Bertelsmann-Studie Viele Depressionen bleiben ohne Therapie

Jeder Fünfte Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Depression. Eine angemessene Behandlung gibt es aber selbst für schwer erkrankte Patienten meist nicht, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt.

10 Fragen zur Ermittlung des Handlungsbedarfs
1. Haben einige Ihrer Mitarbeiter mehrere Vorgesetzte? Arbeiten sie z. B. gleichzeitig in Projekten und im Tagesgeschäft? Quelle: dpa
2. Gibt es Abteilungen/Bereiche, in denen Mitarbeiter häufig krank sind? Quelle: dpa
3. Kommt es zu schwerwiegenden Fehlern, wenn Mitarbeiter im Urlaub sind? Quelle: dpa
4. Haben einige Ihrer Mitarbeiter mehrere Vorgesetzte? Arbeiten sie z.B. gleichzeitig in Projekten und im Tagesgeschäft? Quelle: dpa
5. Sind Sie häufig nach stundenlangen Besprechungen soweit wie am Anfang? Quelle: Fotolia
6. Arbeiten Ihre Mitarbeiter oft und/oder über einen längeren Zeitraum unter starkem Zeit- bzw. Leistungsdruck? Quelle: dpa
7. Gibt es Abteilungen, in denen „Feuerlösch-Aktivitäten“ überhand nehmen, z. B. durch ungeplante Aufgaben? Quelle: dpa
8. Gibt es Mitarbeiter, die fachlich oder persönlich nicht auf ihre Position passen? Quelle: Fotolia
9. Verbringen Ihre Mitarbeiter viel Zeit mit Rückfragen und Nacharbeiten in eigentlich definierten Abläufen? Quelle: dpa
Arbeitsberge Quelle: Fotolia

Die meisten Patienten mit einer schwerer Depression in Deutschland erhalten keine angemessene Therapie. Das geht aus einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung, dem "Faktencheck Gesundheit", hervor. 56 Prozent der als schwer depressiv diagnostizierten Menschen in Deutschland werden demnach unzureichend behandelt, also nur mit Antidepressiva oder einer Psychotherapie, aber nicht mit einer Kombination aus beidem.
18 Prozent der schwer depressiven Patienten werden laut der Erhebung gar nicht behandelt. Nur 26 Prozent bekämen, wie in den Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde vorgesehen, eine kombinierte Behandlung mit Medikamenten und Therapie oder eine Behandlung in einer Klinik.

Für die Studie wurden anonymisierte Daten von rund sechs Millionen Versicherten der Betriebs- und Innungskrankenkassen ausgewertet. Sie sind laut Bertelsmann Stiftung repräsentativ für die deutsche Bevölkerung.
Wie hoch die Chance eines Patienten auf eine angemessene Therapie ist, hängt auch vom Bundesland ab. Im Bundesländervergleich erreichen Nordrhein-Westfalen (30 Prozent) und Hessen (29 Prozent) die besten Versorgungsquoten. Schlusslichter sind Sachsen-Anhalt (22 Prozent), Thüringen (20 Prozent) und das Saarland (20 Prozent). Eine Ursache sei die unterschiedliche Versorgung mit Psychotherapeuten oder geeigneten Fachärzten.

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So werden nur 13 Prozent der Menschen in Zwickau (Sachsen) angemessen versorgt. Mit 40 Prozent kommt Münster (NRW) auf eine dreimal höhere Rate. Während im Landkreis Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt) nur neun Psychotherapeuten oder eben Fachärzte auf 100.000 Einwohner kommen, sind es in Heidelberg (Baden-Württemberg) 165. Berlin, Bremen und Hamburg haben eine bis zu viermal höhere Therapeutendichte als die ostdeutschen Bundesländer.

Depressionen gehören zu den häufigsten und folgenreichsten Erkrankungen. Jeder fünfte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Depression. Derzeit leiden nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung rund neun Millionen Deutsche an einer behandlungsbedürftigen Depression, mindestens 15 Prozent von ihnen sind schwer krank. Martin Härter, Autor der Studie und Direktor Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie/Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf hält die Ergebnisse der Studie für alarmierend: "Werden Depressionen nicht angemessen behandelt, können sie chronisch werden. Noch gravierender ist die Gefahr von Suizid bei schweren Depressionen."

Mit Material von dpa

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