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Beförderung Das sollten Sie sich fragen, bevor Sie eine Führungsposition übernehmen

Quelle: imago images

Eine Beförderung? Vielleicht sogar in die Geschäftsführung oder in den Vorstand? Die erste spontane Reaktion ist in der Regel Freude. Aber dann folgt oft Unsicherheit. Und das ist auch gut so.

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Wer in verantwortungsvolle Positionen berufen wird, hat nicht nur mit dem Unternehmen und der Aufgabe umzugehen, sondern auch mit sich selbst. Traue ich mir das zu? Will ich das wirklich? Oder ist es nur die Eitelkeit, die mich steuert? Solche Fragen sind berechtigt – und umso wichtiger sind die entsprechenden Antworten. Daher einige Gedanken zur Selbstüberprüfung.

Die Unternehmensleitung muss nicht über die größte Expertise verfügen. Im Gegenteil: In Geschäftsführung und Vorstand ist Unternehmer- und Führungsgeist gefragt. Wollen sie wirklich führen? Und empfinden Sie die damit verbundene Verantwortung nicht als Last, sondern als Lust?

Damit eng verbunden ist die zweite Frage. Bin ich bereit loszulassen? In einer Führungsposition müssen Sie keine Aufgaben mehr ausführen, sondern den Kurs festlegen, die richtige Besatzung zu finden und dafür zu sorgen, dass jeder an seinem Platz seine Aufgabe erfüllen kann. Dazu gehört auch der Blick in den Spiegel: Haben Sie eine Leidenschaft zum Mikromanagement? Gute Chefs pfuschen den Fachleuten nicht ins Geschäft, sondern haben das große Ganze im Blick.

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Die Beliebtheitsfalle

Zu einer Last wird Führung für diejenigen, die permanente Dankbarkeit und Anerkennung erwarten. Diese Einstellung führt schnell in die „Everybody’s Darling-Falle“. Natürlich freuen sich auch Führungskräfte über Lob und Anerkennung. Und sie werden diese auch spüren, wenn sie ihren Job gut machen. Aber niemand sollte dies als selbstverständliche Rahmenbedingung erwarten. Die Unternehmensleitung ist kein Schutzbiotop für empfindsame Seelen. Zur Selbstbefragung vor der Übernahme einer Führungsposition gehört es auch, die eigene Psyche zu hinterfragen. Bin ich bereit, auch in schwierigen Zeiten Mitarbeiter und damit das Unternehmen zu schützen? Oder bereitet mir Kritik, berechtigt oder unberechtigt, schlaflose Nächte?

Der Rollenwechsel

Der Wandel vom Kollegen zum Chef ist keineswegs trivial. Halten Sie es aus, wenn Sie plötzlich von bisherigen Kollegen für Ihren Führungsstil oder die unternehmerische Ausrichtung kritisiert werden? Sind Sie bereit, die natürliche Distanz zwischen Unternehmensleitung und Mitarbeitern zu akzeptieren? Dazu gehört es auch, nur noch indirekter Teil des „Flurfunks“ zu sein, unbequeme Entscheidungen gegenüber bisherigen Kollegen zu treffen und Konflikte gegebenenfalls auch durch harte Entscheidungen zu lösen. Die Erwartung, sich mit solchen Entscheidungen immer beliebt zu machen, wäre naiv.

Die Erwartungen

Was oft unterschätzt wird: Kennen Sie die Erwartungen des Gesellschafters, des Aufsichtsrats und der Mitarbeiter? Und passen diese Erwartungen zu Ihren Zielen? Wer neue Geschäftsmodelle entdecken will, wird mit einem wenig experimentierfreudigen Aufsichtsrat und ängstlichen Mitarbeitern in Konflikt geraten. Da können die neuen Ideen noch so gut sein: Diesen Konflikt können Sie kaum gewinnen. Gleiches gilt, wenn die Vorstellungen von Aufsichtsrat und Mitarbeitern unterschiedlich sind.

Daher ist es unerlässlich, die unterschiedlichen Erwartungen kennenzulernen und zu bewerten. Sollten die nicht zusammenpassen: Finger weg von dieser Führungsaufgabe!

Die letzten Zweifel

Selbst wenn die Antworten positiv ausfallen: Ein gesundes Zögern ist durchaus sinnvoll – erst recht, wenn der Nachfolger in große Fußstapfen tritt. Wer davor Angst hat, ist für Führung per se ungeeignet. In der Führungsaufgabe muss man den Anspruch haben, eigene Spuren zu legen und darf sich nicht um die Fußabdrücke fremder Menschen kümmern. Irgendwann ist für alles Bewährte das Haltbarkeitsdatum erreicht. Das zu erkennen und neue Wege einzuleiten, neue Strukturen und neue Geschäftsmodelle zu finden, ist eine der wichtigsten Führungsaufgaben.

Die Kreativität, den Mut und die Beharrlichkeit in diesen neuen Wegen eigene Fußspuren zu legen und den Anspruch an sich selbst zu haben, diese Spuren groß zu machen, braucht es am Ende halt auch, um in der Unternehmensleitung Erfolg zu haben.

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