: Auch Powermenschen brauchen Pause" oder "Lob der Pause: Von der Vielfalt der Zeiten und der Poesie des Augenblicks" haben Hochkonjunktur. Auf der anderen Seit steht ein beschleunigter Arbeitsalltag, der ohnehin weniger Pausen zulässt. Und wenn die Mittagspause dann auch noch eher zum Netzwerken als zum Entspannen genutzt wird, bleiben Ruhe und Konzentration schnell auf der Strecke.

Dabei gibt es klare gesetzliche Regelungen. Jeder, der mehr als sechs Stunden täglich arbeitet, hat einen Anspruch auf 30 Minuten Pause, bei mehr als neun Stunden Arbeit steht noch einmal eine Viertelstunde mehr zur Verfügung sagt das Arbeitsgesetz. Das sind die Mindestvorgaben, auf die jeder Arbeitnehmer Anspruch hat.

Jedoch lässt mehr als jeder vierte Deutsche regelmäßig seine Pause ausfallen. Das zeigt der Stressreport Deutschland 2012, der von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin herausgegeben wird. Das Prekäre an der Lage: Beschäftigte, die ohnehin besonders viel arbeiten, verzichten am häufigsten auf eine Auszeit.

Dabei ist schon lange erwiesen, dass kurze Ruhephasen die Produktivität erheblich steigern, man sich ausgeglichener fühlt und Stress abgebaut wird. Ähnliches wie in der Trainingslehre beim Sport gilt auch im Arbeitsalltag: Aktivität ist eine wichtige Vorrausetzung um besser zu werden, die wirkliche Leistungssteigerung findet aber in den Ruhephasen statt. Das Prinzip sollte man sich auch am Arbeitsplatz zu Herzen nehmen. Frei nach dem Motto: Ich mach keine Pause, ich arbeite nur unterbewusst, könnten so auch echte Workaholics der Pause einen Nutzen abgewinnen. Doch wie nutzt man seine Pause am besten?

Das ist nicht pauschal zu beantworten und kommt auf die Person an. Der eine kann bei einem kurzen Nickerchen am besten entspannen, die andere nutzt die Mittagspause zum gemeinsamen Essen mit den Kollegen und empfindet das als Erholung. Eines kann man jedoch pauschal sagen: Die Pause sollte nicht am Arbeitsplatz verbracht werden. Räumliche Trennung von der Arbeit schafft auch im Kopf Abstand und sorgt dafür, dass man sich erholt.

Pausen müssen genommen werden

In welchen Firmen Burnout oft auftritt
K+S Quelle: dpa
K+S Quelle: dpa
Daimler & BMW Quelle: dapd
Bayer, RWE und SAPSehr nah beieinander liegen auch die Zahlen von Bayer, RWE und SAP. Beim Pharmakonzern aus Leverkusen erkranken bis zu 2000 Mitarbeiter pro Jahr, das sind 5,6 Prozent der 35.800 Beschäftigten. Beim Energielieferanten RWE sind pro Jahr bis zu 2400 der 41.632 Mitarbeiter betroffen. Das sind knapp 5,8 Prozent, also fast jeder 17. Im Hause SAP fallen zwischen 700 und 1000 Angestellte dem Stress zum Opfer. Das entspricht im schlimmsten Falle jedem 16. der 16 011 Angestellten. Quelle: dpa
Commerzbank, Metro, Deutsche Telekom und InfineonErhöhte Belastung in Sachen Stress auch bei der Commerzbank. Jedes Jahr erkranken hier zwischen 2300 und 3200 Mitarbeiter von 44.474 Mitarbeitern, etwa 7,2 Prozent der Belegschaft. Fast das gleiche Risiko gilt auch für Mitarbeiter bei Metro. Das Handelsunternehmen vermeldet bis zu 6 600 Burnout-Fälle bei 91.189. Auch hier erkrankt annähernd jeder 14. Bei der Telekom sind es zwischen 3800 und 8 900 Erkrankungen im Jahr. Bei einer Belegschaft von 121 564 Arbeitnehmern entspricht das gut 7,3 Prozent. Beim Chiphersteller Infineon ergab die Schätzung, dass höchstens 600 der 7.926 jährlich unter einem Burnout leiden. Quelle: dpa
Deutsche BankDer Finanzsektor scheint nicht so oft betroffen, wie man zunächst denkt. Für die Deutsche Bank ermittelten die Experten, dass im Jahr bei etwa 1900 von insgesamt 24.801 Mitarbeitern (ohne Postbank und Sal. Oppenheim) ein Burnout diagnostiziert wurde. Es erkrankt demnach jeder 13. Angestellte. Quelle: dapd
Siemens Quelle: dapd

Wann man die Pause allerdings nimmt, darf der Chef entscheiden. Auch kann er entscheiden, ob die Pause durchgängig oder in Teilen von je höchstens 15 Minuten genommen wird. Das klingt zunächst nach einer möglichen Schikane, jedoch sind oftmals kurze Pausen am erholsamsten. "Viele kleine Pausen sind besser als eine große", erklärte der Psychologe Johannes Wendsche gegenüber der "Zeit". Selbst Kurzpausen ab einer Minute können schon einen positiven Effekt haben. Hingegen können zu lange Pause das Gegenteil bewirken, da man sich nur schwer wieder in der Arbeit einfindet. Arbeitgeber sind übrigens nicht nur zu der Gewährung von Pausen verpflichtet, sie müssen auch darauf achten, dass ihre Mitarbeiter die Pausen auch nehmen.

Einige Unternehmen haben verstanden, dass ausgeruhte Mitarbeiter auf Dauer mehr leisten. Deshalb schaffen sie sogar Anreize zur Pause. So bietet der Rückversicherer Munich Re seinen Mitarbeitern in der Münchner Kantine ein kostenloses Mittagessen an, Youtube lässt seine Mitarbeiter in der Mittagspause auf dem hauseigenen Green golfen und die US-amerikanische Kleidungsmarke Comvert hat in ihrem Firmensitz das Obergeschoss zum Skatepark umgebaut.

In Arbeit
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Doch auch ohne große Investitionen kann man sinnvoll seine Pause gestalteen. Programme wie Workrave zeigen, wie das gehen kann. Die Software weißt den Benutzer mittels eines kleinen eingeblendeten Schafs regelmäßig auf die nächste Pause hin und gibt Tipps für Entspannungsübungen. Wem das zu technisch ist, der sollte zur Erholung Abwechslung schaffen. Wer körperlich hart Arbeit hat, sollte sich hinsetzen, Beschäftige mit wenig Bewegung am Arbeitsplatz sollten ihre Pause hingegen für einen kleinen Spaziergang nutzen.

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