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Azubi-Recruitingtrends So machen Sie Ihre Azubis glücklich

Exklusiv

Wer macht heute noch eine Ausbildung? Immerhin etwas mehr als 500.000 Jugendliche im Jahr. Und die haben ganz genaue Vorstellungen davon, wie ihr Ausbildungsbetrieb sein muss. Wenn das jetzt noch die Ausbilder wüssten.

Das verdienen Sie in den beliebtesten Ausbildungsberufen
Platz 10: ZahnarzthelferTrotz geringer Bezahlung ist dieser Beruf vor allem beim weiblichen Geschlecht beliebt: 2015 absolvierten 12.096 Frauen in Deutschland ihre Ausbildung als Zahnmedizinische Fachangestellte. Das geht aus den Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor. Damit rangiert dieser Ausbildungsberuf bei den Frauen auf Platz 5, bei den Männern hingegen nur auf Platz 156. Die Bezahlung im Bundesschnitt liegt bei 1773 Euro. Es gibt nach wie vor ein starkes Ost-West-Gefälle. Diesen Unterschied gibt es in sehr vielen Berufen. Die Bundesagentur für Arbeit hat in einer Datenbank die Gehälter der verschiedensten Berufsgruppen – unterteilt nach Geschlecht und Region – aufgelistet. Das Besondere: Die Daten sind mit der Sozialversicherung abgeglichen und nicht aus Umfragen generiert worden. Deswegen sie die dort angegebenen Gehälter recht zuverlässige Angaben. Wer also in die nächste Gehaltsverhandlung geht, sollte vorher nachsehen, was er eventuell so verlangen kann. Quelle: Bundesagentur für Arbeit Quelle: dpa
Platz 9: EinzelhandelskaufmannOb Sportartikel, Küchenwaren oder Bürowirtschaft: Die Bezahlung im Einzelhandel hängt vor allem von der Branche ab. Ein „Kaufmann im Einzelhandel für Diät- und Reformwaren und Lebensmittel“ beispielsweise kann im Schnitt eine Bezahlung von 1975 Euro erwarten, jemand für den Fachbereich Sportartikel 2080 Euro und ein Drogerist 2151 Euro. Quelle: dpa
Platz 8: ArzthelferAuffällig ist, dass sich die unterschiedliche Bezahlung zwischen den Geschlechtern in quasi allen Berufsgruppen bemerkbar macht. Die Gehälter zwischen Arzthelferin oder Arzthelfer klaffen weit auseinander: Während Männer 2290 Euro verdienen, bekommen Frauen gerade einmal 2033 Euro. Im Median – dem statistischen Mittelwert – verdient man als sogenannter Medizinischer Fachangestellter 2035 Euro. Quelle: AP
Platz 7: VerkäuferOb Bürobedarf, Drogeriewaren oder Kosmetik: Wie im kaufmännischen Einzelhandel hängt auch das Gehalt von Verkäufern davon ab, in welcher Fachrichtung der- oder diejenige tätig ist. Ein „Fachverkäufer von Nahrungsmitteln“, wie die exakte Berufsbezeichnung lautet, verdient durchschnittlich 2044 Euro. Auch hier hängt die Bezahlung vom Geschlecht ab: Männer können mit 2427 Euro rechnen, Frauen mit nur 1897 Euro. Quelle: dpa
Platz 6: KraftfahrzeugmechatronikerDieser Ausbildungsberuf ist überwiegend bei jungen Männern gefragt. Sobald sie ihre Lehre beendet haben, können sie mit 2691 Euro Gehalt rechnen. Frauen verdienen mit 2633 Euro auch hier weniger, wenn auch nur geringfügig. Im bundesdeutschen Durchschnitt liegt die Bezahlung bei 2689 Euro. Quelle: dpa
Platz 5: AußenhandelskaufmannDie Bezahlung für Kaufleute im Groß- und Außenhandel hingegen ist deutlich höher als für solche im Einzelhandel: Sie verdienen im Schnitt 2824 Euro. Natürlich variiert das Gehalt auch hier von Region zu Region: Während in den ostdeutschen Ländern tendenziell weniger gezahlt wird (Beispiel Sachsen: 2218 Euro), ist die Bezahlung im Westen, Süden und Norden wesentlich höher (Beispiel Hamburg: 3312 Euro). Quelle: dpa
Platz 4: BürokaufmannDer Klassiker: Viele Schulabsolventen – vor allem junge Frauen – entscheiden sich immer wieder für eine Ausbildung zum Kaufmann bzw. -frau für Büromanagement. 28.977 Neuabschlüsse zählte das Bundesinstitut für Berufsbildung 2015. Fertige Bürokaufleute verdienen im Schnitt 2920 Euro. Junge Männer liegen dabei mit 3527 Euro etwas höher als Frauen mit 2735 Euro. Quelle: dpa

2015 blieben so viele Ausbildungsplätze in Deutschland unbesetzt wie nie zuvor. Dafür gibt es zwei Gründe:

  1. Wer lesen, schreiben und rechnen kann, will und soll studieren – die duale Ausbildung büßt gegenüber dem Studium seit Jahren an Attraktivität ein.
  2. Unternehmen und potentielle Azubis finden nicht zusammen.

Gegen den gesellschaftlichen Trend, Punkt 1, ist der einzelne Betrieb ziemlich machtlos, gegen den zweiten Punkt lässt sich etwas tun. Dass Unternehmen zwar Lehrlinge suchen, aber keine finden und trotzdem Jugendliche ohne Ausbildungsplatz in Aussicht die Schule verlassen, liegt auch an den Unternehmen selbst. Und daran, dass sie den Nachwuchs nicht so gut kennen, wie sie glauben.

Wie Azubis über die Berufsausbildung denken

Das zumindest legt die Studie "Azubi-Recruiting Trends 2016" nahe. Für die jährlich Untersuchung befragt u-form Testsysteme, ein Partner der Industrie- und Handelskammern, zusammen mit der Hochschule Koblenz und der Berufsorientierungsplattform blicksta mehrere tausend Auszubildende und angehende Lehrlinge nach ihren Erwartungen. Außerdem werden die Ausbildungsverantwortlichen befragt, wie sie ihre Lehrlinge einschätzen und was sie glauben, was dem Nachwuchs wichtig ist. 2016 nahmen 3.343 Azubi-Bewerber und Auszubildende sowie 1295 Ausbildungsverantwortliche teil.

Aus den Antworten lässt sich ableiten, was Azubis von ihrem Arbeitgeber erwarten und wie Unternehmen und Nachwuchs besser zueinander finden. Die gute Nachricht: Die Jugendlichen, die bereits einen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben, sind mit ihrer Lehre sehr zufrieden. "Die meisten wissen gar nicht, wie vorteilhaft eine Ausbildung gegenüber einem direkt-nach-der-Schule-Studium ist. Mehr Erfahrung für das spätere Berufsleben sammelt man nirgendwo", sagt einer der Befragten. Trotzdem konnten letztes Jahr 40,2 Prozent der rund 1.300 befragten Ausbildungsbetriebe nicht alle Lehrstellen besetzen. Damit sich das in Zukunft ändert, sollten Unternehmen wissen, was angehende Azubis wollen:

1. Schnupperpraktika und Einstellungstests

In der Vergangenheit beklagten viele Betriebe, dass sich bei ihnen zwar Jugendliche für einen Ausbildungsplatz bewerben, diese aber – überspitzt gesagt – weder lesen noch schreiben könnten. Die Studie "Azubi-Recruiting Trends 2016" hat sich entsprechend mit den Noten und Qualifikation befasst.

Dabei zeigt sich, dass bei den Unternehmen die Skepsis gegenüber der Aussagekraft von Schulnoten wächst. Rund 53 Prozent der Ausbilder glauben, dass die Zeugnisnoten viel mit der Herkunft zu tun haben und wenig mit Leistungen. 47,6 Prozent machen regelmäßig die Erfahrung, dass die Schulnoten schlechter sind als die „tatsächliche Leistungsfähigkeit der Bewerber“.

Entsprechend können sich Betriebe bei der Azubisuche einen großen Gefallen tun, wenn sie statt auf die Mathenote auf die tatsächliche Eignung schauen. Das sagen auch die befragten Jugendlichen. 59,5 Prozent sind dafür, vom bevorzugten Ausbildungsbetrieb auf ihre Eignung hin überprüft zu werden, anstatt wegen einer Vier in Geschichte von vorneherein aussortiert zu werden. Und 88,6 Prozent der Azubis fänden es gut, wenn die Ausbildungsbetriebe neben den reinen Fähigkeiten auch Persönlichkeitsaspekte testen würden. Dafür braucht es kein teures Testverfahren. Ein Praktikum oder die Möglichkeit, Probe zu arbeiten, kann sicherlich beiden Seiten zeigen, ob es fachlich und menschlich passt.

2. Die richtige Ansprache

Bei der Azubisuche hilft es, wenn man die Zielgruppe kennt. Doch gerade bei den angehenden Fachkräften haben die Betriebe offenbar keine genauen Vorstellungen, wie die angehenden Lehrlinge ticken und was sie von einer Ausbildung und einem Ausbildungsbetrieb erwarten. Das geht schon beim Werben um die angehenden Fachkräfte los. Denn von den wenigsten der gut 300 in Deutschland existierenden Lehrberufen haben Jugendliche eine konkrete Vorstellung.

Wer also in Schulen oder auf Azubimessen anschaulich darstellen kann, wie der Beruf in der Praxis aussieht und wie er im eigenen Unternehmen gelebt wird, der betreibt nicht nur Aufklärungsarbeit, sondern kann auch Bewerber gewinnen. Die übliche Zahlendarstellung – Unternehmensgröße, Umsatz, Mitarbeiter – ist dafür allerdings völlig unerheblich.

Stattdessen sollte lieber der hauseigene Maurerlehrling vorführen, wie er am Computer ein komplexes Muster programmiert und es anschließend mit Mörtel und Stein in die Tat umsetzt. Um Jugendliche zu begeistern, braucht es keinen stundenlangen Fachvortrag, sondern kurze, anschauliche Praxisbeispiele und Ansprechpartner aus dem Unternehmen, die zeigen und erzählen, wie ihr Berufsalltag aussieht.

Darüber hinaus können erfolgreiche Karriereverläufe ehemaliger Auszubildende von Beginn der Lehre bis zum eigenen Meisterbetrieb besonders plastisch darstellen, warum nicht nur ein Studium zum Erfolg führen kann. Wer dann noch eine Checkliste mitbringt, was angehende Azubis unbedingt können müssen, um erfolgreich eine Lehre zu absolvieren, bewahrt sich und die Jugendlichen vor Enttäuschungen. Denn die Inhalte der Stellenausschreibungen für Ausbildungsplätze verraten in der Regel nicht, ob ein Beruf zu den eigenen Fähigkeiten passt.

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