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Bahnchaos nach „Friederike“ „Wer viel pendelt, ist erschöpfter und reizbarer“

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Was gegen den Stress hilft

Welche Bedingungen sind das?
Ein Faktor ist die Dauer des Unterwegsseins. Die Stresserscheinungen und psychosomatischen Beschwerden steigen, wie gesagt, in der Regel mit zunehmender Dauer. Das schlägt auch auf die Zufriedenheit mit der Vereinbarkeit von Arbeit- und Privatleben durch. Personen, die viel pendeln, sind häufiger unzufrieden mit ihrem Leben und haben ein niedrigeres Wohlbefinden. Ein anderer Faktor ist die Planbarkeit der Fahrzeit. Wenn ich weiß, dass meine Bahn stets pünktlich ist, dann habe ich deutlich weniger Probleme. Ich selber fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit – da gibt es keinen Stau, ich weiß genau wie lange ich unterwegs bin und habe Bewegung. Das kann aber nur machen, wer nicht allzu zu weit weg von der Arbeitsstelle wohnt.

Gibt es Strategien, die Pendler nutzen können, um sich gegen die Stressoren zu wappnen?
Da kommt es darauf an, ob ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln reise oder mit dem Auto. Beides hat Vor- und Nachteile – je nach Personentyp wiegen die mal schwerer und mal leichter. Wer mit dem Auto unterwegs ist, muss sich nach einem langen Arbeitstag zusätzlich auf der Fahrt konzentrieren. Das ist eine Belastung. Dafür hat man in der Regel Ruhe. In der Bahn kann man bestenfalls Musikhören, etwas lesen oder sich mit Kollegen oder anderen Pendlern während der Fahrzeit unterhalten. Letztlich hilft aber auch die beste Organisation nur bedingt. Pendelzeit ist immer arbeitsgebundene Zeit. Egal ob ich ein gutes Buch lese oder mich mit netten Menschen unterhalte - die meisten Menschen würden gerade tausend Dinge lieber tun, als im Zug zu sitzen.

Was hilft denn noch?
Das Verkehrsmittel sollte man so wählen, dass die Pendeldauer möglichst kurz ist. Weiter ist es hilfreich, die Stoßzeiten zu vermeiden, in denen jeder zur Arbeit oder heimfährt. Der Chef kann einem da mit Gleitzeitregelungen entgegenkommen. Der Stress lässt sich zudem reduzieren, wenn ich ein oder zwei Tage die Woche von Zuhause aus arbeiten kann. Puffer sind auch immer hilfreich – also keine beruflichen Termine kurz nach Arbeitsbeginn legen oder private kurz nach Feierabend. Bahnfahrern hilft außerdem – sofern sie es sich denn leisten können und wollen – ein Ticket der 1. Klasse. Da kriegt man leichter einen Sitzplatz und es ist nicht so voll und eng, das reduziert den Stress enorm.

Ist der Stress, den man beim Pendeln durchleidet, auch personenabhängig?
Es gibt Personen, die leichter mit dem Stress umgehen können und sich ganz gut damit arrangieren. Für andere ist das Pendeln von Tag zu Tag aufs Neue stresserzeugend. Die kurzfristigen Stressreaktionen kumulieren bei solchen Personen, sie werden zunehmend unzufrieden. 

Ab welchem Punkt sollte man mit dem Pendeln aufhören?
Das muss jeder für sich entscheiden. Wenn ich allerdings merke, dass das Pendeln dazu führt, dass ich meine Freunde und Familie vernachlässige, weil ich Abends zu spät heimkomme, um noch etwas zu unternehmen, oder zu erschöpft bin, wenn ich merke, dass ich mich jeden Tag beim Pendeln ärgere und unzufrieden und reizbar bin, dann sollte ich dringend darüber nachdenken, die Pendelentfernung zu reduzieren.

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